Sonntag , 4. Dezember 2022
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Heinrich Meyer mäht den Rasen auf dem Sportplatz des TuS Hohnstorf. Er ist eine Institution beim TuS. Nun wird sogar die Sportanlage nach ihm benannt. (Foto: t&w)

Sportzentrum bekommt seinen Namen

Für seine langjährige Tätigkeit als Platzwart des TuS Hohnstorf kommt Heinrich Meyer jetzt eine besondere Ehre zuteil. Seine Frau könnte zu seinem Engagement eine andere Meinung haben.

Hohnstorf/Elbe. Wer mit seinen Kumpels die Nächte durchzockt, bekommt in der Regel ein Problem mit seiner Frau. Heinrich Meyer nicht. Zwar hat auch er eine Ehepartnerin, für seine Kartenrunden aber auch einen Grund – und der beginnt um vier Uhr morgens. Dann nämlich stellt das Hohnstorfer Urgestein im Sommer die Sprenger auf dem örtlichen Fußballplatz an, damit sie ihren Dienst bis zum Beginn der heißen Tageszeit verrichtet haben. Für sein jahrzehntelanges unermüdliches Engagement wird ihm jetzt eine besondere Ehre zuteil.

Einstimmig beschloss der Rat der kleinen Elbgemeinde, auf Antrag von Ehrenbürgermeister Jens Kaidas das Hohnstorfer Sportzentrum seinem Platzwart zu widmen: „Heinrich-Meyer-Stadion“ soll die Anlage künftig heißen, soll damit auf lange Sicht an einen „zuverlässigen, treuen und uneigennützigen“ Menschen erinnern, wie es in der Begründung heißt. Der Ort geht damit einen Schritt, den nur wenige machen: Er benennt seinen Sportplatz nach einem Mitarbeiter – und das zu dessen Lebzeiten.

Seit 1986 kümmert sich der heute 78-Jährige um das weitläufige Areal am großen Strom, nicht des Geldes wegen, sondern weil er sich dem Verein durch und durch verbunden fühlt, wie er selbst sagt: Vor 70 Jahren hat er dort mit dem Fußballspielen angefangen, hielt seinem Hobby ein halbes Jahrhundert lang die Stange, 40 Jahre lang war er zudem als Schiedsrichter aktiv und später dann auch als Platzwart. Für den Turn- und Sportverein ein Geschenk.

Der Rasen ist stets in hervorragendem Zustand

„Noch heute sieht der Rasen aus, als ob er gestern erst gesät wurde“, sagt Jens Kaidas, „die Anlage ist in hervorragendem Zustand, was sowohl dem Verein als auch der Gemeinde viel Geld gespart hat.“ Und dafür sei allein Heinrich Meyer verantwortlich: „Er handelt immer selbstständig und ohne große Anweisungen zum Wohle vom TuS und auch von Hohnstorf.“

Sein tatkräftiges Engagement bekommen allerdings auch die weniger willkommenen Gäste zu spüren: Jugendlichen stellt der gelernte Fleischer ebenso aktiv wie Maulwürfen nach. Die einen werden vertrieben, wenn sie sich unerlaubterweise auf dem Gelände aufhalten und ihren Müll hinterlassen, die anderen werden gefangen und an anderer Stelle wieder ausgesetzt. Ansonsten erledigt Heinrich Meyer die Arbeiten, die mit seinem Job verbunden sind, ohne Konfrontation: Er walzt und wässert die Plätze, sät den Rasen und repariert, was kaputtgegangen ist.

Früher hatte er dafür einen denkbar kurzen Dienstweg, bewohnte er doch gemeinsam mit seiner Frau, die sich um die Reinigung der Vereinsräume kümmerte, eine Wohnung direkt auf dem Gelände. Mittlerweile ist das Ehepaar aber zu seinem Sohn nach Hittbergen gezogen, und der Rentner steigt im Sommer täglich aufs Rad, um seinen Pflichten nachzukommen.

Ehrenmitglied seit 2015

Bereits 2015 wurde er für diesen enormen Einsatz im Sinne des Vereins geehrt, wurde damals zu dessen Ehrenmitglied ernannt. Jetzt kommt eine noch größere Auszeichnung dazu. Heinrich Meyer nimmts gelassen: „Das finde ich gut“, sagt er – und könnte nun eigentlich auch als Platzwart in den Ruhestand gehen. „Erstmal mache ich das aber noch weiter“, meint er, „solange die Kehle noch mitmacht.“ Oder er eine Berechtigung zum Kartenspielen sucht.

Von Ute Lühr

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