Samstag , 3. Dezember 2022
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Vorentwurf des geplanten Neubaus für die Kant-Dauerausstellung. (Foto: Sunder-Plassmann)
Vorentwurf des geplanten Neubaus für die Kant-Dauerausstellung. (Foto: Sunder-Plassmann)

Kant-Ausstellung im Ostpreußischen Landesmuseum

Lüneburg wird zum zentralen Dokumentationsort von Leben und Werk des Philosophen Immanuel Kant. Zu seinem 300. Geburtstag, am 22. April 2024, soll im Ostpreußischen Landesmuseum eine Dauerausstellung mit rund 700 Quadratmetern Fläche eröffnet werden. Der Architekt für den Anbau steht nun fest.

Lüneburg. Läuft alles glatt, wird am 22. April 2024 in Lüneburg eine Einweihung gefeiert: Dann ist der 300. Geburtstag des Königsbergers Immanuel Kant, dann öffnet eine neue Dauerausstellung in einem Haus, das schon jetzt einen langen Namen trägt: Ostpreußisches Landesmuseum mit Deutschbaltischer Abteilung. Künftig wird es dort also auch eine Kant-Abteilung geben. Das ist ein Neubau, der das Ostpreußen-Museum um rund 700 Quadratmeter Fläche erweitert, damit wird Lüneburg zum zentralen Erinnerungsort für den Philosophen und sein Wirken in der europäischen Aufklärung. Ein wichtiger Schritt ist getan, eine Entscheidung gefällt: Der Architekt steht fest. Aus einer europaweiten Ausschreibung ging jetzt das Architekturbüro Gregor Sunder-Plassmann aus Kappeln als Sieger hervor.

Tagung über einen überzeugten Königsberger

Der Bau schließt die lange als Parkplatz genutzte Baulücke in der Ritterstraße direkt neben dem bestehenden Museumsgebäude. Sunder-Plassmann zeichnete bereits für den als Foyer genutzten Museumsanbau von 2015 verantwortlich. Mit klaren und funktionalen Strukturen passt sich der dreistöckige Entwurf in die Altstadt ein. Auch die Ausstellung selbst übernimmt das Büro, federführend ist hier Johanna Sunder-Plassmann, die Tochter des Architekten. Sie gestaltete bereits das prämierte „Museum der Unschuld“ in Istanbul und war zuletzt im Berliner Humboldt-Forum und im Nürnberger Spielzeugmuseum aktiv.

Eine Kantstadt war Lüneburg aber schon jetzt: Vom 30. September bis 2. Oktober fand – ausgerichtet vom Ostpreußischen Landesmuseum – die wissenschaftliche Tagung „Immanuel Kant und sein Wirkungsort Königsberg“ mit Fachwissenschaftlern aus vielen Ländern in den Räumlichkeiten des Museums Lüneburg statt. Den Höhepunkt bildete ein Festakt im Fürstensaal des Rathauses.

Den Festvortrag übernahm der namhafte Kantexperte Volker Gerhardt, gegenüber heutigen Kritikern Kant als Theoretiker des Weltbürgertums exponierte. Björn Thümler, niedersächsischer Minister für Kultur und Wissenschaft, hob hervor, dass Niedersachsen durch die Kant-Ausstellung und dessen „Kantforum“ noch stärker zu einem Zentrum für Aufklärung werde. Der modernen Universität Leuphana stehe zukünftig in Lüneburg eine weitere Begegnungsstätte für den gesellschaftlichen Diskurs zur Seite. Mit den Einträgen in das Goldene Buch der Stadt durch den Minister, Vertreter des Ostpreußischen Landesmuseums sowie der Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung bekannte sich die Stadt sozusagen offiziell als Erinnerungsort für den wohl wichtigsten Denker der Moderne.

Orientierung in einer sich wandelnden Welt

„Immanuel Kant ist heute der meistgelesene Philosoph der Welt“, sagt Dr. Joachim Mähnert, Direktor des Ostpreußen-Museums: „Wie kein Zweiter bietet sein Denken uns Orientierung in einer rasch sich verändernden Welt und deckt das gemeinsame moralische Fundament aller Menschen auf. Auch die Reflexion auf die eigenen Erkenntnisbedingungen und der vernunftbasierte Umgang mit andersartigen Meinungen bleiben unser Erbe der Aufklärung und sind in Zeiten von Kommunikationsblasen und Fake News für jeden relevant. Die Grundwerte der westlichen Demokratien, aber auch die EU und UNO, sind stark von den Überlegungen des Königsberger Philosophen inspiriert. Das Ostpreußische Landesmuseum mit Deutschbaltischer Abteilung wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages und aus Mitteln des Landes Niedersachsen. Der Museums-Chef ist sich sicher: „Mit Kant gewinnt Lüneburg internationale Ausstrahlung.“

  • „Kants Idee vom Ewigen Frieden – mehr als ein Philosophentraum“ ist der Titel eines Vortrags mit Diskussion im Rahmen der Reihe „Museum erleben“ mit Dr. Tim Kunze: Dienstag, 2. November, 14.30 Uhr. Anmeldung unter info@ol-lg.de oder Tel. 04131-759950, 2G-Veranstaltung (Maskenpflicht nur außerhalb des Veranstaltungsraums). Die kleine Schrift „Zum Ewigen Frieden“ ist einer der bekanntesten Texte Immanuel Kants. Recht und Gesetz seien die wirksamsten Mittel gegen die ewige Spirale von Krieg und Gewalt, so die Hauptthese.

Von Frank Füllgrabe

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