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Stark auch bei Marianne Rosenbergs Hit „Marleen“: Annett Louisan beim Lüneburg-Gastspiel. (Foto: phs)

Ein Abend mit Annett Louisan

23 Lieder hat Annett Louisan nach Lüneburg mitgebracht, eigene und diverse Cover-Versionen. Nicht alle Ideen zünden gleichermaßen, doch die Sängerin steckt mit ihrer guten Laune das Publikum an. 


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23 Lieder hat Annett Louisan nach Lüneburg mitgebracht, eigene und diverse Cover-Versionen. Nicht alle Ideen zünden gleichermaßen, doch die Sängerin steckt mit ihrer guten Laune das Publikum an. 

Lüneburg. Ein kleiner Familienausflug nach Lüneburg? So weit ist es von Hamburg ja nun nicht, dachte sich Annett Louisan wahrscheinlich, kann man machen. So begrüßte sie kurzerhand ihr Töchterlein und ihre Mutter im Publikum, dem bereits die „Wahlfamilie“ der Sängerin vorgestellt worden war: Hardy Kayser an der Gitarre, Flo Holoubek am Schlagzeug, Martin Iannaccone am Bass sowie Michael Geldreich an den Keyboards.

Einfach nach Lust und Laune Musik machen

Irgendwie durften sich die vielen Gäste dann auch noch dazuzählen, als Louisan sie mit „Hallo, Ihr Lieben“ begrüßte. „Wir haben uns heute gedacht: Wir spielen einfach das, wozu wir Lust haben.“ Warum auch nicht? Sie und ihre Band haben die Live-Konzerte so herbeigesehnt.

Womit wir bei der Musik wären. Wenn Annett Louisan Annett Louisan singt, ist sie immer noch am besten. Stücke wie „Das Gefühl“ transportieren unglaublich gute Texte („Das Leben ist kein Warenhaus, denn es nimmt nichts zurück“), ein Lied wie „Ich brauch Stoff“ führt das Ohr erst einmal in die Irre, bis es begreift, wohin die Reise geht. Klassiker wie „Das Spiel“ und „Das alles wär nie passiert (Prosecco)“ durften selbstverständlich auf dem abendlichen Kultursommer nicht fehlen.

„Marleen“ wirkt wie ein eigener Song

Einige Lieder des Abends stammen vom Album „Kitsch“, das Louisan vergangenes Jahr herausgebracht hat. „Torn“ von Natalie Imbruglia ist zwar ein knackiger Popsong, aber wenn Louisan ihn ohne eigene Interpretation singt, ergibt das keinen Aha-Moment.

Anders als „Somewhere Over The Rainbow“: Von einem sanften Bossa Nova unterlegt, schwenkt Louisan langsam wieder in die eigene Umlaufbahn ein. Die sie mit „Marleen“ von Marianne Rosenberg endgültig erreicht: Sanft von Michael Geldreich am Keyboard begleitet, macht sie den Schlager zu einem eigenen Song mit einem ganz eigenen Charakter, der sich zielsicher seinen Weg unter die Haut sucht.

Champagner aus dem Discounter

Sichtlich gut gelaunt war die 42-Jährige sowieso, rief Zaungästen auf einem Bauwagen und vor dem kleinen Wäldchen außerhalb des Geländes zu: „Hört Ihr mich auch? Lebt Ihr da im Busch?“ Verschwand kurz von der Bühne mit dem Hinweis „Ich brauch Stoff!“ und kam mit einem Glas Champagner wieder – wobei sie auch gleich den Ratschlag erteilte, in welchem Discounter es diesen guten Tropfen für 14,99 Euro denn gebe. Einem Fotografen vor der Bühne raunte sie zu Beginn zu: „Von unten bin ich nicht so fotogen!“

23 Lieder hielt der Abend bereit, inklusive zweier Zugaben. Ein Abend, der Hoffnung macht: Denn Annett Louisan hatte gleich mehrere neue Stücke parat. Die bestanden ihren Test, sie klangen ja auch ganz nach dieser kleinen Frau da oben auf der Bühne, die im Besingen von Gefühlen und Ironie nach wie vor eine ganz Große ist.

Von Thorsten Lustmann

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