Samstag , 3. Dezember 2022
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Rasmus Ihnen nimmt heute an einem virtuellen Contest teil

Rasmus scheut die Profis nicht

Rolliskater aus Oedeme hofft am Sonnabend beim WCMX-Contest auf die Unterstützung aus Lüneburg. Denn beim Live-Voting ab 20.15 Uhr kommt es auf jede Stimme an

Lüneburg. Wenn Rasmus Ihnen (7) wegen des Lockdowns nicht in den Skatepark nach Hamburg darf, muss der Skatepark eben zu ihm kommen. Jedenfalls, wenn ein Contest ansteht und eine einminütige Performance per Video Pflicht ist, um dabei sein zu können. Deshalb hat der siebenjährige Rollstuhl-Skater nun einen wettkampftauglichen Parcours mit Rampen und Wippe vor der Haustür stehen.

Das perfekte Video ist auch im Kasten und am Samstag ab 20.15 Uhr im Live-Stream im Internet zu sehen – wie das aller Contest-Teilnehmer, unter denen echte Profis sind. Über den Sieg entscheiden die Zuschauer in einem Live-Voting, und Rasmus hofft bei seiner Premiere auf viel Unterstützung.

Seit seiner Geburt ist er auf den Rollstuhl angewiesen und brennt seit mehr als einem Jahr für eine der angesagtesten Rolli-Sportarten, dem Wheel Chair Motocross (WCMX) oder auch Wheelchair Skating genannt. Normalerweise sollten im November die Deutschen Meisterschaften digital stattfinden, an denen auch Rasmus in seiner Altersklasse teilnehmen wollte. Die aber wurden verschoben, weil viele Skater wegen geschlossener Hallen und Parks keine Videos drehen konnten. Stattdessen riefen der Deutsche Rollstuhl Sportverband und die Sparte WMCX zum virtuellen Contest für Jedermann auf.

Eigene Rampe in der Auffahrt

Da ist es gut, einen Handwerker im Freundeskreis zu haben: „Die hohe Rampe haben wir mit einem Freund gebaut, der die technische Ausrüstung und das Know-How hat“, erzählt Mama Miriam Ihnen, während wir auf der Auffahrt der Familie in Oedeme stehen. Ein kleiner Pop-Up-Skatepark ist hier entstanden. Auch eine Wippe baute die Familie selbst und wuchtete die Terrassenrampe, über die Rasmus mit dem Rollstuhl in den Garten und zurückkommt, auf den Parcours. „Ich musste ja eine Minute am Stück etwas zeigen, da brauchte ich ordentlich Möglichkeiten“, so Rasmus.

Kleine Blessuren blieben nicht aus. „Am Anfang habe ich auf der großen Rampe erst einmal einen Bauchklatscher hingelegt“, verrät der Erstklässler der Häcklinger Grundschule. Nach etwa zehn Versuchen aber war Rasmus zufrieden, „dann sah ich ganz locker aus.“

Weil niemand außer ihm auf dem Video zu sehen sein durfte, sperrte die Familie den Bereich mit Mülltonnen ab, denn längst sind Rasmus und sein Privatpark auch für die Nachbarschaft zum Highlight geworden. „Ja“, sagt Mama Ihnen schmunzelnd, „hier fahren inzwischen nicht mehr nur wir.“

Live-Übertragung aus dem Kölner Skatepark

Rasmus Video durfte bisher niemand zu sehen bekommen, das ist Bedingung für die Teilnahme am Contest. Gestreamt – also übers Internet live gezeigt – werden die eingereichten Clips heute Abend aus einem Kölner Skatepark.

„Auch eine Band wird dabei sein, mehr ist wegen Corona ja leider nicht möglich“, bedauern Rasmus und Miriam Ihnen, die die Atmosphäre in Skateparks immer genießen. Deshalb freuen sie sich, dass die Planungen für den neuen Skatepark an den Lüneburger Sülzwiesen Fahrt aufnehmen. Bis dahin wird Rasmus weiter nach Hamburg fahren müssen, um sein Hobby ausüben zu können.

Eigentlich geht Rasmus vor 20 Uhr ins Bett, deshalb will er heute lange ausschlafen, um den Contest am Abend live verfolgen zu können. Die Preisverleihung folgt direkt im Anschluss. Und auch, wenn er weiß, dass er echte Profis als Konkurrenten hat, die deutlich älter sind und bereits auf eine große Community setzen können, gilt für den Siebenjährigen: Mitmachen ist alles.

Wer Rasmus heute Abend unterstützen möchte, schaut ab 20.15 Uhr unter www.wcmxgermany.de/videocontest

Teilnehmer des Wettbewerbs kommen aus sieben Nationen

Drei Stunden Livesendung zur Premiere

Rund drei Stunden Livesendung sind am Samstagabend geplant. Einen digitalen Wettbewerb in dieser Form gab es für die WCMX-Sparte im Deutschen Rollstuhl-Sportverband bisher noch nie. Gezeigt werden 13 eingereichte One-Take-Videos, darunter auch das von Rasmus, bei denen die Rolliskater in einen 60 bis 90 Sekunden langem und durchgängig gefilmten Video ihr Können zeigen. Abstimmen können die Zuschauer am Bildschirm zudem über 21 sogenannte Edits, in denen 60 bis 90 Sekunden lange Zusammenschnitte von Tricks präsentiert werden. Die Teilnehmer des Contests kommen aus sieben Nationen. Über Live-Schalten werden WCMX-Fahrer aus der ganzen Welt in die Sendung mit einbezogen.

Von Kathrin Bensemann

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