Sonntag , 4. Dezember 2022
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Und täglich grüßt der Sensenmann? Die Komödie "Dääglich kloppt Jan Klapperbeen" des Sülfmeister-Ensembles erinnert an den Kino-Blockbuster "Täglich grüßt das Murmeltier."
Und täglich grüßt der Sensenmann? Die Komödie "Dääglich kloppt Jan Klapperbeen" des Sülfmeister-Ensembles erinnert an den Kino-Blockbuster "Täglich grüßt das Murmeltier." (Foto: t&w))

Theater Lüneburg: „Dääglich kloppt Jan Klapperbeen“

Schon längere Zeit war die Aufführung der Niederdeutschen Bühne Sülfmeister ausverkauft, jetzt brachte das Ensemble die schwarzhumorige Komödie „Dääglich kloppt Jan Klapperbeen“ von Freddy Sinclair auf die Bühne.

Lüneburg. Hannes verheddert sich in einer Zeitschleife. Irgendwann klopft plötzlich der Sensenmann an seine Wohnungstür und liquidiert den selbstgefällig arroganten Manager mit seinen üblen Macho-Allüren. Der fertigt seine Umwelt ab wie seinen prall gefüllten Terminkalender, mag es natürlich polygam. Nun steht er vor einem Dilemma. Täglich darf er zwar wieder erwachen, muss sich indes stets derselben Situation stellen. Seine Nachbarin Lilly bringt ein Paket vorbei und Hannes reagiert darauf extrem schroff. Das verächtliche Grummeln führt zum nächsten Exitus – ein permanentes Déjà-vu. Dann endlich kapiert er: sein Verhalten ist schlecht, sollte geändert werden. Gedacht, getan. Der Mann kriegt noch die Kurve und schafft den radikalen Sinneswandel, der Tod erteilt Absolution. „Dääglich kloppt Jan Klapperbeen“ heißt die schwarzhumorige Komödie von Freddy Sinclair, die Wolfgang Binder ins Niederdeutsche übertrug, vom dreiköpigen Sülfmeister-Ensemble auf die Bühne des Lüneburger T.NT-Studios gebracht.

So beinahe endlos die Geschichte wirkt, so lang zog sich auch die Vorbereitungsarbeit. Seit knapp zwei Jahren versucht Regisseur André Beyer die Produktion herauszubringen, doch die Pandemie bremste die mehrfach angesetzte Premiere aus. Ein ziemliches Problem, denn die Texte galt es neu einzustudieren, Proben zu arrangieren, Termine zu disponieren. Ein kompliziertes Unterfangen für die Niederdeutsche Bühne aus Lüneburg, jetzt endlich gelangte das Stück auf die Bretter, zur Freude des Publikums im ausverkauften Theater.

Parallelen zu Hollywood-Film

„Dääglich kloppt Jan Klapperbeen“ fällt aus dem Rahmen des Gewohnten. Die britisch inspirierte Komödie erinnert vor allem an den 1993 in die Kinos geschickten Blockbuster „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Weltstar Bill Murray, zeigt ebenso einige Bezüge zur biblischen Hiob-Geschichte, „Jedermann“ oder den turbulenten Lustspielen eines Alan Ayckbourn. Die enorme Fallhöhe erwartet eigentlich exzellente, professionelle Darsteller, die den Plot ausfüllen und entsprechend die Konturen schärfen. Für Laien eine große Herausforderung, das Sülfmeister-Trio hält sich dabei aber sehr wacker und versucht der heiklen Vorlage gerecht zu werden. Souffleurin Barbara Weßler springt bei manchen Hängern hoch konzentiert in die Bresche. Am Ende wird der Abend rund.

Es gibt Hinweise zu aktuellen Themen. Da tauchen der Klimawandel auf oder Elektoautos. Wichtiger, markanter aber ist die Botschaft. Wie gehen wir miteinander um, sind wir Misanthrop oder Philanthrop, siegt das Gute oder Böse? Johannes Möddel als anfänglicher Widerling hat die Weichen klar gestellt: Personen behandelt er wie Schachfiguren, die er beliebig bewegt. Das eitel gezimmerte Kartenhaus fällt zusammen. Seine Frau reicht die Scheidung ein, die Geliebte verabreicht ihm einen Korb und der Job steckt in der Krise. Es dauert, bis die Lügen in Selbsterkenntnis und Charakterwandel münden. Jan Klapperbeen (Ute Gerull), der Tod, führt ihn strikt auf Kurs in verschiedenen Outfits, mal als Pizzabote, dann als Diva. Beate Meyer als scheue Lilli staunt nur über diesen Hannes Petersen im Schlingerkurs der Zeitschleifen. Als Ehrlichkeit den Raum einnimmt, entwickelt die Nachbarin echte Sympathie und Zuneigung für den zuvor mürrischen Manager, Bahn frei für ein Happy-End.

André Beyer lässt im eigenen Bühnenbild agieren. Es braucht kaum Requisiten, um den Plot mit Finesse auszurollen. Eine Schlafcoach, ein Tisch mit Stühlen, die mobile Bar in der Ecke genügen, um Fahrt aufzunehmen.

Trio ist bestens aufgelegt

In 80 Minuten mutiert Hannes vom aufgeblasenen Poltergeist zum liebenswürdigen Mitmenschen. Die Regie drückt aufs Tempo und Aha-Effekt beim Publikum, denn jede Szene startet nahezu identisch mit der Paketübergabe. Viel Hintergründigkeit und einige Klischees paaren sich im Stück, Witz und Pointen zeigen eher Landehemmungen. Amüsant ist es trotzdem, obwohl die Lacher im Parkett gedämpft erscheinen. Den Zuschauern gefiel „Dääglich kloppt Jan Klapperbeen“, insofern erlebte das bestens aufgelegte Sülfmeister-Trio mit Ute Gerull, Beate Meyer und Johannes Möddel eine reichlich beklatschte Wiederkehr. Die nächsten Vorstellungen sind am ersten Juli um 18 und 20 Uhr angesetzt.

von Heinz-Jürgen Rickert

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