Montag , 5. Dezember 2022
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Hobby Horsing, Steckenpferde, TuS Reppenstedt, Reiten. Foto: t&w
Die 11-jährige Grete (vorn) und ihre Mitstreiterinnen haben beim TuS Reppenstedt viel Spaß mit ihren Steckenpferden beim Hobby Horsing. (Foto: t&w)

Hobby Horsing: Eine Alternative zum Reiten

Hobby Horsing, ein Trend aus Finnland, findet beim TuS Reppenstedt immer mehr Zuspruch. Schon mehr als 40 begeisterte Mädchen machen mit beim alternativen Pferdesport.

Reppenstedt. Die Liebe zum Pferd ist unergründlich – und primär eine weibliche Neigung. Da spielt es auch keine große Rolle, ob das Tier wiehert, vier Hufe hat oder überhaupt lebendig ist. In Reppenstedt hat sich vor gut einem Jahr eine Gruppe sieben- bis zwölfjähriger Mädchen zusammengefunden, trainiert seitdem mit einem Steckenpferd zwischen den Beinen die klassischen Reitdisziplinen Sprung und Dressur: Hobby Horsing findet auch in Deutschland immer mehr Anhänger.

Mit einer Schnupperstunde hatte Magda Reikowski, Leiterin der Turn- und Gymnastikabteilung beim TuS Reppenstedt, im Februar 2020 den Trend aus Finnland aufgenommen und publik gemacht. Weit mehr als 40 ausschließlich weibliche junge Pferdefreunde waren der Einladung damals gefolgt. Aus der Idee ist in der Zwischenzeit eine feste Trainingsgruppe entstanden, die sich einmal pro Woche – aufgeteilt in Anfänger und Fortgeschrittene – auf dem vereinseigenen Sportplatz zu ihren Übungseinheiten trifft.

Zwei Mütter leiten die Gruppe

Angeleitet wird das Angebot mittlerweile von zwei Müttern. Das war nicht immer so. „Wir hatten mit Vanessa Warncke anfangs eine sehr engagierte Studentin, die als Hobby-Horse-Trainerin und auch Richterin aktiv ist und uns bei unseren Bemühungen unglaublich kreativ und tatkräftig unterstützen konnte“, erklärt Magda Reikowski. Nachdem diese aber jobbedingt die Hansestadt verlassen musste, drohte der jungen Sportart zwischenzeitlich ein schnelles Ende – bis sich mit Sandra Schulz und einer weiteren Mutter zwei Nachfolgerinnen fanden, die sich der Herausforderung stellten.

Mit Pferden haben die beiden nicht viel am Hut, mit der Vermittlung von Motorik kaum Erfahrung, gleichen dieses aber mit Herzblut und hohem zeitlichen Einsatz aus. Sandra Schulz erzählt: „Ich habe mir viele Videos im Internet angesehen, informiere mich dort auch über mögliche Übungsabläufe und Trainingsinhalte.“ Die Zeit dazu hatte sie: Weil Corona die Wintersaison auf Eis gelegt hat, nutzte die engagierte Mutter gemeinsam mit ihrer Tochter Leni die Gelegenheit, sich dem Thema weiter zu nähern: „So haben wir in unserer Wohnung die unterschiedlichsten Parcours aufgebaut und geübt.“ Mit Erfolg.

Unterschiedliche Parcours in der Wohnung

Auf Video aufgezeichnet, hat Sandra Schulz Lenis Fortschritte an Ausrichter verschiedener Online-Turniere geschickt. Dort konnte die Achtjährigen insbesondere beim Distanzreiten punkten: „Insgesamt 116 Kilometer hat meine Tochter mit dem Steckenpferd innerhalb von zwei Monaten zurückgelegt und damit den sechsten Platz bei diesem Wettbewerb belegt“, sagt die Mutter nicht ohne Stolz.

Bewegung – das ist das wichtigste Element der noch jungen organisierten Sportart, die für viele Mädchen eine Alternative zum Reiten auf einem lebendigen Pferd darstellt. Auch für Leni. Sie ist früher geritten, hat aber aus verschiedenen Gründen den Spaß daran verloren und begeistert sich nun für das Hobby Horsing. Am besten gefällt ihr das Springen, bei dem die Mädchen mit ihren hölzernen Gefährten durch einen Parcours traben und verschieden hohe Hindernisse überwinden.

Turnier im kommenden Jahr in Reppenstedt geplant

Gefordert ist bei dieser Disziplin die Kondition. Basis aller Reitweisen ist aber die Dressur, denn das korrekte Ausführen der Gangarten, sowie Sitz und Haltung sollten beherrscht werden, um bei einem Wettkampf – ein Turnier soll im kommenden Jahr auch in Reppenstedt stattfinden - nicht disqualifiziert zu werden. Der Sport bietet große Herausforderungen: Während die Mädchen mit dem Oberkörper die Haltung einer Reiterin bewahren, imitieren sie mit den Beinen die Schritte des Pferdes und müssen gleichzeitig auf die korrekte Positur des Steckenpferdes achten, welches Rumpf und Kopf des Ponys bildet.

Diese hohe Schule ist eher etwas für die Fortgeschrittenen. Besonders die Jüngeren, das hat auch Sandra Schulz früh beobachtet, hüpfen lieber über kleine Hindernisse, „oder spielen einfach mit oder ohne Pferd, je nach Laune“. Und das sollen sie auch, einen Zwang beim Training gibt es in Reppenstedt nicht. „Jeder lebt das Hobby aus, wie er mag.“ Und das macht Grete auch.

Freizeitbeschäftigung für Körper und Geist

Grete ist elf und hat den Sport zu ihrer Passion erhoben: Elegant nimmt sie fast jede Hürde, beherrscht die Gangarten einwandfrei. Je nach Disziplin nutzt sie dafür ein spezialisiertes Pferd, hat sie von denen mittlerweile doch genug: „Ich habe mir einige gewünscht, die meisten aber selbst genäht“, sagt sie und unterstreicht damit das, was das Hobby ausmacht: Eine ideale Freizeitbeschäftigung, die nicht nur den Körper, sondern auch den Geist anregt.

Wer beim Hobby Horsing mitmachen möchte, meldet sich bei Sandra Schulz unter 0179/59 59 500.

Von Ute Lühr

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