Sonntag , 4. Dezember 2022
Anzeige
Wilhelm Vorrath, Laufen, Volkslauf
Wilhelm Vorrath feierte jüngst seinen 80. Geburtstag und ist immer noch läuferisch aktiv. Foto: Sawert

Laufen ist für Wilhelm Vorrath ein Jungbrunnen

Weil er vor mehr als 50 Jahren mal zu dick war, kam Wilhelm Vorrath zum Laufen. Daraus ist eine Leidenschaft fürs Leben geworden.

Thomasburg. „Mensch, wo sind die Jahre hin?“, fragt sich Wilhelm Vorrath ein, zwei Schritte, nachdem er beim Junkernhoflauf des Thomasburger SV ins Ziel gekommen ist. Und: „Man weiß ja, dass man nicht mehr schneller wird.“ Es gehört sicher zur Natur eines erfahrenen Läufers, niemals ganz zufrieden zu sein. Und so gern lässt sich Vorrath auch nicht fotografieren, will über seine Person kein großes Aufheben machen.

Zwei Jubiläen für den Langstreckler

Aber der Langstreckler feiert jetzt gleich zwei Jubiläen. Am Donnerstag vor dem Lauf feierte er seinen 80. Geburtstag. Und exakt vor 50 Jahren „schlug ich bei Köller auf“, dem damaligen Leiter des MTV-Lauftreffs: „Seitdem laufe ich lange Strecken.“

Zwei Jahre zuvor hatte er in seinem Heimatort Südergellersen erste Geh- beziehungsweise Laufversuche unternommen. Seine Motivation damals: „Ich war zu dick.“ Nun, das Problem hatte sich schnell erledigt. Sein Ehrgeiz war groß, seine Strecken wurden immer länger. Nie lief er mehr als 80 Kilometer pro Woche. Aber vor einem Marathon absolvierte er an drei, vier Wochenenden Trainingsläufe über 35 Kilometer: „Die bin ich stramm durchgelaufen. Ich habe gedacht: Wenn ich das schaffe, dann sind die sieben Kilometer mehr bei einem Marathon auch kein Problem mehr.“

Bestzeit mit Mitte 40 in Berlin

Mit Mitte 40 lief er seine Bestzeit in Berlin, 2:53 Stunden, auch den anspruchsvollen Rennsteiglauf hielt er durch. Insgesamt beließ es Vorrath aber bei elf Marathon-Starts. Er musste auch einmal längere Zeit wegen eines Meniskus-Schadens infolge einer Fehlstellung pausieren. Ganz riss der Kontakt zum Sport und zum MTV aber nie ab.

Bei Volksläufen ist er weiter Stammgast. Seit Thomasburg gibt es jetzt drei Wilhelms, die auch in ihrem neunten Lebensjahrzehnt die Laufschuhe einfach nicht an den Nagel hängen wollen. Wilhelm Vogt ist mit 86 dabei, Wilhelm Holle war beim Junkernhoflauf der einzige Konkurrent von Vorrath in seiner neuen Altersklasse M 80, die der Jungspund aus Südergellersen mit 1:06:58 Stunden deutlich vor dem drei Jahre älteren Adendorfer für sich entscheidet. Dabei wirkt er nach den 9,6 bergigen Kilometern so frisch und fit, als wäre er gerade zum Briefkasten eine Straßenecke weiter geschlendert. Es gab auch schon offizielle Wettbewerbe, da hat das Wilhelm-Trio gemeinsam für die Farben der LG Lüneburg Titel abgeräumt.

Unterwegs bei Wind und Wetter

Zeiten und Plätze sind ihm aber nicht so wichtig. „Das war mein erster Volkslauf seit zwei Jahren. Das habe ich doch vermisst“, räumt Vorrath ein. Seitdem sich die Volkslaufs-Gruppe im MTV Treubund aufgelöst hat und viele langjährige Mitstreiter in den Lauf-Ruhestand gegangen sind, ist er nur noch mit seinem Vereinskameraden Reiner Paul unterwegs. Dienstags, donnerstags, sonntags, bei Wind und Wetter.

Das lohnt sich. Nicht nur beim Laufen, sondern auch im täglichen Leben. „Du siehst ja zehn Jahre jünger aus“, hat der Jubilar erst jetzt wieder bei seiner Geburtstagsfeier gehört. Wobei er meint: „Läufer leben nicht länger. Aber sie sterben wenigstens gesünder.“

Von Andreas Safft

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.