Sonntag , 4. Dezember 2022
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Zuspieler Joe Worsley (M.) hat seinen Vertrag bei der SVG Lüneburg verlängert. Ihren Top-Scorer Jordan Ewert (l.) würde die SVG ebenfalls gern halten. Rechts: Auke van de Kamp. (Foto: be)

Gute SVG-Saison mit Schönheitsfehlern

Die Verantwortlichen der SVG Lüneburg sind mit der Spielzeit zufrieden. Was fehlte, war die Abgezocktheit in der Crunch Time. Cheftrainer Hübner trauert vergebenen Chancen noch ein wenig hinterher.

Lüneburg. Wenn am Mittwoch die Halbfinals um die deutsche Volleyball-Meisterschaft zwischen Berlin und Frankfurt sowie Düren und Friedrichshafen beginnen, ist die SVG Lüneburg zum Zuschauen verdammt. Vor allem das knappe 1:3 im zweiten Viertelfinal-Spiel gegen Frankfurt schmerzte die Lüneburger. Insgesamt aber sind die SVG-Verantwortlichen mit der Saison zufrieden.

Viertelfinale in der Meisterschaft und das dritte Pokalfinale stehen am Ende in der sportlichen Vita der Spielzeit 2021/2022. „In der Gesamtheit gesehen ist das durchaus positiv“, meint SVG-Chefcoach Stefan Hübner, „wir standen vor vielen Herausforderungen und haben viele neue Dinge gemacht.“

Damit ist der Umzug in die neue Spielstätte LKH-Arena gemeint, der damit verbundene schwierige Saisonstart mit sechs Auswärtsspielen in Folge, aber auch der erste Auftritt der SVG im Europacup (CEV-Cup).

Hier und da bleiben Möglichkeiten ungenutzt

„Sicherlich gab es ein, zwei Möglichkeiten, um aus einer guten Saison eine sensationelle zu machen“, sagt Hübner, „zum Beispiel im Europacup gegen Kraljevo, als wir nach dem Hinspiel eine gute Ausgangsposition hatten. Und auch im Pokalfinale waren wir nah dran. Das bleibt sicher auch ein bisschen hängen. Und es ist etwas, woran wir arbeiten müssen, wenn wir uns wieder treffen.“

In der Tat war gerade die sogenannte Crunch Time, also die entscheidende Phase in den Sätzen, ein Problem für die SVG. Zumindest in der Saison-Endphase. Oftmals waren andere Teams spielerisch nicht besser, aber eben abgezockter. Besonders zeigte sich das im Pokalfinale gegen Friedrichshafen (1:3) und auch in den Viertelfinal-Playoffs gegen Frankfurt. Sieben Sätze spielte die SVG gegen die Hessen, fünf davon wurden mit zwei Punkten Abstand entschieden – alle für Frankfurt.

Insgesamt aber spiegele die Tabelle den Leistungsstand der SVG in dieser Saison wider, so Hübner. „Im Bereich vier, fünf sortieren wir uns ein. Mit etwas mehr Glück können wir nach der Vorrunde auch Vierter sein“, sagt der Trainer.

Corona-Pech ausgerechnet am Ende der Saison

Pech hatte die SVG sicherlich hinsichtlich Verletzungen und Erkrankungen. Diagonalangreifer Jannik Pörner hatte einen super Auftritt im Europacup-Heimspiel, verletzte sich dann aber bald und kam nicht mehr zurück. Auch Richard Peemüller war zu einem frühen Zeitpunkt der Saison verletzt und fand danach kaum noch seinen Rhythmus.

Hinzu kam, dass Corona die SVG zum ungünstigsten Zeitpunkt traf – nämlich zum Ende der Saison in den Viertelfinalspielen. Hier war nichts mehr zu reparieren, die SVG musste die Spiele durchziehen. Eine gute Vorbereitung auf diese Highlights war eigentlich nicht möglich.

Neben der Mentalität, niemals aufzugeben, war die SVG im Angriff aus der Abwehr heraus eine der stärksten Mannschaften der Liga. Eine Schwäche war zu Beginn der Saison die Annahme. „Die hat sich zwar dann stabilisiert“, so Hübner, „aber wenn wir da nochmal gewackelt haben, war das Timing nicht gut.“ Stichwort Crunch Time.

Eine Schwäche, die die SVG nicht in den Griff bekommen hat, war der Aufschlag. „Da hatten wir zu wenig Wirkung. Wir sind die Mannschaft, die am meisten Asse kassiert und am wenigsten produziert hat“, erklärt der Trainer.

SVG will wieder im Europacup spielen

Auch SVG-Geschäftsführer Andreas Bahlburg sieht die Saison „unter dem Strich erfolgreich“. Es habe eine neue Qualität im Team und in Sachen Spielstätte gegeben. „Wir hatten in der Arena eine super Stimmung. Auch, wenn es wegen Corona Einschränkungen bei der Zuschauerzahl gegeben hat.“

Ein weiterer wichtiger Aspekt für den SVG-Macher war der erste Auftritt im Europapokal. „Da haben wir eine Duftmarke gesetzt. Auch, wenn wir am Ende in der ersten Runde ausgeschieden sind, war das für die Entwicklung des Vereins sehr wichtig“, erklärt Bahlburg. So bemüht sich die SVG darum, auch in der kommenden Saison international zu spielen. Bahlburg: „Der Challenge Cup wäre sicher. Wir hoffen aber wieder auf den CEV-Cup. Das hängt von den Meldungen der anderen Nationen ab. Wir müssen das abwarten.“

Es wird personell noch einiges passieren

In jedem Fall wird es eine neue Mannschaft mit einer Reihe personeller Veränderungen geben. Mittelblocker Michel Schlien und Libero Tyler Koslowsky wurden verabschiedet. Auf diesen Positionen wird etwas passieren. Wahrscheinlich auch im Bereich des Diagonalangriffs.

Sehr positiv für die SVG ist, dass Joe Worsley, einer der besten Zuspieler der Liga, seinen Vertrag um ein Jahr verlängert. Inwieweit die Lüneburger ihren Top-Scorer Jordan Ewert halten können, ist noch offen. Dazu sagt Bahlburg: „Die Verhandlungen mit ihm laufen. Wir sind optimistisch, dass er noch ein Jahr bei uns dranhängt.“

Von Matthias Sobottka

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