Sonntag , 4. Dezember 2022
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SVG Siegerehrung
Wieder nur Zweiter: Die Mannschaft der SVG Lüneburg ertrug die Siegerehrung mit Fassung. (Foto: be)

Mit Video: SVG stolpert beim vorletzten Schritt

Die SVG Lüneburg verlangt dem VfB Friedrichshafen im Volleyball-Pokalfinale alles ab, kann den fünften Satz trotz klarer Führung aber nicht erzwingen. Eine Challenge leitet das vorzeitige Ende ein.

Mannheim. Als die Volleyballer des VfB Friedrichshafen im Lamettaregen den 17. Pokalsieg ihrer Vereinsgeschichte feierten, stand die unterlegene SVG voller Frust daneben. Auch im dritten Versuch hat es nicht mit dem Triumph im DVV-Pokalfinale geklappt – zum dritten Mal gewann stattdessen Friedrichshafen, diesmal mit 3:1 (25:20, 17:25, 26:24, 25:23).

Die Erfahrung gibt den Ausschlag

„Wir haben viel Gutes gezeigt“, meinte SVG-Kapitän Michel Schlien. „Abgesehen vom ersten Satz waren wir immer gut dabei.“ Gut dabei reichte aber einfach nicht gegen einen VfB, der mit allen Wassern gewaschen ist, Erfahrung aus der Champions League und aus zig Endspielen um Meisterschaft oder Pokal mitbringt. Erfahrung, die der SVG in den entscheidenden Momenten fehlte.

Auch Chefcoach Stefan Hübner nahm das E-Wort in den Mund, sprach von „der Erfahrung, solche Spiele auch einmal zu gewinnen“. Die SVG stand kurz davor, einen fünften Satz zu erzwingen, führte im vierten schon mit 18:13. Doch dann wurde es wild – und plötzlich lag die SVG 19:21 hinten. Die Vorentscheidung.

Nach der Challenge läuft nichts mehr bei der SVG

„Ein, zwei unglückliche Angriffsaktionen“ sah Hübner in dieser Phase, „Friedrichshafen hat das sehr clever gemacht.“ Zudem gab es beim Stand von 18:16 reichlich Aufregung nach einer Challenge, als die Schiedsrichter letztlich auf einen Fehler beider Seiten und Annullierung des 19. SVG-Punktes entschieden.

„Das sieht von außen viel dramatischer aus, als es ist“, wehrte Hübner zwar ab. Allerdings schlichen sich nun vermehrt Unkonzentriertheiten ein, die sich bitter rächten. Als Luciano Vicentin den zweiten Matchball des VfB verwertete, sprangen die Friedrichshafener wie entfesselt aufs Feld, die SVG sank in sich zusammen. Gut mitgehalten zu haben, das war diesmal kein Trost.

Eshenko sorgt für spielerische Glanzpunkte

Jordan Ewert, Topscorer der Partie mit 18 Punkten, holte sich seinen MVP-Preis mit versteinertem Gesicht ab. Schlien hatte die Ehre, seinen Mitspielern coronakonform die Silbermedaillen umzuhängen. Zuvor wurden alle von Teammanager Matthias Pompe getröstet – der war als zweiter Libero mit auf der Spielerliste, was wohl ebenso wie das Aufbieten des dauerverletzten Jannik Pörner eher dem Teambuilding diente.

Insgesamt machten die Lüneburger nach einem verkorksten ersten Satz vieles richtig und einiges sogar sehr gut. Sie stabilisierten die Annahme, griffen variabel an, wobei vor allem Pearson Eshenko den Gegner immer wieder auf dem falschen Fuß erwischte. „Ein bisschen hat uns das letzte Quäntchen Glück gefehlt“, wusste Schlien, „und die letzte Konsequenz.“

Eindrucksvolles Gedenken an die Ukraine

Aber er will wie auch das ganze Team eine weitere Medaille gewinnen – und die hätte die SVG sicher, wenn sie Frankfurt im Playoff-Viertelfinale der Bundesliga ausschalten könnte. „Wir werden einmal kurz durchpusten. Wir können in dieser Saison noch einiges erreichen“, sagte Hübner. Das Zeug dazu haben die Lüneburger allemal. Sie müssen diese Qualität nur konsequent in die entscheidenden Punkte umsetzen.

Die Fans jedenfalls feierten die Verlierer herzlich. Neben den SVG- und einer HSV-Fahne war auch ein Friedens-Flagge im Block der Norddeutschen zu sehen. Vor dem Endspiel erinnerten die Veranstalter mit einer Schweigeminute und dem Appell „Stop the war“ an den Ukraine-Krieg. Eine Minute lang war es gespenstisch still in der SAP-Arena.

Da spürten wohl alle 3425 Zuschauer – es gibt zurzeit wahrlich Wichtigeres als das Ergebnis eines Volleyballspiels.

SVG: Worsley, Ewert, Eshenko, Nath, van de Kamp, Solbrig - Koslowsky. Eingewechselt: Peemüller, Gerken, Schlien, Stöhr.

Von Andreas Safft

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