Dienstag , 6. Dezember 2022
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Songwriter- und Produzententeam David Bonk und Julia Bergen in ihrem Studio in Lüneburg.
Songwriter- und Produzententeam David Bonk und Julia Bergen in ihrem Studio in Lüneburg. (Foto: t&w)

„Ein Zentrum für Kulturschaffende“ in Lüneburg?

Sie schreiben Songs für Helene Fischer, Sarah Connor, Prinz Pi und viele andere. David Bonk und Julia Bergen arbeiten in einem eher kleinen Raum in der Goseburg. Das könnte so weitergehen, aber es wird ihnen doch zu eng – und die Autoren und Produzenten denken längst viel weiter.

Lüneburg. Für einen großen Teppich, Typ Perser, langt der Platz. In der Ecke steht, wie ausgemustert, eine alte Stehlampe, Typ Oma. Zum Sitzen ein Sofa, Typ: undefinierbar. Aber sonst regieren hier auf engem Raum zwei Klaviere, sechs Keyboards, eine E-Gitarre, Mikros, Monitore, Kabel und technisches Equipment, wie es ein Songschreiber-Studio eben so braucht. In der Goseburg bespielt Ludi Boberg eine Art Zimmer, schreibt und produziert Songs und Hits für Künstler wie Helene Fischer, Sarah Connor, Prinz Pi, Nico Santos, die Söhne Hamburgs, Peter Schilling und so geht die Liste immer weiter. Ludi Boberg? Das sind David Bonk und Julia Bergen.

David Bonk hat sich die Fingernägel rot gemalt, bei Julia Bergen schimmert es weit bunter. Das ist es dann schon mit der Exzentrik. Durch den Raum wuselt Zwergspitz Ludi. Der hat auch so eine Energie wie Bonk/Bergen, die voll in ihrer Arbeit aufgehen, „sieben Tage von 8 bis 23 Uhr“, sagt David Bonk. Er hätte Konzertpianist werden können, sammelte bei „Jugend musiziert“ Punkte. Er hätte auch Dirigent werden können, ging zum Studieren nach Wien. „Ich wollte immer Filmmusik machen.“ Aber das Studium war ihm zu eng, zu trocken, zu verknöchert. Nix wie weg, Abflug. Bonk landete bei Peter Hoffmann in dessen Studio in Vögelsen. Dort kamen 2015 Lina und Julia ins Spiel.

Es gab fürs Album Gold

Lina? Lina ist eine typische Peter-Hoffmann-Entdeckung. Der Produzent besitzt großes Gespür für Talente, bekannt wurde er spätestens, seit er 2003 Tokio Hotel, damals noch Devilish, auf den Weg zur Karriere führte. Lina, lang Lina Larissa Strahl, kam über das KiKA-Format „Dein Song“ zu Peter Hoffmann. Bei Hoffmann hatte auch Julia Bergen als Songschreiberin und Produzentin angedockt, eine eigene Sängerinkarriere hintangestellt. Sie nennt den Lüneburger Gitarristen Ralph Tegeler (Subway, Kapelle Roxy) und den Hamburger Musiker Ulf Krüger (Leinemann) als Förderer.

Bonk/Bergen arbeiteten in Sachen Lina zusammen, harmonierten, es gab fürs Album Gold.

2017 machten sich Bonk/Bergen selbstständig, „wir waren richtig ‚on fire’“, sagt Julia Bergen. Das rein berufliche Paar wurde von Peermusic unter Vertrag genommen, einem weltweit operierenden Musikverlag. Als Ludi Boberg arbeiten sie seither genreübergreifend, schreiben eben auch mal Schlager. „Das ist gar nicht so leicht runterzubrechen, ohne in Stereotype zu fallen“, sagt Bonk. Auch auff dem gerade erschienene Helene-Fischer-Album sind sie vertreten.

Es gibt kein Foto von ihnen und dem Schlagersuperstar. „Wir sind in eigener Sache nicht gut in Sachen Fotos, Instagram und all den Medien“, sagt Bonk. Sie schreiben lieber Songs als Posts.

„Es geht uns ja gut“

Eins treibt sie ebenfalls weit mehr um: Sie brauchen mehr Platz. Sie möchten ein Projekt aufbauen, bei dem auch andere, gern jüngere Menschen mit Ideen Platz finden – Praktikanten, Startups, Studierende etc. „Ein Zentrum für Kulturschaffende“, sagt Julia Bergen. Es soll stadtnah, mit dem Rad erreichbar sein. „Es geht uns ja gut“, sagt David Bonk, er würde etwas investieren wollen, hat sich auch nach Baumöglichkeiten umgesehen.

„Wir haben viel bei weißen alten Männern gelernt“, sagt Julia Bergen; vielleicht hat sie auch „weise alte Männer“ gesagt oder gemeint? Wie auch immer, sie wollen nun jedenfalls gern selbst etwas weitergeben, an die nächste Generation. Dabei sind sie – gerade in den frühen 30ern – ja selbst noch jung.

Genug gequatscht. Kaffee leer, und Zwergspitz Ludi muss auch mal raus…

Von Hans-Martin Koch

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