Montag , 5. Dezember 2022
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Im Arm liegen dürfen sie sich nicht, aber mit Kontakt kicken: die U 12 der JSG Adendorf/Erbstorf freut sich über den Re-Start. (Foto: t&w)

Gefühls-Chaos auf dem Sportplatz

Zwar ist Kontakt beim Training für den Nachwuchs erlaubt, gewöhnungsbedürftig ist der Re-Start damit aber schon

Lüneburg. Nachwuchstrainer Simon Behrens Pérez versuchte, das Gefühls-Chaos in Worte zu fassen, mit dem er diese Woche sicher nicht allein war: „Das ist doch wie in einer anderen Welt“, meinte der 17-Jährige, während er seine hochmotivierten Kicker beim ersten Trainingsspiel auf dem Sportplatz des TuS Erbstorf verfolgte.

Strenge Abstandsregeln im Alltag auf der einen, Sport mit Kontakt auf der anderen Seite: Nach fünf Monaten Stillstand ist das durchaus gewöhnungsbedürftig, seit Montag aber für Kinder bis einschließlich 14 Jahren nach der Niedersächsischen Verordnung erlaubt - so die Inzidenz unter 100 ist. Auf einigen Sportplätzen kehrte deshalb auch umgehend das Leben zurück. Dabei verzichten allerdings nicht alle Sparten auf die Abstandsregeln, gehen noch auf Nummer sicher.

„Fußball ohne Kontakt, obwohl wir dürfen? Das würde doch weiter zu Frust führen“, meinte Clemens Gantert. Er ist Betreuer der U12 der JSG Adendorf/Erbstorf, die Simon gemeinsam mit Tom Senger (18) trainiert. Maximal 20 Kinder und Jugendliche plus zwei Betreuer dürfen outdoor in Gruppen Sport treiben, so die Verordnung. Deshalb haben sie ihre 30 Kicker auf zwei feste Teams verteilt, die nun in der Konstellation zusammenbleiben müssen.

Nur vier Spieler hatten für das Training abgesagt, manche wurden von der Lockerung regelrecht überrumpelt. „Eine Mutter rief mich an, dass ihr Sohn gerade gar keine passenden Fußballschuhe hat, weil seine Füße so gewachsen sind“, verriet Clemens Gantert. Klar durfte er zum langersehnten Re-Start stattdessen in Turnschuhen kommen.

Abklatschen und sich in die Arme fallen ist verboten

Vor und nach dem Training sind die Hände zu waschen. Ein Einbahnstraßensystem regelt das Kommen und Gehen auf dem Gelände. Und: Sich wie die Profis nach einem Tor abklatschen oder jubelnd um den Hals fallen, ist verboten. Regeln, die Ben Schiemann (11) gern in Kauf nimmt, um sich wieder mit den Kumpels austoben zu können. „Wir haben so lange darauf gewartet.“ Dass er für einen Moment die Kontaktbeschränkungen vergessen darf, genoss er sichtlich.

„Es ist auch nicht komisch, in Zweikämpfe zu gehen, das Gefühl war sofort wieder da.“

„Wir starten ins ganz normale Training zurück“, erklärte auch LSK-Jugendvorstand Martin Wilke. Ab Montag geht es für die Jahrgänge U 7 bis U 15 in der Goseburg los. „Wir leben ja noch auf einer Baustelle, mussten erstmal aufräumen. Es ist wichtig, dass die Kinder wieder auf die Wiese gehen.“ Auch hier müssen die jungen Kicker fertig umgezogen zum Fußballplatz kommen, Kabinen und Duschen sollen geschlossen bleiben. „Hoffentlich spielt das Wetter mit.“

Sofort, allerdings noch eingeschränkt und lediglich mit Torschusstraining und Passübungen, hatte Montag der MTV-Nachwuchs auf den Plätzen in der Hasenburg losgelegt (LZ berichtete). „Nach den ersten Informationen vom Wochenende waren wir auf Nummer sicher gegangen. Inzwischen haben wir gelockert, nachdem der NFV klargestellt hatte, dass wir mit Kontakt spielen dürfen“, berichtete Stefan Frehse, sportlicher Leiter für die Jahrgänge U 13 bis U 19.

Riesengroß war die Freude auch bei den jungen Leichtathleten des TSV Adendorf. „Wie doll ich mich freue? 100 Prozent“, versicherte der neunjährige Finn nach einem seiner ersten Hürdensprints seit Monaten auf der Tartanbahn.

Leichtathletik-Training mit Abstand in Adendorf

In Gummireifen und mit Abstand zueinander warteten hier die Kinder am Mittwoch auf ihren sportlichen Einsatz beim Laufen oder Weitsprung - so, wie sie es aus dem vergangenen Jahr kannten. „Wir sind vorsichtiger, als wir müssten, aber das ist in der Leichtathletik auch einfacher umzusetzen als beim Fußball“, so Trainerin Almut Völzke.

Belohnt wurde, wer beim Online-Training am tapfersten durchgehalten hat. „Wir haben erstmal mit 15 Kindern gestartet, 20 waren uns bei nur zwei Betreuern, die erlaubt sind, zu viele“, gab Völzke zu bedenken.

Damit in Zukunft alle bedacht werden, will sie zwei feste Gruppen bilden, die sich wochenweise abwechseln. „Für die, die dann nicht draußen dran sind, machen wir weiterhin Zoom-Training.“ Obwohl davon eigentlich inzwischen alle genug haben. „Hier auf dem Platz ist es viel cooler“, meinte Sarah (8) und machte einen Riesensatz in die Weitsprunggrube.

Wiedererkannt haben sich nach so langer Zeit alle. „Allerdings seid ihr so groß geworden“, versicherte die Trainerin ihrem Nachwuchs. Deshalb hoffen sie nicht nur hier, dass der Inzidenzwert niedrig bleibt und sie sich von nun an wieder regelmäßig sehen – und zwar ganz real.

Inzidenzzahl des Landkreises ist entscheidend für die Aktivitäten im Sport

10-aus-3-Regel gilt doch für die Lüneburger

Die Verwirrung war in dieser Woche groß darüber, was denn nun im Sport laut neuer Verordnung möglich ist. Antworten auf viele Fragen geben die FAQs auf der Homepage der Landesregierung unter www.niedersachsen.de. Danach ist Erwachsenen-Sport bei einer Inzidenz unter 35 mit „insgesamt höchstens zehn Personen aus insgesamt höchstens drei Haushalten auf und in Sportanlagen zulässig.“ Auch bei uns, „solange die Allgemeinverfügung des Landkreises mit der 10-aus-3-Regel gilt“, erklärt Kreissprecherin Katrin Holzmann.

Auch, wenn man beim Landkreis großes Verständnis für den Wunsch habe, sich endlich wieder gemeinsam zu bewegen, gibt Holzmann zu bedenken: „Ob man von der Regelung Gebrauch machen will, ist natürlich jedem selbst überlassen, nach wie vor aber gilt der wichtige Grundsatz, Kontakte zu minimieren.“

Als Richtwert für den Sport - sowohl für Kinder als auch Erwachsene - gelte ausschließlich der Inzidenzwert, den das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) auf seiner Seite für den Landkreis Lüneburg angibt. Der Wert ist täglich unter https://corona.landkreis-lueneburg.de/ zu finden.

Von Kathrin Bensemann

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