Sonntag , 4. Dezember 2022
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Die zehnköpfige Staffel der Lüneburger SV gewann den Heide-Staffellauf. Gemeinsam mit Schluss-Läuferin Anica Rust (Mitte) brachte das Team die 100 Kilometer auf den Sülzwiesen ins Ziel. (Foto: t&w)

Mit Video: Ein Lauf gegen die Hitze und sich selbst

Die Wärme macht Ausdauer-Assen beim Heide-Staffellauf zu schaffen. 32 Aktive müssen aufgeben. Hiesige Staffeln siegen.

Lüneburg. 30 Grad – und die Sonne hatte den gesamten Tag über kein Erbarmen: Die Bedingungen für die dritte Auflage des Lüneburger Heide-Staffellaufs waren nicht gerade sportlerfreundlich. Rund 500 Läuferinnen und Läufer nahmen dennoch die 100 Kilometer in Staffeln oder als Solisten in Angriff. Und zumindest die allermeisten trotzten der Hitze und liefen mit einem Lächeln im Gesicht auf den Sülzwiesen über die Ziellinie. Bei den Staffeln landeten ausnahmslos lokale Teams auf dem Treppchen – und Nils Moch feierte einen Sieg über sich selbst. Der Lüneburger knackte vor der eigenen Haustür erstmals die 100 Kilometer.

Nach 11:54 Stunden finishte er am Samstagabend, die letzten Meter mit Ehefrau und Sohn an der Hand. „Ich wusste, dass sie im Ziel warten, das hat mich am Ende nochmal motiviert“, berichtete Moch. Die ersten 50 Kilometer seien richtig gut gelaufen, die zweite Hälfte dagegen extrem zäh. Nicht die Muskeln, sondern der Magen zickte: „Ich musste einen Augenblick im Sitzen verweilen und auch einige Kilometer gehen. Das Wetter war schon heftig.“

Auch den landschaftlich reizvollen Abschnitt zwischen Overhaverbeck und Undeloh konnte er nicht wirklich genießen. „Den bin ich letztes Mal als Staffelläufer gelaufen und war so begeistert, dass ich unbedingt einmal die ganze Strecke allein in Angriff nehmen wollte.“ Wiederholungstäter aber wird Nils Moch nicht. „Einmal wollte ich es mir beweisen, nun nehme ich lieber wieder den Marathon in Angriff.“

Matthias Frischmuth hadert mit der Heide

Mit der Heide haderte erneut Matthias Frischmuth aus Vögelsen. Schon beim letzten Heide-Staffellauf begannen hier seine Krämpfe. Höchste Zeit für Ehefrau Manuela, die ihn auf dem Rad begleitete, die Musikbox mit seinen Lieblingssongs der 80er anzuschmeißen. „Danach lief es wieder“, erzählte der 57-Jährige, der 11:20 Stunden brauchte.

101 Ultraläufer gingen morgens um 7 Uhr auf die Strecke. „Ursprünglich waren 200 gemeldet. Wegen Corona hatten wir insgesamt viele Absagen“, so Organisator Rolf Düngefeld. 32 mussten im Laufe des Tages wegen der Hitze aufgeben, medizinisch versorgt werden aber musste niemand. Und so atmete Düngefeld auf, als nach 16:19 Stunden auch der letzte die Sülzwiesen erreichte. „Ich hatte vorab schon Bedenken, habe aber auf die Vernunft aller gesetzt.“

Motivationsschub für den Sieger kurz vorm Ziel

Die ließ auch Sieger Thomas Bonesky nach 65 Kilometer walten. Als bei ihm "der Mann mit dem Hammer" kam, nahm er etwas Tempo raus. „Da war ich mir nicht sicher, ob ich ins Ziel komme.“ An der letzten Verpflegungsstation erfuhr er aber, dass er das Feld anführt. Da wollten die Beine wieder und der Triathlet aus Osterholz-Scharmbeck lief nach 8:42 Stunden mit hochgerissenen Armen über die Ziellinie. Fünf Minuten vor Heiko Becker aus der Pfalz.

Bei den Frauen hatte Tanja Spiekermann (Werder Bremen) in 10:03 Stunden die Nase vorn. Sieger der zwanzig Duo-Staffeln, bei der sich zwei Aktive die 100 Kilometer teilten, wurden Leonie De Jong und Björn Dieball aus Stade in 9:18 Stunden.

LSVer geben Gas und haben dennoch Spaß

Die schnellsten 100 Kilometer legte die Staffel der Lüneburger SV in 7:05 Stunden hin. Obwohl Trainer Dennis Lauterschlag dazu aufgerufen hatte, bei der Hitze nicht zu übertreiben und den Spaß nicht zu vergessen. Als Schlussläuferin Anica Rust oberhalb der Sülzwiesen gesichtet wurde, nahmen die restlichen neun LSVer sie in die Mitte und begleiteten sie bis ins Ziel. „Die ersten und letzten zwei Kilometer ging es bergab, dazwischen war es hart“, meinte Anica Rust nach 9,1 Kilometern von Südergellersen nach Lüneburg.

Knapp 50 Minuten später folgte das Team des RSC Lüneburg. Dritte der 39 Staffeln wurden die Läufer von sport.TRI.lich Speed in 8:24 Stunden.

Von Kathrin Bensemann

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