Sonntag , 4. Dezember 2022
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Der Schriftsteller Martin Mosebach lässt sich von Moderatorin Anne Hamilton aus der Reserve locken.
Eine Veranstaltung, die die Literarische Gesellschaft im September im Programm hatte: Der Schriftsteller Martin Mosebach lässt sich von Moderatorin Anne Hamilton aus der Reserve locken. (Foto: t&w)

Literarische Gesellschaft Lüneburg hofft auf ein neues Team

Seit fast 25 Jahren kümmert sich die Literarische Gesellschaft in Lüneburg um anspruchsvolle Literatur. Das Angebot von Lesungen bis Lektürekreis fand aber nicht mehr den Zuspruch, der die Zukunft der Vereins sichern könne, befand der Vorstand. Er trat zurück, schlug die Auflösung vor – und gibt nun bis Mitte Februar Interessierten Zeit für eine Neu-Aufstellung.

Lüneburg. Die Zeichen standen auf Sturm: Die Literarische Gesellschaft, seit fast 25 Jahren eine Säule im Kulturbetrieb der Stadt, rief zur außerordentlichen Mitgliederversammlung. Der bestehende Vorstand kündigte kollektiv seinen Rücktritt an, suchte zugleich fünf „beherzte Mitglieder“, die vielleicht die Geschichte des Vereins weiterschreiben könnten . „Andernfalls wird die Literarische Gesellschaft mit dem Jahresende 2021 aufgelöst und in das Liquidationsverfahren überführt“, heißt es in der Einladung. Nun gibt es eine Verlängerung, bis Mitte Februar will der Vorstand an Bord bleiben.

Allen voran ist es Birte Schellmann, die das Aus der Literarischen Gesellschaft nicht hinnehmen will. „Ich versuche es“, sagt die langjährige FDP-Ratsabgeordnete, die sich in ihrer Arbeit immer für das Kulturleben der Stadt engagierte. Nach ihrem Ausscheiden aus dem Rat will Schellmann die Zeit nutzen, ein neues Team für die Literarische Gesellschaft zu finden. Sie wisse aber nicht, ob es gelingt. Es sei sehr wenig Zeit, sagt Schellmann: „Aber einen Versuch ist es wert.“

Kon­takte zu anderen Län­dern

Die Literarische Gesellschaft wurde 1987 gegründet, federführend von Heinz Kattner. Der Lyriker aus Leestahl sorgte mit durchdachten Konzepten dafür, dass das Heinrich-Heine-Haus am Ochsenmarkt nach aufwendiger Restaurierung in weiten Teilen zum Haus der Kultur, besonders der Literatur wurde. Schwerpunkte der in Vereinsform gegründeten Literarischen Gesellschaft liegen laut Selbstdarstellung darin, „Verbindun­gen zu anderen Kün­sten wie etwa The­ater und Musik herzustellen, Lit­er­atur in ihren Tra­di­tio­nen und Erschei­n­ungsweisen vorzustellen, Kon­takte zu anderen Län­dern und Kul­turen zu knüpfen und zu pfle­gen und den lit­er­arischen Betrieb in Lüneb­urg zu beleben und zu doku­men­tieren.“

Engster Partner des Vereins ist das Literaturbüro, das – ebenfalls auf Kattners Einsatz hin – seit 1993 besteht. Als eine von sechs Institutionen in Niedersachsen bietet das Literaturbüro ein hochwertiges Literaturprogramm für die Region, plus Stipendium, Ehrengast und Leuphana-Gastdozentur. Hinzu kommt das Junge Literaturbüro, das Lesungen, Workshops und mehr für Kinder und Jugendliche anbietet.

Webseite ist in den „Wartungsmodus“ gesetzt worden

Im Bewusstsein der Öffentlichkeit wurden Literaturbüro und Literarische Gesellschaft weitgehend gleichgesetzt, es fehlte so etwas wie ein sichtbares Alleinstellungsmerkmal des Vereins. Die Literarische Gesellschaft sah sich zugleich zunehmender Konkurrenz ausgesetzt, verzeichnete mehr Aus- als Eintritte, sah Defizite auf sich zukommen. „Wir sehen mittel- und langfristig keine Möglichkeit, die Lücke zwischen Ausgaben und Einnahmen zu schließen, so dass wir als Vorstand die Verantwortung für ein erneutes Jahresprogramm 2022 mit den damit verbundenen vertraglichen Verpflichtungen nicht mehr übernehmen können“, schrieb der Vorstand. Die letzten beiden Autoren, die von der Literarischen Gesellschaft präsentiert wurden, waren Martin Mosebach und Monika Maron.

Der „Brandbrief“ zur Mitgliederversammlung habe etwas in Gang gebracht, sagt die scheidende Vorsitzende Sybille Hotop. Mir ihr im Vorstand saßen Dr. Dorothea Weißenborn, Anne Hamilton, Berit Rudolph und Axel Schmidt-Scherrer. Die Webseite der Literarischen Gesellschaft ist wie der Verein selbst in den „Wartungsmodus“ gesetzt worden: "Bitte später wiederkommen", wird gebeten.

Von Hans-Martin Koch

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