Sonntag , 4. Dezember 2022
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Das Trio Margarethe von Schwarzkopf, Jeffery Deaver und Dietmar Wunder macht schon mal extrem Lust auf ein Krimifestival im Herbst. (Foto: t&w)
Das Trio Margarethe von Schwarzkopf, Jeffery Deaver und Dietmar Wunder macht schon mal extrem Lust auf ein Krimifestival im Herbst. (Foto: t&w)

Shaw, Shane und Bond

Mit dem „Knochenbrecher“ Lincoln Rhyme erreichte der amerikanische Thriller-Autor Jeffery Deaver Leser in 150 Ländern. Auch im Kino und als Serie ist die Reihe ein Hit. Jetzt führt Deaver seinen neuen Helden Colter Shaw in seinen zweiten Fall. „Der böse Hirte“ feiert in Lüneburg Deutschland-Premiere und führt zu einer sehr obskuren Sekte.

Lüneburg. Dietmar Wunder liest einen Text von Jeffery Deaver. Nein, er zelebriert, er inszeniert ihn. Jeffery Deaver, der Autor aus den USA, versteht kein Wort – und applaudiert. Es ist der Sound, der ihn mitreißt. Es ist der Sound des Thrillers von Deaver, den Wunder so mitreißend liest. Es ist ein Abend wie beim Krimifestival – spannend und unterhaltsam. Deaver, einer der ganz Großen im Thrillergeschäft, startet in der Ritterakademie eine Deutschlandtour, mit Dietmar Wunder, der wunderbaren Moderatorin Margarete von Schwarzkopf und Lünebuch als Gastgeber.

Jeffery Deaver ist in Deutschland vor allem berühmt als „Knochenjäger“. So heißt die Serie um Deavers Thriller-Helden Lincoln Rhyme. Sie lief bei Sat.1, läuft aktuell beim ORF, und zu finden ist sie bei einschlägigen Portalen. Im Kino ermittelte der an den Rollstuhl gefesselte Rhyme auch, in einer Verfilmung mit Denzel Washington und Angelina Jolie.

Sitzt mit seinen Hunden im Zimmer und schreibt

Was Covid mit ihm gemacht habe, fragt Margarete von Schwarzkopf den Autor. Ja, es habe Freunde getroffen, sagt Deaver, aber für ihn persönlich sei nicht so viel anders gewesen. „Ich sitze ohnehin seit 45 Jahren mit meinen Hunden im Zimmer und schreibe.“ Mittlerweile hat der 71-jährige Autor, dessen Bücher in 150 Ländern zu finden sind, einen neuen Helden geschaffen, einen Gegenpol zum Handicap-Mann Rhyme. Colter Shaw klettert gern Felswände rauf und ist fit wie Bond. Deaver nennt aber nicht Bond, sondern ein anderes klassisches Vorbild für Shaw: Shane. Der Westernheld kämpfte 1953 auf Seiten der Entrechteten, bis er verwundet, aber siegreich und natürlich einsam in die Fremde ritt…

„Der Böse Hirte“, Colter Shaws zweiter Fall nach „Der Todesspieler“, führt ins Herz einer Sekte. 50.000 aktive Sekten gebe es in den USA, sagt Deaver. Colter Shaw, der sein Geld mit dem Auffinden von vermissten oder zur Fahndung ausgeschriebenen Menschen verdient, stößt bei Ermittlungen auf eine sehr spezielle, obskure Osiris-Stiftung. Geführt wird sie von Meister Eli, der sich rühmt, wie einst im alten Ägypten Osiris vom Tod auferstanden zu sein. Meister Eli, Guru, Menschenfänger und laut seinem Schöpfer „genialer Schurke“, führt ein striktes Regiment in seinem abgeschotteten Camp und predigt so etwas wie Unsterblichkeit. Shaw hat sich als Novize eingeloggt – und dann geht die Thriller-Post ab.

Deaver plant seine Büche penibel

„Schriftsteller brauchen Erfahrungen“, sagt Deaver. Er war Singer/Songwriter, Journalist und Rechtsanwalt, bevor er mit seinem deutschen Schäferhund zum Thrillerschreiben in den Keller ging. Deaver plant seine bis ins Psychologische ausgefeilten Bücher penibel. Ein großes Bord mit Post-its führt durch Geschichten, die er regelrecht komponiert. Tempo und Charaktere, Action und Vertiefung müssen zu einem Mix führen, über den sich Lesende schon mal beschweren: „Ich habe Ihr Buch an einem Tag gelesen und Sie sagen, dass erst in einem Jahr das nächste erscheint“…

Nach diesem Abend stellt sich die Frage: lesen oder hören? Dietmar Wunder ist einer der gefragtesten Synchronsprecher, unter vielen anderen gibt er Daniel Craig die Stimme, also Bond. Sie passt für den coolen Colter, von dessen Abenteuer natürlich nicht allzu viel verraten wird. In jedem Fall macht das Trio extrem Lust auf ein weiteres Krimifestival im Herbst. Das halbe Programm stehe, sagt Organisatorin Sylvia Anderle. Vorher noch kommt „Tatort“-Kommissar Falke alias Wotan Wilke Möhring, kündigt Lünebuch-Chef Jan Orthey – am 9. Mai mit Bruder Sönke.

Von Hans-Martin Koch

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