Sonntag , 4. Dezember 2022
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Sonja Reimann hat die Bürgerinitiative „BIB4“ gegründet. (Foto: t&w)
Sonja Reimann hat die Bürgerinitiative „BIB4“ gegründet. (Foto: t&w)

Neue B4-Bürgerinitiative: „Achtung, hier leben Menschen!“

Dauerlärm, Angst und Raserei – Sonja Reimann hat es satt! Darum hat die Jelmstorferin eine Bürgerinitiative gegründet, die sich für Maßnahmen zur Anwohnerentlastung in den Dörfern an der Bundesstraße 4 einsetzt. Auch Melbecks Bürgermeister Christoph Kleineberg ist mit von der Partie. Er sagt: „Wir nehmen jetzt einfach noch einmal alle Anlauf, um zu schauen, was machbar ist.“

Jelmstorf. Sonja Reimann hat es satt: den Dauerlärm, die Angst, die Raserei. Sie hat es satt, ständig vertröstet zu werden – von den Behörden. Nicht gesehen zu werden – von den Lkw-Fahrern. Nur warten zu können – darauf, dass die pochende „Wunde“ in ihrem Dorf eines Tages verheilt. Gemeint ist die Bundesstraße 4.

Seit mehr als 20 Jahren lebt Sonja Reimann in Jelmstorf, direkt an der Hauptverkehrsader zwischen Lüneburg und Uelzen. So lang schon beobachtet sie den Verkehr vor ihrer Tür. „Im Laufe der Jahre hat die Masse an Autos und Lastern spürbar zugenommen – nicht mehr nur zu den Stoßzeiten, sondern mittlerweile 24/7“, sagt sie. Ihr Neunjähriger Sohn könne im Sommer sein Zimmer nicht lüften – wegen des Dauerlärms. Und wenn er zu Freunden auf „die andere Seite“ will, begleitet ihn seine Mutter stets über den Zebrastreifen. „Das ist eine tägliche Gefahr. Die Lkw knattern an Dir vorbei – und niemand hält an.“

Ampeln oder strengere Tempo-Limits?

Doch Sonja Reimann weiß, sie ist nicht allein mit ihrem Ärger. Spätestens seit sie vor gut zwei Wochen eine Bürgerinitiative (BI) zum Thema ins Leben gerufen hat: die „BIB4“. Damit hofft sie, zusammen mit Bürgern und Funktionsträgern der übrigen B4-Durchgangsorte Maßnahmen zur Anwohnerentlastung anstoßen zu können. Mit von der Partie sind auch Grünhagens Ortsvorsteher Andreas Feige und Melbecks Bürgermeister Christoph Kleineberg.

Auch Melbecks Bürgermeister ist mit an Bord

Kleineberg engagiert sich als Beisitzer im Vorstand – und will „mit den Anwohnern gemeinsam ausloten, welche Möglichkeiten wir haben“. Denn in der neuen Initiative erkennt er weit mehr als nur einen „Versuch, der schweigenden Mehrheit der A39-Befürworter eine Stimme zu geben". Im Unterschied zu anderen Zusammenschlüssen werde man mit der „BIB4“ auch kleinere Maßnahmen zur Entlastung der Anlieger in den Fokus nehmen: Ampeln an den B4-Zufahrtsstraßen zum Beispiel oder Lkw-Durchfahrtsverbote. Kleineberg hat einige Ideen: „Ich kann mir auch gut vorstellen, dass sich Melbeck freiwillig als Modellkommune um Thema Tempo 30 im ganzen Ort melden würde, um die Sicherheit zu erhöhen.“

Die Belastung für Anwohner mit Zahlen belegen

In den vergangenen Tagen hat der Bürgermeister Infoflyer zur BI in Melbeck verteilt: „Abgesehen von der Resignation einiger älterer Mitbürger – die sagen: ,Das versuchen wir doch schon seit 30 Jahren‘ – war die Resonanz hervorragend“, erzählt Kleineberg. „Wir nehmen jetzt noch einmal alle Anlauf, um zu schauen, was machbar ist.“

So sieht das auch Sonja Reimann, die in einem ersten Schritt plant, mit Messgeräten die Belastung für Anwohner mit Zahlen zu belegen. „Es gibt ja Messprotokolle von den Ämtern, aber diese Erhebungen sind natürlich nur punktuell zu bestimmten Zeiten gemacht worden und ergeben kein aussagekräftiges Bild“, sagt die 42-Jährige. Mit der neuen Datenbasis will sie als frischgebackene BI-Vorsitzende Druck bei der Politik machen, um mehr Unterstützung zu erhalten.

Mit Radtouren, Info-Bannern, Bobby-Cars und Fahrrädern

Und mehr noch: „Wir müssen den Autofahrern einfach zeigen: Achtung, hier leben Menschen!“ Hierzu schweben ihr diverse Aktionen vor – von einer gemeinsamen Radtour entlang der B4 über Info-Banner bis hin zu Bobby-Cars und Fahrrädern am Straßenrand. Ihre Hoffnung: „Wenn wir da von Tätendorf bis Melbeck alle an einem Strang ziehen, begreifen die Leute vielleicht, dass es uns Dorfbewohner gibt.“

Erstes Kennenlernen in Jelmstorf geplant

Wer Interesse an der Arbeit der Bürgerinitiative hat oder sich vielleicht sogar selbst einbringen möchte, den lädt der Vorstand zu einer Info-Veranstaltung ein. Am Sonnabend, 26. März, um 16 Uhr stellt sich die Initiative auf dem Jelmstorfer Sportplatz am Aubruchsweg vor.

Von Anna Petersen

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