Sonntag , 4. Dezember 2022
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Volleyball, SVG Lüneburg, Jannik Pörner
Jannik Pörner (2. v.r.) hatte in dieser Saison mit seinen 18 Punkten im Europacup-Hinspiel gegen Kraljevo seinen ganz großen Auftritt. Hier jubelt er mit Tyler Koslowsky (M.), Michel Schlien (hinten), die beide ebenfalls aufgehört haben, Arthur Nath (l.) und Joe Worsley (r.). Foto: be

Pörner ein SVG-Teamplayer par excellence

Diagonalangreifer Jannik Pörner hat sich bei der SVG Lüneburg immer den Interessen der Mannschaft untergeordnet. Jetzt beendet er seine Karriere und zieht Bilanz.

Lüneburg. Seit acht Jahren spielt die SVG Lüneburg in der Volleyball-Bundesliga, und er ist ein Mann der ersten Stunde. Doch nun klappt Jannik Pörner – im Juli erst 28 Jahre alt werdend – dieses Kapitel zu. Der Diagonalangreifer beendet nach insgesamt 148 Pflichtspielen für die LüneHünen die Profi-Laufbahn und wechselt ins Privat- und Berufsleben. Mit drei Silbermedaillen (Pokalfinals) und vier Bronzeplaketten (Playoff-Halbfinals) als Erinnerungsstücken. Damit ist aus der Premierensaison der SVG künftig kein Spieler mehr dabei.

Der letzte Mann der ersten Bundesliga-Stunde

Als Junioren-Nationalspieler samt Teilnahme an der EM-Endrunde 2012 in Dänemark und Polen tat Pörner mit dem Wechsel 2014 vom damaligen Zweitligisten KMTV Eagles Kiel einen neuen Karriereschritt und wurde schnell in Lüneburg heimisch. Mit 26 bzw. 25 Pflichtspielen machte er dem etablierten Falko Steinke den Platz streitig, obwohl dieser im ersten Jahr noch auf mehr Einsatzminuten kam.

Die Anfangsjahre werden Pörner auch immer besonders in Erinnerung bleiben: „Sportlich war natürlich gleich 2014/15 genial: als Neuling ins Pokal-Endspiel und in der Bundesliga im Halbfinale. Aber auch das Jahr danach war großartig, als wir im Playoff-Halbfinale fast Berlin ausgeschaltet hätten, zweimal nur knapp mit wenigen Punkten Unterschied 2:3 verloren haben.“

Turbulente und erfolgreiche Anfangsjahre

Als Steinke-Nachfolger kam dann Eric Fitterer (USA), der sich in die Top 10 der Topscorer schmetterte. Pörners Karriere stockte, zumal er sich nie auf den Sport allein beschränkte, sondern parallel eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolvierte und danach einen Teilzeit-Job im Ausbildungsbetrieb Sparkasse Lüneburg antrat.

Sich nur auf Volleyball zu fokussieren, war nicht sein Ding. So musste der 2,03-Meter-Mann auch akzeptieren, dass der nächste Konkurrent, Ryan Sclater, ihm das Nachsehen gab und bei der SVG in zwei Jahren zum kanadischen Nationalspieler reifte. Pörner, ein Teamplayer par excellence, ordnete sich nicht nur erneut unter, sondern freute sich mit über die positive Entwicklung des ganzen Vereins.

Gesundheitliche Rückschläge bremsten ihn oft

Für ihn aber kamen gesundheitliche Rückschläge hinzu. Den Mann mit der Trikotnummer 7 erwischte es ausgerechnet dann oft, wenn er gerade besonders gut drauf war, er zog sich Bänderrisse zu, fing sich eine Grippe ein oder litt in der letzten Saison lange unter einem Bandscheibenvorfall. „Ich möchte die Jahre trotzdem nicht missen, hatte trotz allem Spaß auf dem Feld. Manche haben eben eine bessere und manche eine nicht so gute körperliche Konstitution, um die Belastungen eines Profis wegstecken zu können. Zuletzt hätte ich ja auch fast noch einmal eingreifen können.“

Corona verhindert große Bühne beim Abschied

Da aber machte dann Corona einen Strich durch die Hoffnungen, weshalb er auch nicht wie Michel Schlien und Tyler Koslowsky die Abschiedsbühne beim Viertelfinale gegen Frankfurt bekommen konnte. So kam er nur auf 17 Saisoneinsätze.

Eine Saison zum Vergessen also? „Das würde ich nicht sagen. Es ist nur schade, wie sie geendet ist, das hätte ich mir anders vorgestellt. Immerhin habe ich noch ein drittes Pokalfinale miterlebt.“ Und ein lang ersehntes Spielen in der neuen Arena sowie Auftritte im Europapokal.

Hinspiel des CEV-Cups ein ganz besonderes Erlebnis

Dort sogar mit einem besonderen Erlebnis: Im Hinspiel des CEV Cups gegen Ribnica Kraljevo war Pörner mit 18 Punkten Topscorer beim 3:0-Triumph und wurde mit Sprechchören noch lange gefeiert. Da zwickte schon die Bandscheibe. Das Halbfinale im DVV-Pokal gegen Herrsching am 22. Dezember sollte dann sein letzter (Kurz-)Auftritt werden.

In dieser Phase ergab sich aber auch eine beruflich neue Perspektive bei der Sparkasse: Eine Stelle als „Innovations-Manager für Digitalisierung“ wurde frei. „Darauf hatte ich richtig Bock und habe mich erfolgreich beworben. Das macht das Karriereende jetzt leichter.“ Der Übergang war fließend, inzwischen arbeitet er in Vollzeit. Und freut sich zudem, künftig mehr Zeit für Freundin, Haus und Hund zu haben. Deshalb ist auch vorerst nicht geplant, in der zweiten Mannschaft aufzutreten oder z.B. als Jugendtrainer einzusteigen.

Vorerst kein Engagement in der zweiten Mannschaft

„Ich will das alles jetzt erst einmal sacken lassen.“ Und was wird auf Dauer hängen bleiben? „Ich fand es spannend, in Deutschland herumzureisen und andere Gegenden kennenzulernen. Und es war einfach schön, dass ich durch Volleyball viele Freunde aller möglichen Nationalitäten gefunden und andere Kulturen kennengelernt habe.“

Von Holger Remus

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