Sonntag , 4. Dezember 2022
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Viele Höhenmeter erfolgreich gelaufen: Frank Reimann holte sich in Zittau bei den Europameisterschaften im Cross-Triathlon den zweiten Platz in der AK 40. (Foto: privat)

Die Angst verdrängt und dann Silber gewonnen

Frank Reimann vom RSC Lüneburg belegt bei der Europameisterschaft im Cross-Triathlon in Zittau Platz zwei in der AK 40

Lüneburg. Als vor zwei Jahren so richtig genervt vom teilweise unfairen Windschattenfahren seiner Leidenschaft Triathlon war, kam er auf die Idee, mal die Variante Cross-Triathlon auszuprobieren. Dies war nicht die schlechteste Entscheidung in seinem Leben. Denn jetzt kehrte der Athlet des RSC Lüneburg von den Xterra European Championship aus dem Zittauer Gebirge mit dem zweiten Platz in der AK 40 wieder, wurde im Gesamtklassement der Amateure starker Elfter – und kann sich jetzt Vize-Europameister nennen.

„Damit hatte ich nicht gerechnet, habe mich deshalb umso mehr gefreut“, berichtet Reimann. Der Lehrer von der Wilhelm-Raabe-Schule brauchte für die 1500 m Schwimmen, 37 Kilometer Mountainbikefahren und die 10 Kilometer Crosslauf 3:09,59 Stunden. Und das bei seiner Premiere. Was noch als i-Tüpfelchen dazukommt: Durch Platz zwei qualifizierte sich Reimann für die Weltmeisterschaften auf Hawaii im Dezember.

Doch wie kommt ein Niedersachse, dessen Bundesland vor allem durch platte Fläche und nur wenige Erhöhungen gekennzeichnet ist, zum Cross-Triathlon, wo mal eben Höhenmeter von mehr als 1000 völlig normal sind? „Mountainbike fahre ich schon lange, habe damals in Neubrandenburg sogar Starts in der Bundesliga gehabt“, erzählt der Lüneburger, der aus Mecklenburg-Vorpommern stammt. „Doch ich hatte irgendwann Angst vor den Abfahrten.“

Training im Elbsandsteingebirge

Die haben ihm vor dem jetzigen Start in Zittau auch die meisten Sorgen gemacht. Viele Trainingsmöglichkeiten gibt es hier vor Ort nicht, doch direkt vor der EM machte Reimann mit seiner Familie Urlaub im sächsischen Elbsandsteingebirge – da war noch etwas Üben angesagt.

Doch bei der EM klappte das Mountainbikefahren über 1050 Höhenmeter erstaunlich gut, er stürzte nicht und hatte kaum brenzlige Situationen. „Mein Motto war: ‚Fahr einfach.‘ Das hat gut geklappt.“ Ganz anders die Situation beim Schwimmen. Dass die aerodynamischen Schwimmanzüge nur erlaubt sind, wenn sie den ganzen Wettkampf über getragen werden, also auch beim Radfahren und Laufen, wusste Reimann nicht. Seinen Einteiler hatte er zu Hause gelassen, war so als einziger Teilnehmer oberkörperfrei unterwegs. „Das hat mich zwei, drei Sekunden pro 100 Meter gekostet“, wusste er.

Letztlich waren diese verpassten zwei, drei Minuten nicht entscheidend für die spätere Platzierung. Beim Radfahren machte er etwa 20 Plätze gut, versuchte vor allem, auf den kurzen Asphaltphasen zu überholen, denn die Bergpassagen waren meist recht eng. „Ich wusste, dass ich gut vorankomme.“

Das gab noch einen zusätzlichen Schub für den 10-km-Lauf über Stock und Stein, durch Bäche, über Bäume oder rutschige Stufen. „Das ging super. Im Ziel dachte ich mir schon, dass ich so unter den Top vier meiner Altersklasse sein musste, denn die vor mir sahen alle so jung aus.“

Quali für WM auf Hawaii als i-Tüpfelchen

Der Jubel über Platz zwei war groß, nur der Däne Mathieu Feder Schwaner war schneller (3:01,28), Dritter wurde der Franzose Franck Bonasso, der eineinhalb Minuten nach Reimann ins Ziel kam. „Dieser Sport ist einfach ursprünglicher, das macht eine Menge Laune“, so Reimann, der nun am 5. Dezember bei der WM im hawaiianischen Maui dabei sein könnte. Doch die Betonung liegt auf „könnte“, denn derzeit sind die Einreisebedingungen in die USA durch Corona so erschwert bzw. unmöglich, dass der Lüneburger hofft, „dass die WM verschoben wird“.

Reimanns Vereinskollege Thomas Pöthe belegte im reduzierten Rennen (750 m Schwimmen, 26 km Mountainbike mit nur 555 Höhenmetern und weniger schwierigen Abfahrten, 5 km Crosslauf), welches keine Europameisterschaft war, den zweiten Platz in der AK55 in 2:15:41 Stunden.

Von Ulrich Pott

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