Sonntag , 4. Dezember 2022
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Die Combo um Alexander Eissele (2 v.l.) beeindruckte durch ihre perfekte Stilsicherheit und verblüffend breite Palette.
Die Combo um Alexander Eissele (2 v.l.) beeindruckte durch ihre perfekte Stilsicherheit und verblüffend breite Palette. (Foto: t&w)

Alexander Eissele & Friends im ausverkauften OneWorld

Corona zum Trotz: Im ausverkauften OneWorld Kulturzentrum begeisterte Alexander Eissele und seine Mitstreiter mit einem tollen Konzert quer durch drei Jahrhunderte Musik.

Reinstorf. Berlin und New York, Wien und Los Angeles, Budapest und Moskau: viel Geografie in zwei kurzweiligen Stunden als musikalische Stationen. Alexander Eissele, der kreative Allrounder, gelingt das mühelos im Sprint. Der Lüneburger Klarinettist pendelt leichtfüßig zwischen Mozart und John Kander, Johann Strauß und Leonard Bernstein, Polka folgt Ballade, Walzer auf Marsch. Für diese wohl temperierte Tour durch drei Jahrhunderte brauchte er sechs begleitende Freunde, die ihm instrumental und mit Leidenschaft auf die Sprünge halfen, im konzentrierten Kollektiv packenden Sound entfachten. Das Reinstorfer OneWorld Kulturzentrum verschaffte dem Ensemble die passende Bühne, zur größten Freude des Publikums im ausverkauften Saal.

Ein Septett genügt, um die gewünschte Wirkung zu erzielen

Langsamer Auftakt, üppige Ornamentik, süßliche Töne. So beginnt die Ouvertüre zu Rossinis Heldenepos „Wilhelm Tell“, bevor schmissig süffige Brillanz und Feuer aus den Noten drängen, sich das Tempo fast überschlägt. Statt sattem Orchesterklang genügt in diesem Arrangement ein Septett, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Alexander Eissele und seine sechs üblicherweise sinfonisch tätigen Kolleginnen destillieren den knackigen Kern heraus. Jules Massenet und dessen berühmte Meditation aus der Oper „Thais“ gehört ebenfalls in die stattliche Reihe: opulent besetzte Werke in Kammerversion, feinsinnig interpretiert.

Populäres aus dem 18. und 19. Jahrhundert hatten Eissele und Co für das erste Set präzise einstudiert. Mozarts Rondo alla Turca oder der Ungarische Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms unterstrichen, wie sattelfest die Ausführenden auf dem als klassisch titulierten Terrain agieren. Genau dort befindet sich auch ihr alltägliches Metier, garniert mit einigen Stippvisiten in der leichten Muse, der sie aber mit gleichem Engagement zugetan sind.

Spezifische Farben weidlich ausgekostet

In wechselnden Formationen traten die beiden Geigerinnen Mari Sakai und Fan Wang sowie Hyun Min Oh (Bratsche), Ulrike Setz (Kontrabass), Kanano Seuiguchi (Klavier) und Miriam Bütje mit dem zugleich locker moderierenden Klarinettisten auf. Vom Duo bis zum Septett kosteten sie die spezifischen Farben weidlich aus, ließen sie wunderbar funkeln. Besonders heißen Aggregatzustand erreichte die Tritsch-Tratsch-Polka. Alexander Eissele, der Drahtzieher, inspirierte die Künstlerinnen zu konzertanten Kabinettstückchen.

Nach der Pause schauten sie gemeinsam ins 20. Jahrhundert mit Augenmerk auf Film und Musical. Kanders „Cabaret“ als Tanz auf dem Vulkan der marodierenden Weimarer Republik oder ein Medley aus Leonard Bernsteins hinreißender „West Side Story“ standen auf dem spannenden Programm, flankiert von einem lustvollen Spaziergang durch Walt Disneys unverwüstliche Kino-Hits.

Perfekte Stilsicherheit beeindruckte

Der positive Eindruck aus dem ersten Teil bestätigte sich dabei. Prägnante Themen, scharfe Kontraste, ausdrucksintensive und charakterstarke Songs gab es zu bestaunen. Die Combo beeindruckte durch ihre perfekte Stilsicherheit und verblüffend breite Palette, gönnte den Evergreens ein ungewöhnliches, frisches Outfit. In Summa ein höchst erfreuliches Zeitzeichen gegen die wachsende Corona-Agonie – Musik als wirksam beflügelnder Stimmungsaufheller. Allein dafür gebührte Alexander Eissele und seinem bestens aufgelegten Team ein Beifallsorkan. Der kam prompt und verlangte Nachschlag.

Von Heinz-Jürgen Rickert

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