Samstag , 3. Dezember 2022
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Die Brüder Thore (l.) und Bjarne Liebermann vom HC Lüneburg brennen für den Hockeysport und verstehen sich prächtig. Foto: t&w

Jeder hat seine Stärken

Wenn Geschwister gemeinsam Sport treiben, sogar in einer Mannschaft spielen, ist die Rivalität oft groß. Nicht so bei Thore und Bjarne Liebermann vom Hockey Club Lüneburg.

Lüneburg. Thore und Bjarne von Lieberman sind Geschwister. Und sie sind Hockeyspieler. Konkurrenten sind sie aber nicht. Obwohl sie zumeist im selben Team spielen, kommen die beiden Jungs fast immer miteinander klar, verzeihen sich Fehler, bauen sich gegenseitig wieder auf. Das ist wichtig, denn während Thore die Abwehr organisiert und den Angriff des Gegners blockt, hütet sein jüngerer Bruder hinter ihm das Tor. So lebt jeder seine Leidenschaft.

„Das ist natürlich manchmal schon ärgerlich, wenn Bjarne Bälle durchlässt, von denen ich meine, dass man sie halten kann“, sagt der 14-Jährige. Und der 13-Jährige entgegnet: „Und ebenso unglücklich ist es, wenn ich mich von meinen Vorderleuten im Stich gelassen fühle.“ Letztlich aber, und da sind sich beide vollkommen einig, ist nicht jeder perfekt. Aber jeder hat seine Stärken.

Durch Zufall im Tor gelandet

Durch einen Zufall ist der jüngere der beiden in der Torwart-Rüstung gelandet: Der etatmäßige Keeper war krank, die Mannschaft brauchte schnell einen Ersatz, Bjarne testete sich aus. „Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dabeigeblieben bin“, sagt er, „denn zum einen hat man so eine ganz andere Sicht auf das Spiel und zum anderen finde ich es doch viel reizvoller, Tore zu verhindern, als welche zu schießen.“

Das kann sein älterer Bruder nicht nachvollziehen, bewegt der sich doch viel lieber über das Feld und bringt den Gegner mit gekonnter Technik und Taktik mitunter zur Verzweiflung.

Die Spielzüge im Mannschaftssport sind ihm dabei längst vertraut, hat er doch fünf Jahre lang gegen den Fußball getreten: „Letztlich hatte das mit Teamsport aber nicht viel zu tun“, so seine Meinung, „das war irgendwie immer nur ein Kampf zwischen den Charakteren.“

Von sieben Kindern spielen sechs Hockey

Den kann er beim Hockey nicht erkennen, und auch deshalb hat er die Disziplin gewechselt. Wie sein älterer Bruder Sören auch: Insgesamt sieben Kinder haben die von Liebermans, sechs von ihnen betreiben mittlerweile denselben Sport – und einer hatte den Anstoß gegeben: Bei einer Ferienbetreuung im HC Lüneburg war Bjarne eher durch Zufall mit Ball und Schläger in Kontakt gekommen und hat seine Familie damit angesteckt.

Sören, Thore, Bjarne und Camille, Kjell und Noell – sie alle sind im Verein aktiv, keiner aber so erfolgreich wie der Torwart: Bei der Nachwuchssichtung im Hamburger Hockeyverband ist das Trainerteam vor zwei Jahren auf den leistungsstarken Keeper aufmerksam geworden, hat ihn in den erweiterten Kader inte­griert. „Das war schon ein tolles Erlebnis“, erzählt Bjarne, der mittlerweile aber nur auf einer Warteposition steht.

Thore stolz auf Bruder Bjarne

Thore hätte diese Erfahrungen auch gerne gemacht, unglückliche Umstände hatten eine Beteiligung an den Übungseinheiten aber verhindert: „Ich finde es aber total schön, dass Bjarne das geschafft hat“, sagt er, „und bin auch etwas stolz darauf.“ Zweifel an der Glaubwürdigkeit seiner Aussage lässt er nicht: „Wir haben uns bis vor Kurzem noch ein Zimmer geteilt, verstehen uns einfach total gut und machen viel gemeinsam.“ Auch im Sport.

Von Ute Lühr

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