Freitag , 2. Dezember 2022
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Cornelia Funke
Cornelia Funke arbeitet bei der Entwicklung ihrer Erzählungen auch mit Farbstiften. Regelmäßig lädt sie zum Ideen-Austausch junge Künstler und Künstlerinnen zu sich ins Haus. (Foto: Michael Orth)

Der dritte „Drachenreiter“ von Cornelia Funke

Cornelia Funke meldet sich mit ihrer dritten Drachenreiter-Geschichte zurück. Mit Lünebuch sprach sie via Instagram über das Buch, ihre Arbeit und ihre neue Heimat in der Toskana.

Lüneburg. Neuseeland, Himalaya, Kalifornien und der Pazifische Ozean. Im neuen „Drachenreiter“-Buch, das gerade erschienen ist, nimmt Cornelia Funke ihre Leserinnen und Leser mit auf eine neue Reise rund um die Welt. Der dritte Band der Reihe heißt „Der Fluch der Aurelia“. Die ist ein gigantisches, leuchtendes Fabelwesen aus der Tiefsee, das sowohl Hoffnung und neues Leben als auch Tod und Verderben in die Welt bringen kann.

Im dritten „Drachenreiter“ rücken der Junge Ben und sein Drache Lung fast schon ein wenig in den Hintergrund, denn das wichtigste Abenteuer dürfen seine Schwester Guinever, seine Mutter Vita und eine verloren geglaubte Freundin der Familie Wiesengrund in den beeindruckenden Tiefen des Meeres erleben. „Drachenreiter“- und Funke-Fans müssen dennoch nicht auf fesselnde Abenteuer, knisternde Spannung und liebevolle Beschreibungen von Natur, Mensch und Tier verzichten.

Wer Funke-Bücher mag, wird auch beim „Fluch der Aurelia“ wiederkehrende Motive erkennen. Freundschaften, Gemeinschaft und Zusammenhalt etwa. Und auch der neue „Drachenreiter“-Band ist eine Liebeserklärung an die Welt mit ihrer schützenswerten Flora und Fauna - Fabelwesen hin oder her. Funkes Bücher öffnen den Lesern die Augen für den Blick auf die eigene Lebenswelt.

Die neue „Drachenreiter“-Geschichte wechselt immer wieder die Perspektiven. Ob aus der Sicht eines Kupfermenschen, des Erzählers und Beobachters, des Homunkulus und treuen Ben-Freundes Fliegenbein, der zu einer Robbe gewordenen Schwester Guinever - die Leserinnen und Leser haben dadurch immer einen kleinen Wissensvorsprung, was das Mitfiebern noch aufregender macht.

Begegnung mit einem Erzfeind

Auch an Land müssen von Ben, Lung, Barnabas Wiesengrund und seinen Freunden viele Herausforderungen gemeistert werden. Dafür sorgen allein schon die Begegnungen mit dem Erzfeind der Wiesengrunds: Cadoc Aalstrom. Der will die Ankunft der Aurelia, die die Saat für vier neue Fabelwesen mit sich bringt, für sich nutzen. Er erhofft sich Unsterblichkeit und ist natürlich bereit, dafür alle anderen zu opfern. Und das kann - aufgrund der Macht der Aurelia, wenn sie zornig ist - tatsächlich das Ende der Fabelwesen bedeuten.

Die Unterwasser-Welt, die Funke mit ihren Worten lebendig werden lässt, strahlt eine beeindruckende Ruhe aus. Tiere und Fabelwesen sprechen über Bewegungen, Lichter und ihre Hände oder Flossen miteinander. Man möchte direkt in den Taucheranzug steigen und ihr in die Tiefe unter der Wasseroberfläche folgen und selbst die Wesen und Orte entdecken.

Wie immer hat sich Funke dabei von der Welt um sich herum inspirieren lassen, wie sie sagt. Und doch sei der dritte „Drachenreiter“ in dieser Hinsicht auch aufwendiger gewesen. „Ich musste sehr viel recherchieren, weil ich so gut wie nichts über das Meer wusste und immer noch bestürzt bin, wie wenig ich über diesen bedeutsamen Teil unseres Planeten weiß.“

Besonders sei beim dritten Drachenreiter auch gewesen, dass sie das Buch nicht auf Deutsch, sondern auf Englisch geschrieben hat. „Ich war sehr überrascht, wie leicht es ging. Bei dem Stoff bietet sich das wirklich an, weil er leichtfüßiger ist. Da kommt das Englische einem entgegen.“ Gemeinsam mit ihrer Lektorin in Deutschland habe sie das Buch deshalb aber im Grunde dreimal fertig stellen müssen - die englische Version, die Übersetzung und die deutsche Endfassung. „Der Arbeitsprozess war so, als würde man ein kleines Boot über den Ozean rudern.“

Das neue Buch erscheint nun zeitgleich auf Deutsch und Englisch. Auch das von Rainer Strecker gesprochene Hörbuch ist bereits erhältlich und entwickelt beim Hören mindestens den gleichen Sog wie das Buch.

Cornelia Funke lebt nicht mehr in Kalifornien – der Klimawandel, die wütenden Waldbrände in der Region haben die Autorin nach 16 Jahren von Malibu in die Toskana flüchten lassen. Treu geblieben ist sich die Schriftstellerin darin, junge Künstler/innen zu sich einzuladen, die nun jeweils für eine Woche in Funkes altem, von Olivenbäumen umgebenen Bauernhaus arbeiten können und sich natürlich auch von der idyllischen Umgebung inspirieren lassen. Das führt zu einem Austausch von Ideen: Während die Besucher meist am Computer arbeiten, ist Cornelia Funke bei Stift und Papier geblieben.

Eine Spende an die Fundskerle

Wenn Funke ein neues Buch schreibt, beginnt das in der Regel mit großen Notizbüchern. Darin formuliert sie erste Gedanken und malt zudem auch gleich die Figuren und Orte aus ihrer Vorstellung. „Während ich schreibe, sind die Buntstifte immer auf dem Tisch. Inzwischen sind meine Notizbücher eine ganz dichte Mischung aus Zeichnung und Schreiben.“ Auch in dem neuen „Drachenreiter“ finden sich wieder Funkes Zeichnungen.

Darüber sprach Cornelia Funke mit Sandra Bartmann via Instagram – Lünebuch hatte zu einem Online-Talk eingeladen. Natürlich ging es um das neue Buch, aber auch um Erinnerungen Funkes an die Lüneburger Kinder- und Jugendbuchwoche. Das Gespräch ist nicht mehr online, geblieben ist dennoch etwas: Als Dankeschön für Cornelia Funkes Einsatz spendet Lünebuch an das Lüneburger-Fundskerle-Projekt „Herz an Herz“ und unterstützt damit den Kauf spezieller Still-Stühle für Frühchen.

Von Christiane Bosch und Frank Füllgrabe

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