Freitag , 2. Dezember 2022
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Fabian Schönke wird EM-Fünfter, sichert sich das WM-Ticket, und feiert tags darauf noch den Europameister-Titel im Mixed Relay. (Foto: Sven Seele)

Fabian Schönke unter Dauerstrom bei Junioren-EM

Bester Deutscher im Einzel-Wettkampf, WM-Ticket gesichert und Europameister mit der deutschen Staffel im Mixed Relay: Die Ausbeute des Triathlon-Talents vom RSC Lüneburg war in Polen ordentlich. 

Lüneburg. Nur vier Stunden hat Fabian Schönke nach der Rückfahrt aus Polen geschlafen, dann musste er schon wieder die Schulbank drücken. „Ich bin mega müde und habe noch gar nicht richtig realisiert, was da am Wochenende passiert ist“, gestand der 18-jährige Triathlet vom RSC Lüneburg am Telefon. Als bester Deutscher wurde er bei den Junioren-Europameisterschaften in Olsztyn Fünfter und sicherte sich damit ein Ticket für die WM in Montreal in Kanada in nicht einmal mehr vier Wochen.

Nur 24 Stunden nach seinem Einzel-Erfolg war Fabian Schönke in Polen erneut am Jubeln: dieses Mal über den Europameister-Titel mit der Staffel im Mixed Relay mit den deutschen Teamkollegen Jaspar Ortfeld (Lübeck), Julia Bröcker (Bad Oldesloe) und Jule Behrens (Darmstadt).

Drei Rennen in drei Tagen verlangen Athleten alles ab

Drei Rennen über die Supersprintdistanz (300 m Schwimmen, 8 km Rad und 2 km Laufen) an drei Tagen, das war Anspannung pur. Und während Fabian das Semifinale um die Qualifikation für das A-Finale souverän gewann, lief es im entscheidenden Rennen anfangs alles andere als gut. „Mein Schwimmen war schlecht. An der ersten Boje habe ich gleich eins auf die Nase bekommen und bin fast als Letzter aus dem Wasser.“

So musste er auf dem Rennrad alle Kräfte mobilisieren, sammelte einen Konkurrenten nach dem anderen ein - und konnte sich kurz vor der Wechselzone sogar mit einem Sprint vom gesamten Feld absetzen. Trainer Jonathan Pargätzi wunderte das nicht: „Das war nicht nur eine Willensleistung. Fabian ist ein außergewöhnlicher Radfahrer, war mit Abstand der beste und ist nah am Olympia-Niveau.“

Auf der Laufstrecke fehlen die letzten Körner

Der Angriff auf der Radstrecke aber hatte Konsequenzen fürs abschließende Laufen: „Bis zum ersten Wendepunkt war ich noch gut dabei und konnte mich vorn behaupten, aber dann war ich vom Radfahren zu platt.“ Eine Attacke der Konkurrenz aus Frankreich und Italien konnte er am Ende nicht mitgehen.

Dennoch: Platz fünf, davon hätte Fabian Schönke vorher nicht zu träumen gewagt. „Das hatte ich mir bei meiner ersten europäischen Meisterschaft nicht zugetraut. Ich bin total happy.“ Statt zu feiern, musste er sich aber aufs nächste Rennen in der Staffel fokussieren. Beim Mixed Relay bilden zwei Frauen und zwei Männer pro Nation ein Team und absolvieren nacheinander die Distanz.

Pläne für WM in Montreal lassen sein Schuljahr schrumpfen

Fabian startete als Dritter und konnte die Führung des deutschen Teams von 20 Sekunden auf eine Minute ausbauen. Jule Behrens, Junioren-Weltmeisterin 2021, brachte die Führung ungefährdet ins Ziel. Für Lüneburgs Triathlon-Talent war die Staffel nochmals Gänsehaut pur: „Als ich auf der Strecke war, sagte der Sprecher schon, dass wir auf Titelkurs sind, das war ein irres Gefühl. Durch die vielen Nationen, die vertreten waren, war die Atmosphäre sehr besonders.“

Zurück in Südergellersen wird die Aufregung nicht weniger. In knapp vier Wochen wird sich Fabian Schönke mit den weltbesten Triathleten seines Alters in Montreal messen. Damit schrumpft auch das Schuljahr für den Schüler des Oedemer Gymnasiums deutlich. „Ja, da bleibt nicht mehr so viel übrig“, meinte er schmunzelnd. „Wir fliegen auf jeden Fall mit dem deutschen Team schon eine Woche vorher nach Kanada, um uns zu akklimatisieren, und davor geht es zur Vorbereitung noch in ein längeres Trainingslager.“

Auch einen Platz im Perspektivkader hat er sicher

Mit seinem fünften EM-Rang hat der 18-Jährige auch einen Platz im Perspektivkader der Deutschen Triathlon Union (DTU) sicher. „Das ist unfassbar stark, was er da in Polen geschafft hat. Ich gönne ihm das sehr, nachdem 2021 kein leichtes Jahr für Fabian war. Nach einer Verletzung hat er acht Wochen nicht laufen können und die Verunsicherung war groß“, so Coach Pargätzi.

Nicht nur deshalb wird er heute Abend beim Training gebührend gefeiert werden - so jedenfalls hat der RSC Lüneburg es bei Instagram angekündigt.

Von Kathrin Bensemann

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