Samstag , 3. Dezember 2022
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Franziska Brokelmann und Lennard Böttcher freuen sich auf Olympia und fiebern mit den deutschen Hockey-Teams mit. (Foto: t&w)

Hockey: Deutschland ist wieder ein Favorit

Als Mit-Favoriten gehen die deutschen Teams bei Olympia in Tokio an den Start. Das meinen zumindest Franziska Brokelmann und Lennard Böttcher vom HC Lüneburg. Wer die Mission noch gefährden könnte, lesen Sie hier.

Lüneburg. Die Erwartungen sind wie immer hoch: Wenn an diesem Wochenende die Hockeyteams in Japan an den Start gehen, setzen wieder viele Experten auf einen Platz auf dem Treppchen – nicht ohne Grund. Nach wie vor ist das ursprünglich englische Ballspiel Deutschlands erfolgreichste Mannschaftssportart der Geschichte, haben Herren und Damen zusammen bei Olympischen Spielen die zweitbeste Statistik aller Nationen. Und dieser Trend wird anhalten, folgt man der Einschätzung von Franziska Brokelmann und Lennard Böttcher.

Seit ihrem sechsten Lebensjahr spielt Franziska Brokelmann Hockey, zunächst beim HC Lüneburg, später dann bei verschiedenen Hamburger Spitzenvereinen in der Bundesliga: Europacup, Deutscher Vize-Meister auf dem Feld, ein nationaler Titel in der Halle – viel hat sie in ihrer sportlichen Laufbahn erreicht, war auch im Nachwuchskader der Nationalmannschaft aktiv: „Ich traue den deutschen Damen einen Platz auf den Medaillenrängen zu. Auch wenn es gegen die Top-Nationen schwer werden wird, denn in vielen Ländern ist Hockey mittlerweile eine Sportart geworden, mit der man auch seinen Lebensunterhalt verdienen kann.“

Die Niederlande und Großbritannien als Haupt-Konkurrenten

Großbritannien und der alte Rivale Niederlande – das sind für die Torhüterin, die beim HCL mittlerweile als Trainerin aktiv ist, die stärksten Konkurrentinnen: „Im letzten großen Test vor Tokio erreichten die Danas, wie die Mannschaft auch genannt wird, die Silbermedaille“, erklärt sie. Das war bei der diesjährigen Europameisterschaft: Mit 2:0 konnten die Holländerinnen im Juni ihren Titel vor heimischem Publikum verteidigen.

Das wird ihnen und auch keiner anderen Nation in Japan passieren: „Jeder Bundesligaathlet hat aber in den vergangenen Monaten die Erfahrung gemacht, die Ligabegegnungen ohne Unterstützung zu spielen“, sagt Franziska Brokelmann, „deshalb gilt auch in Tokio, den Zustand bestmöglich zu akzeptieren und den Fokus nicht auf das Defizit zu richten, sondern darauf, dass es das Olympische Turnier ist, bei dem es gilt, im Team erfolgreich zu sein.“

Das Team – das ist auch der Schlüssel zum Erfolg bei den Männern, wie Lennard Böttcher meint. Der 26-Jährige spielt seit neun Jahren Hockey, ist Kapitän der Lüneburger Herren und Trainer im weiblichen Damen- und Jugendbereich: „Die Gruppe der deutschen Mannschaft ist besonders mit den Niederlanden, Großbritannien, aber ganz besonders Favorit Belgien schon hart“, sagt der angehende Physiotherapeut, „dennoch sehe ich gute Chancen.“

Neu-Coach Kais al Saadi als Erfolgsgarant

Das Finale traut der Außenverteidiger den Jungs zu, „das Halbfinale sollte es aber mindestens werden“, sagt er, denn das Team hat wie immer Potenzial: „Das ist eine sehr engagierte Truppe, deren Formkurve auch dank Neu-Coach Kais al Saadi klar nach oben zeigt.“ Besonders Stürmer Christopher Rühr von KTHC Rot-Weiss Köln hat es ihm angetan: „Das war früher immer ein kleiner Egozentriker, ist mittlerweile aber unglaublich stabil geworden und für die Mannschaft wahnsinnig wichtig. Der lässt drei bis vier Gegenspieler einfach stehen und hat einen fantastischen Abschluss.“

Aber auch Martin Häner und Altmeister Tobias Hauke, mit 33 Jahren der Älteste im Team, sind seine Favoriten auf dem Feld. Franziska Brokelmann wirft da auch einen Fokus auf das Tor: „Die Danas sind in der Abwehr gut aufgestellt und haben mit Julia Sonntag einen sicheren Rückhalt.“ 29 Jahre ist die Zahnärztin alt, hat insgesamt 81 Länderspiele absolviert und ist erstmals in ihrer Karriere für Olympische Spiele nominiert. Wie Christopher Rühe ist auch sie für Rot-Weiss Köln aktiv.

„Zu den speziellen Aufgaben der Goalies gehört es, dass man immer online sein muss“, berichtet die ehemalige Bundesligatorhüterin aus eigener Erfahrung: „Man muss lautstark seine Vorderleute organisieren und immer fokussierte sein für den einen Ball, der das Spiel letztlich entscheiden kann.“ Dabei müssen insbesondere die gegnerischen Strafecken – bei guter Ausführung ein erfolgsversprechender Standard – analysiert und geplant werden: „Da sind immer Spezialistinnen am Werk, und die dürfen nicht zu ihrem Lieblingsschuss kommen.“

Schon heute geht es mit den Herren los

Ob das gelungen ist, können die deutschen Damen an diesem Wochenende unter Beweis stellen: Sie treten in ihrem ersten Spiel in der Nacht zum morgigen Sonntag um 2.30 Uhr gegen Großbritannien an. Die Herren haben ihre erste Begegnung dann bereits absolviert: Sie spielen heute, Sonnabend, um 12 Uhr gegen Außenseiter Kanada.

Rund um das Hockey-Turnier

Nachhaltige Kunstrasenfelder

Das olympische Hockeyturnier wird zwischen dem 24. Juli und 6. August ausgetragen – mit Rücksicht auf die Witterung in den kühleren Morgen- und Abendstunden nach Japan Standard Time (JST) und damit plus sieben Stunden zu unserer mitteleuropäischen Zeit. Gespielt wird im 2019 eröffneten, nachhaltig entworfenen Hockey-Stadion Oi in Tokio: Die beiden Kunstrasenfelder bestehen zu 60 Prozent aus Zuckerrohr und reduzieren damit den sonst üblichen Verbrauch zum Wässern der Oberfläche um zwei Drittel.

Von Ute Lühr

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