Sonntag , 4. Dezember 2022
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Klaus-Peter Wolf schwärmte bei der Lesung im Audi-Zentrum von seiner Figur namens „Rupert“. (Foto: luenebuch)
Klaus-Peter Wolf schwärmte bei der Lesung im Audi-Zentrum von seiner Figur namens „Rupert“. (Foto: luenebuch)

„Rupi“ ermittelt fürs BKA

Beim Lüneburger Krimifestival hat Klaus-Peter Wolf seinen zweiten Ostfriesenkrimi „Rupert undercover. Der neue Auftrag: Ostfriesische Jagd“ vorgestellt. Wolfs Erfolgsrezept: „Wenn Sie Rupert lesen, bekommen Sie garantiert keine Komplexe."

Lüneburg. Klaus-Peter Wolf liebt seine Figuren. Selbst Rupert, den wenig sympathischen und nur bedingt talentierten Hauptkommissar aus Norden. Wolf lässt dem Frauenhelden einiges durchgehen: Flachwitze und Zoten, Machosprüche und Wutausbrüche.

Nicht immer werden Autor und Protagonist sich einig, etwa wenn es ums Essen geht. Neulich tobte in einer Autobahnraststätte ein innerer Streit: Klaus-Peter Wolf wollte sich eine gesunde Gemüsesuppe bestellen, Rupi nölte rum und wollte, wie immer, Currywurst mit Pommes und doppelt Mayo. „Halt jetzt die Fresse“, raunzte Wolf sein Alter Ego an und stellte fest: „Das muss ich wohl wirklich gesagt haben. Denn die Jugendlichen gingen auf einmal auf Abstand.“

Jetzt stellte der Wahl-Ostfriese Ruperts zweiten Fall vor, denn – ja – Rupi hat so lange genervt, dass Wolf ihm mit „Rupert undercover. Der neue Auftrag: Ostfriesische Jagd“ sogar seinen Herzenswunsch erfüllte: Er arbeitet für das BKA. In geheimer Mission: Als internationaler Clanchef, der Vorstand einer Online-Bank wird. Und das alles, weil Rupert dem echten Verbrecher täuschend ähnlich sieht und als Frederico Müller-Gonzáles quasi in dessen Haut schlüpft. Die Geschichte ist – pardon: hanebüchen, der Plot nicht immer stimmig und hat zu viele Nebenschauplätze, die Figuren sind teilweise sehr überfrachtet. Warum wundert sich niemand, dass der „falsche“ Frederico plötzlich kein Veganer mehr ist, keine Ahnung von Wein oder moderner Kunst oder gar dem Bankwesen hat. Rupis Frau Beate merkt nicht, dass ihr Mann eine zweite Frau – nämlich die Miet-Ehefrau Frauke – hat.

Aber das alles stört die Leserschaft wenig, im Gegenteil. „Der ungekrönte König des Ostfriesenkrimis“, so kündigte Jan Orthey den 67-jährigen Autor an, „hat die härteste Fan-Base der gesamten Krimi-Nation“. Und tatsächlich folgte das Lüneburger Publikum den Ausführungen Wolfs begeistert, ließ teilnahmsvoll Grüße an die erkrankte Ehefrau Bettina Göschl ausrichten, die die Lesungen eigentlich immer musikalisch begleitet. Im Audi-Zentrum Lüneburg, das eine sehr schöne Location für Lesungen ist, fehlte sie krankheitsbedingt.

Worin liegt der Erfolg von Wolfs Ostfriesen-Krimis, die regelmäßig von null auf eins in der Spiegel-Bestsellerliste schnellen, begründet? Wolf lieferte selbst eine mögliche Begründung: Die meisten Hauptfiguren seien schlau und toll und würden den Leser „kleiner“ machen. „Wenn Sie Rupert lesen, bekommen Sie garantiert keine Komplexe. Auch Frauen schätzen danach ihre eigenen Männer mehr.“ Gut möglich, dass Leser sich mit Rupert oder anderen Protagonisten der Ostfriesen-Krimis identifizieren können. Der Schauspieler Barnaby Metschurat, der den ostfriesischen Polizisten mit Bodenhaftung und Humor verkörpert, übertreibt es womöglich sogar ein wenig. Denn bei einer Lesung im Dinslakener Autokino, die während des Lockdowns stattfand, kam der 47-Jährige kaum die Stufen zur Bühne hoch. Rücken! „Klaus-Peter, du hast mir das angeschrieben. Schreib es mir wieder weg!“

Von Silke Elsermann

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