Sonntag , 4. Dezember 2022
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Podcast
Ina Freiwald (r.) und Ilka Meyer-Telschow (l.) sind begeisterte Podcasterinnen. Seit Januar 2021 stellen sie wöchentlich eine neue Episode ins Netz. (Foto: Privat)

Lass doch mal ’n Podcast machen

Kennengelernt haben sie sich an der Volkshochschule Lüneburg, Ina Freiwald als Dozentin und Ilka Meyer-Telschow als Teilnehmerin des Schreibkurses. Beide verstanden sich dermaßen gut, dass daraus eine Freundschaft wurde, denn sie teilen denselben Humor. Ein neues Hobby verbindet die beiden nun noch stärker, das Internet macht's möglich. Obwohl Ina Freiwald mittlerweile in Berlin lebt, produzieren sie Woche für Woche eine inhaltsreiche Podcast-Folge – viel Arbeit, aber auch viel Spaß, wie sie versichern.

Lüneburg. Was früher Heimwerken und Handarbeiten war, heißt heute DIY. Und diese Do-it-yourself-Szene hat ein neues Betätigungsfeld dazu bekommen: Pod­casts. Waren solche, via Internet abrufbare Hörstücke einst Zusatzangebote von TV-Sendern oder großen Medienhäusern, sind sie mittlerweile ein beliebtes Medium, das Comedians, Autoren und Schauspieler ebenso bespielen wie Hobby-Talker, Lehrer und Welterklärer. Das Mitteilungsbedürfnis der Menschen ist offenbar groß, und das Internet eine Bühne mit vielen Möglichkeiten.

Auch die Bardowickerin Ilka Meyer-Telschow und die Ex-Lüneburgerin Ina Freiwald haben Feuer gefangen und produzieren jede Woche eine neue Podcast-Episode, die über die gängigen Plattformen von Spotify über Audible bis i-Tunes heruntergeladen werden kann. „Ich selber bin seit Jahren ein Fan von Fest & Flauschig, ein Profi-Podcast von Jan Böhmermann und Olli Schulz“, erzählt die Autorin, Journalistin und Dozentin Ina Freiwald. Ein bisschen sei auch Corona schuld an dem neuen Hobby. „Man konnte ja kaum noch Leute treffen, jeder hat sich auf seine eigene Scholle zurückgezogen“, erinnert sich ihre Freundin Ilka. „Da habe ich die Qualität des Podcast-Hörens für mich entdeckt. Außerdem fühlte ich mich durch die vorgegebene Freizeit unter Druck gesetzt, etwas Bleibendes zu tun, etwas erfinden, ein Instrument oder eine Sprache lernen“, ergänzt die Bardowicker Gastronomin. Ina Freiwald ist zwar vor drei Jahren nach Berlin gezogen, dennoch kommunizieren die beiden fast täglich.

Frauen – ein Thema mit unzähligen Facetten

Eines Tages habe Ilka sie mit dem Satz „lass uns mal ’n Podcast machen“ überfallen. Witzigerweise hatte die 59-Jährige sich bereits ein Buch darüber gekauft, also ging es dann nur noch um das Wie und Worüber. So startete „Hexen, Weiber, Frauenrechte“ im Januar, ganz professionell mit Titelmelodie und Ansage. Die spricht übrigens kein Geringerer als Dr. Jesko Friedrich, Gag-Schieber für die Satiresendung „Extra 3“. In jeder Folge geht es um Frauen, „schließlich machen die ja rund die Hälfte der Menschheit aus“, verteidigt Ilka das Themenspektrum. Der Titel verweist auf die Bandbreite vom Schaurig-Magischen bis hin zu Feminismus. Ob „Sex mit dem Teufel“, „Angilena Maerbock“ oder „Die Liebe und der Suff“, stets sind Frauen der Geschichte und Zeitgeschichte das Thema. Im lockeren Plauderton erfahren die ZuhörerInnen bekannte und weniger bekannte Fakten. Denn die beiden Protagonistinnen bereiten sich intensiv auf ihre Unterhaltung vor, so dass die knapp 60-minütige Sendezeit wie im Flug vergeht.

Die jüngste Folge, Nr. 23, dreht sich um eine berühmte Lüneburgerin: Johanna Stegen, die während der Befreiungskriege Soldaten mit Munition versorgte, die sie von einem havarierten Wagen der Franzosen aufsammelte und in ihrer Schürze transportierte, was diesen schließlich zum Sieg verhalf. Und Johanna, dem Heldenmädchen von Lüneburg, 100 Jahre später ein Denkmal. Im nächsten Atemzug beziehungsweise Rede-Erguss der Podcasterinnen geht‘s um die französische Nationalheldin Johanna von Orléans, die auch als Heilige verehrt wird, erläutert Ina. Aber wie wird man heilig gesprochen? Überhaupt – Frauen und Krieg. Wer weiß schon, dass die Rotarmisten im Zweiten Weltkrieg Frauen für die Front ausbildeten, dass eine Million russische Soldatinnen gegen die Deutschen kämpften. Bei ihrer Rückkehr jedoch wurden sie in ihrer Heimat als Flintenweiber und Huren degradiert, während die Soldaten als Helden gefeiert wurden. Nur ein Beispiel für den Mehrwert von Podcasts.

Und auch die Hunde geben ihren Senf dazu

Nicht nur der Faktencheck, auch die technische Umsetzung kostet Zeit. Die Fäden bzw. die Tonspuren zusammen bringt Ilka, denn die per Zoom-Konferenz geführten „Fern“-Gespräche werden einzeln aufgezeichnet und dann mit Audacity, einem speziellen Programm, zusammengeführt, bearbeitet und zum „Host“ geschickt, der die Verteilung übernimmt. Herausgeschnitten werde jedoch nichts, versichert die zehn Jahre jüngere Ilka. Ob ein Glas umfällt oder Inas Hunde mal wieder ihren Senf dazu bellen, alles bleibe drin.

Wird das alles nicht ein bisschen viel mit der Zeit? Schließlich lässt sich damit kein Geld verdienen und der Ruhm kommt auch nur in kleinen Dosen, da der Hörerkreis noch relativ klein ist. Die Frage stelle sich nicht, betonen beide. Sie seien derart im Flow, dass sie jedes Thema mit neuem Elan angingen. „Außerdem ist das auch so eine Art Hanni-&-Nanni-Battle“, verrät Ilka. Jede versuche, das Beste herauszukriegen und beizusteuern. Auch wenn‘s mal lahm losginge, „wir nehmen immer Fahrt auf“, versichert sie. Also, auf zur nächsten Folge der modernen DIY-lerinnen.

Von Dietlinde Terjung

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