Sonntag , 4. Dezember 2022
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Matthias Hofmann
Matthias Hofmann ist stolz auf das Adendorfer Team, auch wenn es sich den Harzer Falken letztlich in zwei Spielen geschlagen geben musste. Im Hintergrund: Co-Trainer Falko Kucharek. (Foto: be)

Dieser AEC hat nie aufgegeben

Trainer Matthias Hofmann sieht in Duellen gegen Timmendorf entscheidenden Entwicklungsschritt – seine Zukunft lässt er aber noch offen. Erst einmal ist ein anderer Termin wichtiger.

Adendorf. Etwas mehr als drei Monate ist es gerade her, dass Matthias Hofmann das Traineramt beim Adendorfer EC von Andris Bartkevics übernommen hat. Drei Monate, in denen der Eishockey-Regionalligist so viel erlebt hat wie sonst in mehreren Spielzeiten nicht. Höhenflüge und Einbrüche, Corona-Pausen und zum Abschluss zwei fantastische Playoff-Spiele gegen die Harzer Falken. Drei Monate, die Hofmann sichtlich gefordert haben, wie er im LZ-Interview mit Sportredakteur Andreas Safft erklärt.

Herr Hofmann, die Fans haben den AEC nach dem 2:4 gegen die Harzer Falken gefeiert, auch Sie lobten das Team in den höchsten Tönen. Mit etwas Abstand: Sind Sie nicht doch ein bisschen traurig, dass es mit dem Sieg nach 2:0-Führung nicht geklappt hat?

Matthias Hofmann: Nein, denn niemand muss sich etwas vorwerfen. Ich mag es, wenn ich sehe, dass die Spieler alles geben. Die Verteidiger haben sich in jeden Schuss geworfen, die Stürmer haben gut nach hinten gearbeitet, unser Torwart Grittner hat stark gehalten. Wenn ich mich über etwas ärgere, dann über das erste Drittel in Braunlage am Freitag. Da waren wir noch nicht richtig wach und haben ohne Selbstvertrauen gespielt.

Als Sie Anfang Dezember begannen, war der AEC ja sofort da. Vier Siege und eine Niederlage erst nach Verlängerung gegen Sande.

Nach dem Trainerwechsel ist die Mannschaft durch die Decke gegangen. Wir haben nur ein paar Kleinigkeiten verändert, dieser Schub hielt bis Weihnachten. Auch die Leistung am 2. Weihnachtstag in Braunlage war trotz der Niederlage top.

Und dann?

Die Partie gegen Timmendorf am 7. Januar wäre gut zum Reinkommen gewesen. Timmendorf musste aber wegen Corona absagen – und wir sind mit den Gedanken im Weihnachtsurlaub geblieben. Dann nochmal das Gleiche gegen Bremen. Dadurch sind wir in ein tiefes Loch gefallen. Je früher die Teams die Corona-Pause hatten, umso besser sind sie wieder in Tritt gekommen. Uns hat es halt spät erwischt. Oft waren nur noch zehn Mann beim Training, dann kannst du kaum Härte trainieren. Dann kannst du bei den Trainingsspielen nicht wechseln – oder ich hatte in meinem Werkzeugkasten einfach nicht die richtigen Übungen.

Aber letztlich hat der AEC die Kurve ja gerade noch rechtzeitig bekommen. Und das bei vier Spielen innerhalb nur einer Woche. Wie haben Sie diesen Endspurt in der Hauptrunde gesehen?

Die Leistung beim 7:3 gegen den HSV hat mir gar nicht gefallen, die Quittung dafür haben wir in Salzgitter erhalten. Doch schon beim Spiel in Timmendorf wuchs die Mannschaft trotz der Niederlage allmählich zusammen. Vorm Rückspiel war die Laune in der Kabine richtig gut. Das Selbstbewusstsein war da. Diese Mannschaft hat nie aufgegeben, auch nicht nach einem Rückstand – und deshalb die Playoffs doch noch erreicht. Und diesen Schwung haben wir komplett in die Braunlage-Spiele mitgenommen.

Nach dem letzten Spiel hieß es am Sonntag aus der Kabine, dass alle Spieler am liebsten bleiben würden und Geschäftsführer Finn Sonntag am liebsten mit allen sofort verlängern würde. Ruslan Cernych hat ja seinen Vertrag schon verlängert. Können Sie sich vorstellen, dass ihm die anderen bald folgen?

Profis sind Profis, die verhalten sich auch so, wenn sie bessere Angebote bekommen. Wenn wir sie irgendwie halten können, dann sollten wir das aber auch tun. Aber wir müssen auch gucken, dass der Kader insgesamt breiter aufgestellt wird, damit wir auch mal mit mehr Reihen durchspielen können. Leider sind in den vergangenen Jahren immer weniger junge Spieler nachgekommen.

Sie liefen ja phasenweise selbst auf, um Lücken zu schließen. Warum waren sie am Ende aber doch nur als Coach tätig?

Zuletzt habe ich das in der Hauptrunde in Braunlage versucht, damit wir drei Reihen vollbekommen. Aber das hat nicht funktioniert, man hat keine so gute Übersicht. Ich bin jetzt 45 Jahre alt, und das Tempo in dieser Liga wird immer höher, was man am Sonntag im letzten Drittel besonders gesehen hat.

Können Sie sich ein weiteres Jahr als AEC-Trainer vorstellen?

Ich will es nicht mit 50 Prozent Einsatz machen, sonst kommen auch nur 50 Prozent raus. Falko Kucharek hat mich wie auch das Betreuerteam hervorragend unterstützt. Meine Zeit ist ganz schön begrenzt. Ich gehe arbeiten, Zeit für Eishockey habe ich oft nur in der Mittagspause. Außerdem habe ich zwei Töchter, denen ich auch mal die Alpen im Winter zeigen will. Jetzt will ich erst einmal die Freizeit genießen – und im Mai heiraten.

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