Montag , 5. Dezember 2022
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Mathias Wegner (von links), Thomas Nebling und Clemens Meinke veröffentlichen als EXAT ihr neues Album „Ein Herz für Punkrock“. (Foto: dre)
Mathias Wegner (von links), Thomas Nebling und Clemens Meinke veröffentlichen als EXAT ihr neues Album „Ein Herz für Punkrock“. (Foto: dre)

Liebe gegen Nazis

Die Punkrockband EXAT hat zehn neue Songs geschrieben, doch fehlte das nötige Kleingeld für eine Veröffentlichung. Crowdfunding war die Lösung für die Musiker aus Winsen und Lüneburg. Das Besondere daran: Zehn Prozent der werden gespendet.

Winsen/Lüneburg. Die Punkrock­band EXAT, deren Mitglieder aus Winsen und Lüneburg kommen, haben kürzlich ein neues Album bei dem Lüneburger Musik-Label Rock Zone Records veröffentlicht. In diesen Zeiten ist das kein leichtes Unterfangen für eine Combo ohne große Plattenfirma im Hintergrund. Doch mit Mut und Tatkraft bewiesen Clemens Meinke, Mathias Wegner und Thomas Nebling „Ein Herz für Punkrock“, wie das Werk selbst auch heißt, und starteten eine Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung.

Über eine Online-Plattform konnten Fans ab August für einen bestimmten Zeitraum diverse Artikel erwerben. Neben dem entstehenden Album selbst, standen unter anderem auch T-Shirts oder ein gemeinsames Essen mit der Band in ihrem Probenraum zur Auswahl. Als zusätzlichen Anreiz gab die Gruppe bekannt, insgesamt zehn Prozent der Einnahmen an den Hamburger Verein „Laut gegen Nazis“ spenden zu wollen. So kam am Ende eine Summe von weit über 7000 Euro zusammen, die letztendlich maßgeblich zur Verwirklichung des Albums beigetragen hat und auch in Hamburg für strahlende Gesichter gesorgt haben sollte.

Es geht um Freiheit

Das Album beinhaltet zehn Songs, die das gesamte Spek­trum des Punkrocks abbilden. Von schnellen, kurzen Nummern („Sound meines Herzens“, „Der Letzte an der Bar“), wie man sie vielleicht noch von den Ra- 29mones kennt, bis zu tiefgehenden gesellschafts- und religionskritischen Hymnen („Reim der Gottlosen“, „Am Ende siegt immer das System“), ist in einer kraftvollen halben Stunde alles vertreten, was man von einem Punkalbum erwarten kann. Es geht um Freiheit und um Liebe. Liebe zur Musik, zum Leben, zu sich selbst, zu dem, was war, und zu dem, was kommen mag. Besondere Texte bieten die Lieder „Schöne neue Welt“ und 29„Für Nancy“. Im Erstgenannten geht es um die Erfahrungen, die ein junger Flüchtling ohne Eltern und Zuhause in Deutschland macht. Sänger und Gitarrist Clemens Meinke, aus dessen Feder die meisten Texte stammen, möchte so auf die Gefühle aufmerksam machen, die einen Menschen durchströmen müssen, wenn er weder Sprache noch Kultur seiner neuen Heimat versteht und darüber hinaus auf allgemeine Ablehnung stößt. Vorgetragen werden die Zeilen in Begleitung von eindringlichen Metal-Riffs – härter wird es auf diesem Album nicht.

Ein Liebeslied ohne Kitsch

Viele Legenden ranken sich um die 1978 ermordete Nancy Spungen, die mit dem Sex-Pistols-Bassisten Sid Vicious liiert war. Eine davon ist ein Abschiedsbrief an Spungen, der angeblich 1979 neben Vicious‘ Leiche gefunden wurde und mit „Für Nancy“ nun vertont ist. Mit viel Gefühl schildert Meinke die toxische, absurde Beziehung, die diese beiden vielleicht führten. Ein besonderes Liebeslied ganz ohne Kitsch.

„Ein Herz für Punkrock“ bietet bei aller Professionalität in der Produktion dennoch einen rohen, ursprünglichen Sound, an dem nichts rundgefeilt wurde. Die Ecken und Kanten gehören zur Szene und unterstützen die Ernsthaftigkeit der Texte. Was kann wichtiger sein als Freiheit und Liebe? Ein Schmunzeln lässt lediglich das trinkfeste Bandmaskottchen Capt‘n Kamikaze in „Der Letzte an der Bar“ aufkommen. Das muss reichen.

Von Andreas Urhahn

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