Samstag , 3. Dezember 2022
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„Ich möchte eine Medaille“, hat Gesa Krause ihr Ziel für Tokio definiert. Als Zweite ihres Vorlauf lief sie direkt ins heutige Finale. Foto: Beautiful Sports/Olaf Rellisch/imago

„Der Lauf hat viele Tücken“

Lara Predki von der LSV drückt Gesa Krause heute über 3000 m Hindernis die Daumen. Sie startete 2019 mit der Profi-Athletin bei der DM.

Lüneburg. Der Startschuss passt heute perfekt in die Mittagspause von Lara Predki: Wenn Gesa Krause um 13 Uhr im Finale um eine Medaille über 3000 m Hindernis bei den Olympischen Spielen in Tokio kämpft, wird die Leichtathletin der Lüneburger SV am Bildschirm mitfiebern – und zugleich in Erinnerungen schwelgen: 2019 hatte sich die Lüneburgerin für die deutschen Meisterschaften über diese Distanz qualifiziert und stand vor exakt zwei Jahren mit der erfolgreichen Profi-Athletin an der Startlinie im Berliner Olympiastadion. 29

Trotz Sturz am Wassergraben ein unvergessliches Erlebnis

„Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde, auch wenn ich gestürzt bin“, erzählt Lara Predki schmunzelnd. Im Hindernislauf kann eben alles passieren. „Es gibt so viele Tücken, nichts ist planbar.“ Und deshalb sind die Daumen gedrückt. „Ich würde ihr eine Medaille gönnen“, versichert die 30-Jährige.

Die Lüneburgerin Lara Predki lief bei der DM 2019 mit Gesa Krause. Foto: Andreas Gora/imago

Es wäre die erste olympische für Gesa Krause, die zuletzt bei der WM in Doha 2019 Bronze über 3000 m Hindernis holte – mit deutscher Rekordzeit von 9:03;30 Minuten. Die Erst- und Zweitplatzierten von damals, Weltrekordhalterin Beatrice Chepkoech und Emma Coburn, gehören auch in Tokio zu Krauses stärksten Konkurrentinnen.

Am Wassergraben wird es im Pulk eng

Für die Disziplin sind auf der 400-Meter-Bahn, die siebeneinhalb Mal umrundet werden muss, insgesamt vier Hindernisse sowie ein Hindernis mit Wassergraben zu bewältigen. Das birgt reichlich Gefahren, erst recht, wenn die Leistungsdichte so hoch ist wie bei Olympia: „Wenn alle im Pulk darüberspringen müssen, musst du so hochkonzentriert sein, da wird der kleinste Fehler zum Verhängnis“, erklärt Lara Predki. „Die Male, die ich gelaufen bin, ist auch immer jemand nicht ins Ziel gekommen.“

Ihr eigener Sturz am Wassergraben nach 1700 m passierte so schnell, dass sie bis heute nicht weiß, wie er überhaupt zustande kam. „Eine andere Läuferin und ich haben uns berührt und da lag ich auch schon.“ Ärgerlich vor allem, weil sie auf Bestzeit-Kurs war. „Am Tag vorher war ich so aufgeregt, am Tag selbst aber total locker, konnte die Atmosphäre aufsaugen“, erinnert sich die LSVerin, die als Bestzeit eine 11:04;65 stehen hat.

Satte 35 Sprünge auf siebeneinhalb Runden

Sie brachte den Wettkampf dennoch ins Ziel, musste dafür allerdings weitere wichtige Sekunden für eine Diskussion mit der Kampfrichterin opfern, die sie disqualifizieren wollte. „Danach konnte ich nur noch an die letzte Gruppe heranlaufen, das Rennen war natürlich gelaufen.“ Der Stolz aber, dabei gewesen zu sein, überwiegt noch heute. Zum Austausch mit der späteren deutschen Meisterin Gesa Krause kam es in Berlin nicht. „Da ist jeder in seinem Tunnel und sie war auch eher unnahbar.“

Für Lara Predki, die auf 800 und 1500 spezialisiert ist, sind die 3000 m Hindernis eine der härtesten Disziplinen. „Du hast ja schon die Ermüdung durch die lange Strecke, dazu kommen dann noch die insgesamt 35 Sprünge, die richtig in die Beine gehen. Im Wassergraben kommst du außerdem noch auf einer Schräge auf.“

Deshalb nutzen Profis wie Gesa Krause durch feinste Technik jedes Hindernis, um Kräfte zu sparen. „Ich weiß noch, ich musste immer nach Hamburg fahren, um die Disziplin überhaupt trainieren zu können, weil es bei uns gar nicht die Voraussetzungen gibt“, so Lara Predki.

Lara Predki richtet Fokus schon auf die Hallensaison

Sie will am 11. und 12. September bei den Norddeutschen Meisterschaften über 800, 1500 und 5000 m noch einmal angreifen – zum Abschluss einer Saison, die wieder keine war. Zu viele Wettkämpfe wurden wegen Corona gestrichen oder waren ausschließlich Berufs- und Profi-Sportlern vorbehalten. „Das war sehr ärgerlich, weil einem zwei wichtige Jahre fehlen.“ Alle Hoffnung setzt sie deshalb in die bevorstehende Hallensaison mit dem klaren Fokus, wie 2020 wieder die Hallen-Norm zu knacken.

3000 m Hindernis sind erst einmal nicht geplant – lediglich als Zuschauerin am Bildschirm heute Mittag. Hoffentlich mit einer Medaille zum Nachtisch.

Von Kathrin Bensemann

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