Samstag , 3. Dezember 2022
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Maja Schönefeld (2.v.r.) feiert Platz zwei und die Pokalübergabe bei der Europameisterschaft für das deutsche Team. (Foto: Handball Federation of Montenegro)

Drei unvergesslich mega-coole Wochen

Die Oerzener Handballerin Maja Schönefeld wird mit der deutschen Nationalmannschaft Zweiter bei der U17-Europameisterschaft in Montenegro

Oerzen. Wenn jemand Maja Schönefeld vor einem Monat gesagt hätte, sie würde bald als Handball-Nationalspielerin zur U17-Europameisterschaft nach Montenegro fahren und dort Silber holen, dann „hätte ich es nicht geglaubt“, sagt die Oerzenerin und lacht. Doch genau das ist passiert. Lüneburgs größtes Handball-Talent war als Abwehr-Spezialistin in jedem Match dabei, trug so entscheidend mit dazu bei, dass dem DHB-Team mit Platz zwei eine Riesen-Überraschung gelang.

„So richtig realisiert habe ich das alles noch gar nicht“, erzählt Maja Schönefeld. „Aber es waren mega-coole drei Wochen.“ Bei denen ein Highlight das nächste jagte. Das größte gab es beim Halbfinal-Drama. Denn da trafen die Deutschen auf Russland, neben den späteren Europameisterinnen aus Ungarn der Top-Favorit auf den Titel. Die Mannschaft von Coach Gino Smits gewann mit 34:32 nach Verlängerung.

Härte und Intensität nimmt ab Halbfinale enorm zu

„Gerade in den Spielen gegen Russland und Ungarn mussten wir mit noch viel mehr Härte in den Zweikämpfen umgehen. Aber das Halbfinale hat richtig Spaß gemacht“, so die 17-Jährige. Von Beginn an liefen die Deutschen einem Rückstand hinterher, schienen früh auf der Verliererstraße zu sein. Doch sie kämpften sich Tor um Tor heran, auch die Abwehr stand immer besser. „In der Pause hatte ich schon das Gefühl, wir können das drehen“, erinnert sich Maja Schönefeld. „Und als es in die Verlängerung ging, dachte ich mir: ‚Russland hat keine Chance mehr.‘ Am Ende war es einfach Nervenkitzel pur.“

Die gesamte Mannschaft verinnerlichte dies, denn der Favorit wurde erfolgreich niedergerungen – ein Verdienst der gesamten Mannschaft. „Wir waren ein eingeschweißtes Team, inklusive Trainer und Betreuer“, so die Rechtshänderin zum Erfolgsgeheimnis.

Jubelspalier für die Norwegerinnen

Dass sie überhaupt ins Halbfinale einziehen durften trotz vermeidbarer Niederlage gegen Rumänien, lag an Norwegen, die im letzten Hauptrundenspiel eben jene Rumäninnen knapp mit 29:28 besiegt hatten. Während der Partie waren die deutschen Mädels essen, jubelten im Anschluss aber so richtig und bereiteten den Norwegerinnen, die im gleichen Hotel wie die Deutschen untergebracht waren, ein Begrüßungs- und Jubelspalier nach deren Ankunft im Hotel.

Mit den Norwegerinnen und auch Französinnen, die sie von einem Vorbereitungsturnier kannten, machten die Deutschen dann auch am meisten abseits des Parketts. Die Gegend um ihr Hotel und die Halle war nicht die schönste in Podgorica, wo die EM stattfand. Zudem war es stets um die 40 Grad Celsius heiß.

Aber der Fokus lag sowieso voll auf dem Sportlichen. Dass das DHB-Team im Finale gegen Ungarn nur zeitweise auf Augenhöhe war und verdient mit 19:25 verlor, spielte nur nach dem direkt verlorenen Spiel eine Rolle. Es überwiegt die Freude über Platz zwei. „Nachdem wir glücklich ins Halbfinale gekommen waren, haben wir mit dem Sieg gegen Russland gezeigt, dass wir das Finale verdient hatten“, sagt Maja Schönefeld. „Es war cool, mitanzusehen, dass wir im Finale eine zeitlang auf Augenhöhe waren. Denn Ungarn hatte eine wahnsinnige Passgeschwindigkeit und war extrem eingespielt.“

Der Oerzenerin bleibt der Stolz auf das Erlebte, sie merkt aber jetzt „was das für eine körperliche und mentale Anstrengung war.“ Deshalb spannt sie nun ein paar Tage mit ihrer Zwillingsschwester Jana in Berlin aus, ehe es wieder zurück zu ihrem Verein nach Buxtehude geht. Eines weiß sie: „Die Erinnerungen bleiben.“

Von Ulrich Pott

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