Sonntag , 4. Dezember 2022
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Finisher des 36. Hamburg Marathons: Jens Ravens und Flemming Herrndorf vom Team Manzke sowie Frank Reimann vom RSC Lüneburg. Foto: privat

Letzte Meter beim Hamburg Marathon entschädigen für alles

Ob ganz, halb oder gemeinsam in einer Staffel: Lüneburgs Läufer genießen die 36. Auflage in der Hansestadt trotz der Qualen.

Hamburg. Hamburg hat seinen Marathon zurück! Nach der Pandemie-Pause und einer abgespeckten Corona-Ausgabe im Herbst, feierten am Sonntag rund 15.000 Teilnehmer die 36. Auflage des beliebten Frühjahrmarathons. Die Profis dankten mit zwei Streckenrekorden, aber auch Tausende Hobbyläufer freuten sich über ihre Leistungen - darunter auch hiesige Starterinnen und Starter. Viele nahmen die 42,195 Kilometer gemeinsam als Staffel in Angriff, wieder anderen reichte ein Halbmarathon. Beides ist in Hamburg neben dem Marathon möglich.

Harter Kampf zwischen Kilometer 30 und 37

Den Halben hatten Flemming Herrndorf und Jens Ravens im September gefinisht, dieses Mal wollten sie aufs Ganze gehen und durchlebten einigen Höhen und Tiefen: „Die ersten 22 Kilometer waren super entspannt, bis 30 Kilometer meldeten sich langsam die Oberschenkel. Zwischen Kilometer 30 bis 37 begann für uns der härteste Kampf, und wir haben uns von einer Verpflegungsstation zur nächsten gearbeitet“, schrieben sie der LZ.

Doch die Stimmung trug sie weiter, und der Kampfgeist siegte. Flemming Herrndorf: „Die letzten Meter waren großartig, jubelnde Menschenmasse, laute Musik und ein langer roter Teppich. Für diesen Moment hat sich der Schmerz gelohnt.“ In 4:15:47 Stunden liefen sie für das Team Manzke über die Ziellinie.

Beachtliche Marathonzeiten hauten drei Marathonis des RSC Lüneburg raus. Schnellster war Frank Reimann, der in 2:46:43 klar unter drei Stunden blieb. „Dafür, dass ich eher locker laufen wollte, tun mir die Beine heute ganz schön weh“, erzählte er am Tag danach lachend. Obwohl ihm wichtige Trainingseinheiten fehlten, ließ er sich vom Start weg mitreißen. „Da war noch schön Rückenwind, und ich bin losgerannt, als wollte ich eine 2:30 rennen.“ Doch mit dem Wind änderte sich auch sein Gemütszustand. „Das war irgendwann so ein Gebläse, dagegen wollte ich einfach nicht weiterkämpfen und musste das Tempo drosseln.“ Dafür hielt die Wade, die zuletzt Ärger gemacht hatte.

Bestzeiten für Triathleten des RSC Lüneburg

Bestzeit lief Teamkollege Jan Knievel, der unbedingt die drei Stunden knacken wollte, am Ende wurden es 2:59:39 Stunden. Sechs Minuten später kam Markus Wolansky in 3:06:31 ins Ziel. Wegen Rückenproblemen, die ihn seit drei Wochen quälen, hatte er zwar ab Kilometer 25 Tempo rausnehmen müssen, „dennoch hat es für eine neue Bestzeit gereicht. Ich bin total zufrieden.“

Und diese Jungs nutzten den Marathon für ein Wiedersehen - und wurden sogar prompt viertschnellste Männerstaffel in starken 2:50:37 Stunden: Jakob Wurmstädt, Samuel Wurmstädt, Jakob Werner und Jakob Bresser. Für Studium und Ausbildung haben drei von ihnen inzwischen Lüneburg verlassen. „Aber wir wollten immer noch mal zusammen diese Staffel laufen, und dieses Jahr hat es nun endlich funktioniert“, freute sich Jakob Wurmstädt, der gerade Abitur schreibt. Lange Zeit hatten die jungen Männer in der Laufgruppe von Steffen Brand beim MTV Treubund trainiert.

Über ihren 66. Platz von insgesamt 729 Staffeln jubelten Tanja und Bjoern Scheele, Giselind Werner und Fridhelm Wünnecke. Zusammen finishten sie den Marathon in 3:28:12 Stunden. „Wir haben alle Spitzenzeiten hingelegt und waren ganz überrascht. Das Training zahlt sich aus“, zog Tanja Scheele Bilanz, die die letzte Etappe und damit 9,7 Kilometer absolvierte.

Marathon als Formcheck für den Ironman

Die Vier nutzten den Marathon vor allem zum Formcheck: „In neun Wochen ist der Ironman in Dänemark, da starten wir alle. Hamburg war wie immer super organisiert, das Wetter grandios, Stimmung toll. Das lässt Corona kurz vergessen.“

Doch so ganz ohne Auflagen ging es auch dieses Mal nicht. Es galt 2 G, heißt: Mitlaufen durfte nur, wer vollständig geimpft oder genesen ist. „Ansonsten war es wie vor Corona-Zeiten“, meinte Alexander Röhling. Er war eingesprungen, um Kathrin Schröder, Uwe Frohloff und Thorsten Korsch von der SV Scharnebeck zu unterstützen. Das Staffel-Team schaffte es in 3:31:14 Stunden durch Hamburg. Röhling: „Die Stimmung auf und neben der Strecke war grandios. Nur der teils recht heftige Wind war etwas störend.“

Der Handstand im Ziel ist ein Muss

Erst vergangene Woche hatte sich die Lüneburgerin Simone Wulf entschlossen, die erste Etappe einer Staffel aus Hamburg beim Marathon zu übernehmen. 15,7 Kilometer, die sie in vollen Zügen bei ihrem Marathon-Debüt in der Hansestadt genoss. „Für mich persönlich war das wie in einer anderen Welt“, freute sie sich auch über ihre Zeit von 1:45:50 Stunden.

Zur Medaillen-Feier traf sie sich im Anschluss mit den Halbmarathonis Yvonne Paro (2:04:21) und Danielle Lagoda (2:13:21) aus Bardowick zum verdienten Finisher-Foto. Obligatorisch legte Yvonne Paro dafür sogar noch einen Handstand hin. Die Nachwehen vom Lauf kommen bekanntlich ja auch erst in den Tagen danach.

Von Kathrin Bensemann

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