Sonntag , 4. Dezember 2022
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Die Anweisungen kommen per Skype vom VfL Lüneburg, getobt wird im eigenen Wohnzimmer: Hanna und Nils waren vor allem vom Aufwärmspiel „Feuer-Wasser-Blitz“ begeistert. (Foto: t&w)

Feuer, Wasser und Blitz im Wohnzimmer

Auch die jüngsten Mitglieder virtuell zu erreichen, stellt Sportvereine vor besondere Herausforderungen. Denn sechs bis neunjährige Kids müssen ganz anders unterhalten werden.

Lüneburg. Am Anfang streikt die Technik, dann aber steht die Leitung zu den jungen Mitgliedern des VfL Lüneburg. Premiere für den Online-Kurs „Spiel, Spaß und Tanz“, der Sechs- bis Neunjährige zuhause vor dem Laptop in Bewegung bringen soll. Und eine Herausforderung für Olga Wick und Linda Schulte, Auszubildende des Vereins, sowie für Simon Klähn, der seinen Bundesfreiwilligendienst beim VfL leistet. „Wir waren lange unschlüssig, ob digitale Angebote für die Kleinen funktionieren, aber sie kommen im Lockdown ja viel zu kurz. Wir probieren es einfach“, erklärt Linda. Auch andere Vereine bieten schon für die Jüngsten im Verein virtuell Sport an, die Ansätze sind unterschiedlich.

Die drei jungen Trainer hätten nicht gedacht, dass die Umstellung so gravierend ist. Vor allem, wenn die Teilnehmer ihre Kamera während des Kurses ausstellen. „In der Halle oder auf dem Platz kriegst du immer direkt Feedback, was gefällt und was nicht“, gibt Olga Wick zu bedenken. Jetzt bleibt ihnen zumindest die „Daumen-hoch-oder-runter-Funktion“, die das Kommunikationstool Skype anbietet und mit denen die Kids die Stunde bewerten können.

Mehr Anleitung und Kommunikation gewünscht

Das Aufwärmspiel „Feuer-Wasser-Blitz“ kommt bei Hanna (8) und Nils (11), die zwei Kilometer entfernt vom VfL im heimischen Wohnzimmer mitmachen, schon mal gut an: „Wasser! Springt aufs Sofa“, kommt die Ansage über den Bildschirm. Mit einem ordentlichen Satz „retten“ sich die Geschwister blitzschnell auf die Coach, bevor sie sich flach auf den Holzfußboden legen - zum Schutz vor dem Blitz natürlich.

„Das hat Spaß gemacht“, freut sich Hanna. Das gilt auch für die weiteren Übungen, für die sie im Stand Knie und Ellenbogen zusammenbringen oder auf der Stelle laufen müssen. Einziger Kritikpunkt von Nils: „Die drei könnten ruhig mehr Anleitung geben und mit uns reden.“ Das empfindet seine Schwester Hanna auch bei den nachfolgenden Tänzen so, die es nach zu tanzen gilt. Zwar kennen beide das Lied „Jungs gegen Mädchen, Mädchen gegen Jungs gut“, aber eben noch nicht die Abfolge der verschiedenen Tanzelemente.

Dennoch: Für Hannas Freundin Eleni und deren Bruder Benno, die von daheim ebenfalls dabei sind, war es „ein Highlight des Tages.“ Allerdings wünscht sich auch Benno mehr Bewegungsspiele. Ehrliches Feedback, das Simon Klähn dankbar annimmt: „Wir müssen uns noch reinfuchsen und in Erfahrung bringen, was ankommt und was eher nicht. Wir sind gespannt auf nächste Woche.“

Neben diesem Kurs am Dienstag bietet das Trio donnerstags noch Home-Workout für Teens von 10 bis 14 Jahren an. Auch dieses Angebot ist ganz frisch, doch merke man sofort, dass die Altersgruppe es gewöhnt sei, online zu kommunizieren. „Da kommen Rückmeldungen direkt per Chat“, so Simon.

Adendorfer Turner schwitzen via Zoom

Einer echten Herausforderung stellt sich Janette Noack seit November, Leiterin der Turnabteilung beim TSV Adendorf. Sie trainiert freitags via Zoom ihre drei Leistungsturngruppen gleichzeitig, Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 16 Jahren. „Das mache ich bewusst, damit die Kleinen durch die Großen animiert werden und sehen, was alles geht“, erklärt die Übungsleiterin, die Übungen differenziert anbietet. „Dann machen die Anfänger zum Beispiel eine normale Brücke, die Könner müssen aus der Brücke in den Handstand kommen. Außerdem gibt es jedes Mal sportliche Hausaufgaben, die sie mir als Video schicken müssen.“

15 bis 20 Kinder sind regelmäßig online dabei. Doch gerade die Jüngsten am Laptop zu halten, sei nicht immer leicht. „Die können einfach nicht so lange aufmerksam sein, und es braucht immer einen Elternteil, der die Technik zur Verfügung stellt und dabeibleibt“, gibt Janette Noack zu bedenken. „Aber einen festen Termin zu haben, sich sehen, mal für eine Stunde Corona ausschalten, das tut denen so gut.“

Deshalb überlegt sie, ab Februar auch für Mitglieder unter fünf Jahren etwas anzubieten. „Vielleicht in der Form, dass ich Eltern online anleite, beispielsweise einen Bewegungspfad aus bunten Bechern durch Wohnung oder Haus aufzubauen.“

Die Adendorferin ruft Mütter und Väter auf, die Bewegungsfreude ihrer Kinder unbedingt zu unterstützen. „Für die geistige und körperliche Entwicklung ist das so wichtig.“ Und wie groß der Drang ist, weiß Janette Noack nur zu gut: Sie hat mit ihren vierjährigen Zwillingen selbst zwei kleine Racker im Haus.

Von Kathrin Bensemann

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