Montag , 5. Dezember 2022
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Oliver Wille ist für die Musiktage Hitzacker zuständig. (Foto: A/ff)
Oliver Wille ist für die Musiktage Hitzacker zuständig. (Foto: A/ff)

Corona spielt nicht mehr mit

Im Frühjahr erklingen Balladen, im Sommer öffnen sich „Zeit.Räume“. Jetzt haben die Musikwoche Hitzacker und die Sommerlichen Musiktage am gleichen Tag ihre Programme ins Netz gestellt. Beide Klassik-Festivals bauen darauf, unbeschwert von Corona-Beschränkungen stattzufinden.

Hitzacker. Die Sommerlichen Musiktage gehen in ihre 77. Ausgabe, die Musikwoche präsentiert ihr 36. Programm. Gestern gingen beide Festivals mit ihren Plänen online, die „Sommerlichen“ luden zusätzlich zur Zoom-Presskonferenz. Um „Balladen“ dreht sich die von Albrecht Mayer geleitete Musikwoche vom 6. bis 15. Mai. „Zeit.Räume“ öffnen Oliver Wille und Mitstreiter bei den Sommerlichen Musiktagen vom 30. Juli bis 7. August. Bei beiden Festivals steht Kammermusik von Barock bis Gegenwart im Zentrum. Beide Veranstaltungen setzen zudem auf ein Ende von Corona-Bedingungen.

Die Musikwoche, gegründet vom Trompeter Ludwig Güttler, haben sich unter Albrecht Mayer breiter aufgestellt. Der Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker hat die Musikwoche zudem vom Winter ins Frühjahr verschoben. Vorab soll ein Sonderkonzert am 11. März aufs Thema einstimmen. Bariton Benjamin Appl und Pianist Kit Armstrong präsentieren um 19 Uhr im Verdo unter dem Titel „Der Erlkönig“ Balladen von Schubert, Schumann, Loewe und Mahler.

Am Abend vor dem eigentlichen Start ist ein deutsch-kubanisches Rendezvouz zu erleben. Es treffen sich am Freitag, 6. Mai, um 20 Uhr im Verdo der von Pop bis Jazz erfolgreiche Max Mutzke und die Jazzpianistin Marialy Pacheco. Das Eröffnungskonzert am Sonnabend, 7. Mai, übernimmt dann der Chef. Albrecht Mayer und The New Mozart Players führen um 17 Uhr im Verdo Werke von Mozart und Beethoven auf, Motto: „Kreutzer-Sonate“. Mayer wird auch als Solist dabei sein, ebenso die aus der Ukraine stammende Geigerin Diana Tishchenko. Sie gehört als „Fokuskünstlerin“ zu den Musikern, die mehrere Programme der Musikwoche mitgestalten.

Balladen: Mario Häring spielt Klavierballaden der Romantik (9. Mai, Verdo, 20 Uhr). Das Ellingtones Trio steuert Balladen aus Jazz, Rock und Pop bei (11. Mai, Verdo, 20 Uhr). Oboe, Klavier und Gesang verbinden sich bei Balladeskem von Mozart, Schumann und Humperdinck (13. Mai, Verdo, 20 Uhr). Nordische Balladen stellt Pianist Hinrich Alpers vor (14. Mai, Verdo, 11 Uhr). Mit dem Blockflötenquartett Flautando Köln geht es zu „Balladen, die von Liebe sprechen“, was von der Renaissance bis zur Gegenwart ein ewiges Thema ist. (15. Mai, Verdo, 11 Uhr). Das Finale gestalten Mayer, Pianistin Katharina Treutler und Orchester mit französischen Beiträgen zum Thema.

Es passiert einiges mehr, von der Kantaten-Auslegung bis zum Kinderkonzert. Das gesamte Programm findet sich unter www.musikwoche-hitzacker.de

Auf eine weit längere Tradition blicken die Sommerlichen Musiktage als ältestes Kammermusikfestival in Deutschland. Was 1946 klein startete, hat sich zum „innovativsten Kammermusikfestival“ entwickelt, sagte gestern Björn Thümler, Niedersachens Minister für Wissenschaft und Kultur. Intendant Oliver Wille befördert den Gedanken mit vielen ungewöhnlichen Konzepten. „Ich lade Musiker ein, die ein Thema auf ganz eigene Art bespielen kann“, sagt Wille, selbst Geiger im Kuss Quartett, dazu Professor für Streicherkammermusik in Hannover. „Innovation liegt mir am Herzen“, so Wille weiter, „immer im Rückblick auf Traditionen, die wir pflegen.“

Das Kuss Quartett wird etliche Beiträge zu den „Sommerlichen“ liefern und beim Auftakt Slam Poetry, Tanz, Schlagzeug und Streicherklänge zur Produktion „Kuss@Kokon“ vereinen (30. August, 15.03 Uhr, Verdo und Umgebung). Am Abend wird es dann klassisch-romantisch mit Startenor Ian Bostridge, begleitet von Pianistin Saskia Giorgini (20.08 Uhr, Verdo)

Große Namen: Pianisti Pierre-Laurent Aimard, Bratscherin Kim Kashkashian, Cellistin Harriet Krijgh, die Schwestern Baiba und Lauma Skide (Violine, Klavier) gehören dazu. Ebenso die Camerata Bern, die ein klingendes „Insektarium“ öffnet – mit Ohrwurm, Wanderheuschrecke, Kohlschnake und anderem Getier, das von Rued Langgaard vertont wurde; es kreucht und klingt am 14. August um 20.08 im Verdo.

Zum zweiten Mal bieten die Sommerlichen Musiktage ein Sonnenaufgangskonzert, nicht so aufwendig, wie es der frühere Intendant Markus Fein gestaltete, aber mit Klaviermusik am Hafen, gespielt von Lilit Grigoryan am 6. August um 4.04 Uhr (!). Das Motto „Zeit.Raum“ bietet im Verlauf viel Platz für Uraufführungen, für gemeinsames Chorsingen, für Gesprächskonzerte, Hörer-Akademie und mehr, was sich auf der Homepage findet: www.musiktage-hitzacker.de

Von Hans-Martin Koch

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