Sonntag , 4. Dezember 2022
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Sie werden dem LRC Wiking fehlen: Das erfolgreiche Trainer-Paar Larissa Vent und Marten Krüger zieht es nach Berlin. Sie wurden zum Abschied mit dem Ehrenamtszertifikat des LSB ausgezeichnet. Der 29-Jährige bekam dazu die Ehrenamtsnadel in Bronze. Foto: t&w

„Das ist sehr emotional heute“

Erfolgs-Trainer Larissa Vent und Marten Krüger gehen nach Berlin. Es ist ein herber Verlust für den Lüneburger RC Wiking.

Lüneburg. Es ist eine Mischung aus Wehmut und Aufbruchstimmung, die Larissa Vent und Marten Krüger Dienstagabend am Bootshaus des Lüneburger RC Wiking überkommt. „Das ist sehr emotional heute“, versichert die 27-Jährige. Soeben ist das erfolgreiche Trainer-Paar, das über Jahre junge Rudertalente entwickelt und gefördert hat, vom Verein verabschiedet worden. Es zieht sie beruflich nach Berlin. Ein neuer Lebensabschnitt für die Zwei, ein schwerer Verlust aber für den Leistungssport des Ruderclubs, der sich nun umstrukturieren muss. „Von national auf regional, der Verein wird wieder bei kleineren Wettbewerben groß auftreten“, beschreibt Larissa Vent die Neuausrichtung.

Sie brachten zwölf Talente zu Deutschen Meisterschaften

Zwölf Nachwuchs-Ruderinnen und Ruderer haben die beiden Trainer zu den Deutschen Meisterschaften gebracht. „Und das nicht als Mannschaft, sondern als Individualsportler, die in den unterschiedlichen Mannschaftsbooten für den Landeskader erfolgreich waren“, erklärt Marten Krüger. Der 29-Jährige ist seit seinem 6. Lebensjahr Mitglied im RC Wiking, saß als Jugendlicher selbst im Achter bei einer DM. Mit Hanno von Stern und Elisa Patzelt feierte das engagierte Duo vier DM-Titel. Höhepunkt war die Bronzemedaille von Elisa 2019 bei der Junioren-WM in Tokio.

Sie haben den Leistungssport bei Wiking geprägt. Ob sie auch beim RC Tegel aktiv werden, lassen sie sich offen. Foto: t&w

Einen letzten Einsatz haben sie noch: Vom 24. bis 27. Juli begleiten sie Justus Bormann, der im August ins Sportinternat nach Hannover zieht, und Studentin Julia Kruse zu den deutschen Junioren-Meisterschaften nach Essen. „Das wird eine besondere Meisterschaft für uns“, weiß Larissa Vent schon jetzt. Denn es wird auch ein Abschied vom Landesruderverband (LRVN), für den die Zwei seit 2016 im Einsatz waren, landesweit Projekte umsetzten – also Boote mit Sportlern aus verschiedenen Vereinen übernahmen - und den RC Wiking als Landesstützpunkt über Lüneburg hinaus bekanntmachten.

Larissa Vent kam 2014 zum Studium aus Berlin nach Lüneburg und startete ihre Trainerkarriere an der Ilmenau. Nun geht es mit Marten Krüger an ihrer Seite zurück in ihre Heimat. Vor gut einem Jahr fassten sie den Entschluss, sich gemeinsam zu verändern – im Hinterkopf aber gärte er schon länger. Ursprung war ein Trainingslager in Berlin. „Bei einem Stadtausflug unterm Brandenburger Tor meinte Marten, dass Berlin ja doch ganz schön sei und er sich vorstellen könnte, hier zu leben“, erinnert sich die 27-Jährige.

Traineramt beim RC Tegel nicht ausgeschlossen

Der Zeitpunkt passt: Sie hat gerade ihr Referendariat mit dem 2. Staatsexamen abgeschlossen, ihre Zeit an der Grundschule in Soderstorf ist damit beendet. Zum neuen Schuljahr wechselt Larissa Vent nun als Lehrerin an eine Grundschule im Speckgürtel von Berlin. Marten Krüger wird als Bauleiter eines Bauunternehmens in der Hauptstadt arbeiten. Das Doppelhaus in Hohen Neuendorf ist bezugsbereit, Ende Juli ist Umzug.

In der Nähe liegt der Ruder-Club Tegel, wo Larissas Leidenschaft für den Rudersport entflammte, sie als Ruderin und Trainerin aktiv war. Startet das Paar also auch sportlich neu durch? Immerhin ist ihr Bruder hier Vorsitzender für den Leistungssport. „Ganz raus werden wir nie sein. Wir halten es uns offen, werden erst einmal gemeinsame Zeit genießen und entschleunigen“, verraten sie. Verständlich, bei 23 Stunden Trainerdasein pro Woche und diversen Wettkämpfen in den vergangenen Jahren. „Rudersport ist intensiv. Ich weiß gar nicht mehr, wie es ist, Freunde einzuladen“, verrät Larissa.

Marten Krüger hat nach einem Jahrzehnt seinen Posten als Jugendwart an Antonia Hagemann abgegeben. Verlassen kann er sich auch auf ein junges Trainerteam, das sich dank seines Einsatzes im Nachwuchsbereich etabliert hat. Und auch Vater Reinhard Krüger, im Wiking-Vorstand und gerade aus seinem Amt als Landesvorsitzender im LRVN verabschiedet, steht hinter dem Umzug, trotz des Verlustes für den Verein. „Deshalb können wir mit einem guten Gefühl gehen und sind dankbar, was wir hier aufbauen durften.“

Vereinsstruktur in Lüneburg verändert sich

Gezielt Leistungssport wird es beim RC Wiking vorerst nicht mehr geben. „Der Verein wird sich wieder auf die breite Masse konzentrieren. Aber unsere Trainer sind so gut geschult, dass sie Talente erkennen und sich gegebenenfalls mit den Stützpunkttrainern in Verbindung setzen“, weiß Marten Krüger. Und eines haben sie bei ihrem Abschied am Dienstag versprochen: Per Telefon stehen sie dem Club weiter mit Rat und Tat zur Seite.

Von Kathrin Bensemann

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