Samstag , 3. Dezember 2022
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Schach, Jeremy Hommer gewinnt deutsche Einzelmeisterschaft. SC Turm Lüneburg
Schach-Talent Jeremy Hommer vom SC Turm Lüneburg feierte mit dem Sieg bei den deutschen Einzelmeisterschaften in der Altersklasse U16 seinen bislang größten Erfolg. Foto: kab

Jeremy Hommer ist deutscher Schach-Meister

Er gilt als das mit Abstand größte Schachtalent der Region: Jeremy Hommer vom SC Turm Lüneburg. Jetzt feierte der 15-Jährige mit dem Einzeltitel bei den deutschen Meisterschaft der Altersklasse U16 seinen bislang größten Erfolg. Doch das ist noch nicht alles.

Lüneburg. Ein Leben ohne Schach kann sich Jeremy Hommer bereits seit dem vierten Lebensjahr nicht mehr vorstellen: Während seine Freunde ein Kuscheltier mit ins Bett nahmen, klemmte er sich damals zum Einschlafen ein Schachbrett unter den Arm. Schuld war Opa Eduard, dessen Leidenschaft für das strategische Brettspiel früh auf den Enkel abfärbte.

Das Nachwuchstalent des SC Turm Lüneburg wurde Zug um Zug besser, setzt den Großvater längst schachmatt und darf sich nun über den ersten deutschen Einzel-Meistertitel freuen. In der U16 blieb Jeremy im hessischen Willingen als einziger ohne Niederlage. Er erzielte sieben Punkte aus neun Partien und setzte sich überraschend gegen die Favoriten durch. Das ließ auch den Nachwuchstrainer des Deutschen Schachbundes aufhorchen: Er nominierte den 15-Jährigen für die EM im Oktober.

Entscheidende Partie dauert fünfeinhalb Stunden

Die entscheidende Partie war an Spannung kaum zu überbieten. „Vor der letzten Runde hatte ich einen halben Punkt Vorsprung auf die Konkurrenz“, erzählt das Schach-Ass. Dann stand Jeremy als sogenannter „Nachziehender“ vor der Herausforderung, mit den schwarzen Steinen gegen Richard Bethke, den Ersten der Setzliste, anzutreten. Fünfeinhalb Stunden und 68 Züge später aber musste der junge Hesse akzeptieren, dass seine bessere Stellung nicht zum Gewinn ausreichen würde und bot ein Remis an. Das reichte Jeremy, der an Position fünf gesetzt war, zum Meistertitel.

Auch, wenn er sich riesig freute – Jubelschreie am Schachtisch gab es nicht zu hören: „Ich zeige nicht so Emotionen, bin von Natur aus eher ein ruhiger Mensch“, beschreibt er sich selbst. Eine Eigenschaft, die ihm am Brett sicher zugutekommt.

Seine Fans fieberten live am Laptop mit

Denn nicht selten gehen die Partien wie bei der DM über mehrere Stunden. „Für mich vergeht die Zeit aber wie im Fluge, fünf Stunden fühlen sich wie eine halbe an, das Spiel fesselt mich einfach“, schwärmt Jeremy.

Dazu hat er Nerven aus Stahl: „Ich kämpfe bis zum Schluss, auch, wenn es nicht so gut läuft. Das hat mich schon oft gerettet, wo sich andere aufgegeben hätten“, versichert der 15-Jährige, der in Willingen sogar als jüngerer Jahrgang in der U16 antrat. Es war bereits seine achte DM, Titel aber holte er bisher nur mit der Mannschaft.

Vereinskameraden, Freunde und die Familie verfolgten die Deutsche Meisterschaft, die über eine Woche lief, live übers Internet. Neben den Spieltischen waren Kameras aufgestellt. Mama Swetlana Hommer kann ihren Sohn inzwischen auch virtuell bestens „lesen“: „Für mein Mutterherz ist es gut, wenn ich sehe, dass er sich während der Partie bewegt und rumgeht, wenn der Gegner am Zug ist. Schlimm ist es, wenn er am Brett nur runterguckt und den Kopf auf die Hände stützt.“

Eintrag ins Goldene Buch der Hansestadt Lüneburg

Trainiert wird das Schach-Talent aus Rettmer vom Hamburger Großmeister Dmitrij Kollars – meistens über Skype. Hausaufgaben inklusive: „Das sind oft Taktik-Aufgaben, für die er eine Stellung vorgibt und ich muss die schnellsten Züge zum Matt finden.“ Um seine Strategie zu verbessern, studiert er zudem akribisch Eröffnungsphasen des Schachspiels. Schon am Donnerstag geht es für Jeremy wieder auf Tour, ein internationales Turnier in Baden ruft.

Und die Schule? „Die unterstützt mich wirklich toll, stellt mich immer frei“, geht sein Dank an die Wilhelm-Raabe-Schule, wo er die Bläserklasse des 10. Jahrgangs besucht. Natürlich ist er dort in der Schach-Schulmannschaft, die auch zu Meisterschaften fährt. Zeit für andere Hobbys bleiben da nicht: „Ich habe mal Fußball bei Eintracht und MTV gespielt, das schaffe ich nicht mehr.“

Am Dienstag aber ließ er sich einen wichtigen Termin im Lüneburger Rathaus nicht entgehen: Dort durfte sich Jeremy Hommer nach seinem Titel-Gewinn ins Goldene Buch der Stadt eintragen.

Von Kathrin Bensemann

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