Montag , 5. Dezember 2022
Anzeige
Laura Müller
Gegen Bianca Feichtlbauer aus Österreich gelang Laura Müller im Duell um Bronze ein "genialer Kampf." Sie krönte ihre Saison mit dem dritten WM-Platz. (Foto: Jörg Eschenfelder/DJJV)

Laura Müller mit Adrenalin zu WM-Bronze

Ju-Jutsu-Kämpferin Laura Müller vom KS Lüneburg wächst im entscheidenden Duell in Abu Dhabi über sich hinaus und krönt eine anstrengende Saison. Bei der Abfahrt hatten noch die Zweifel regiert.

Lüneburg. Als Laura Müller vor ihrem zweiten Kampf bei den Ju-Jutsu-Weltmeisterschaften in Abu Dhabi erfährt, wer ihre Gegnerin ist, zweifelt sie kurz: Gegen Bianca Feichtlbauer aus Österreich hatte sie bei der EM 2019 zuletzt noch verloren. „Aber als ich hörte, dass es direkt um Platz drei geht, hat mich das so gepusht und es wurde ein genialer Kampf“, freut sich die Ju-Jutsu-Athletin des Kraftsport Lüneburg. Sie punktete ordentlich und sicherte sich Bronze bei den Frauen im Fighting in der Gewichtsklasse +70 kg. „Dafür hat sich die anstrengende Vier-Tage-Reise doch gelohnt.“

Teilnehmer mussten täglich zum PCR-Test

Eine WM mehr als 6400 Kilometer von zu Hause entfernt - in Zeiten von Corona alles andere als einfach zu bewerkstelligen. „Ich hatte schon Bedenken vorher, ob es der ganze Aufwand mit dem Flug wert ist. Und allein der Gedanke, dass ich bei einem positiven Corona-Test vor Ort zwei Wochen im Hotelzimmer hätte bleiben müssen, hat mich ganz schön beschäftigt“, erzählt die 24-Jährige.

Doch alles ging gut, die Auflagen in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate waren streng. „Wir Athleten mussten jeden Tag einen PCR-Test machen, die Maskenpflicht galt auch draußen, was bei 30 Grad nicht so angenehm war“, versichert die frischgebackene WM-Dritte. Dafür aber habe es sich in der Halle fast wieder wie vor Corona angefühlt. „Auch im Aufwärmbereich durften wir die Masken abnehmen, unRud sogar Zuschauer waren bei den WM-Kämpfen erlaubt.“

Russin im Auftaktkampf einfach zu stark

Live die Teamkollegen des Bundeskaders anfeuern - das hatte es selbst bei den Deutschen Meisterschaften in Maintal Anfang Oktober nicht gegeben. „Das war mal wieder richtig schön, gerade weil auch Angehörige unserer Athleten mit nach Abu Dhabi geflogen waren.“

Bei ihrem WM-Auftakt aber half auch die lautstarke Unterstützung nichts, gegen Margarita Iakushkina aus Russland musste sich Laura Müller geschlagen geben. „Sie war besser als gedacht, und ich habe einfach nicht in den Kampf gefunden, das war für den Start natürlich doof.“ Abhaken war danach die Devise und sich ganz auf den nächsten Kampf fokussieren.

Glück bei der Auslosung beschert ihr nur zwei Kämpfe

Dass der bereits über Bronze entscheiden sollte, verblüffte die Bundeskader-Athletin selbst am meisten: „Da hatte ich mal Glück bei der Auslosung und zwischendrin ein Freilos erwischt, da einige Kämpferinnen doch nicht zur WM angereist waren. Unter normalen Umständen ist unsere Gruppe voller.“

Und so wuchs sie im alles entscheidenden Kampf über sich hinaus: „Ich habe versucht, schnell zu sein, aber entspannt zu bleiben und gezielt in die Techniken reinzugehen.“ So bewahrte sie sich wichtige Reserven auf dem Weg zur Medaille. „Ich habe die Österreicherin sogar noch geworfen und sechs Sekunden vor Ende auf dem Boden einen Haltegriff hinbekommen.“

Zurück in Hannover, wo die Sachbearbeiterin einer Krankenversicherung inzwischen lebt, ist nun Pause angesagt. Nach vielen Trainingslagern in 2021, einem vierten Platz bei der EM, DM-Silber und WM-Bronze wohl mehr als verdient.

Von Kathrin Bensemann

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.