Sonntag , 4. Dezember 2022
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Christa Donatius wohnt und arbeitet für drei Monate in der Stipendiatenwohnung im Rote-Hahn-Stift.
Christa Donatius wohnt und arbeitet für drei Monate in der Stipendiatenwohnung im Rote-Hahn-Stift. (Foto: t&w)

Kondensat eines Sommers

Eine Menschenmalerin ist Christa Donatius. Sie zeigt Männer und Frauen in alltäglichem Tun, umgeben von Lüneburger Kulissen. Die Künstlerin war drei Sommermonate lang als Stipendiatin der Uwe-Lüders-Stiftung in der Stadt. Besonders werden die Bilder durch einen Effekt, der Motive wie Fotonegative aussehen lässt.

Lüneburg. Christa Donatius stellt in der Galerie im Glockenhof aus und überschreibt ihre Bildauswahl „Sommersalz“. Damit spielt sie auf den Sommer 2020 an, in dem sie drei Monate in Lüneburg verbrachte – als Stipendiatin der Uwe-Lüders-Stiftung. Das Donatius-„Kondensat eines Sommers“ zeigt Stimmungen von Menschen in städtischer Umgebung, allein, zu zweit, in der Gruppe.

Was die zunächst unscheinbaren, alltäglichen Motive interessant macht, ist ihre Verarbeitung, die Offenheit in den Bildern. Mal spielen die Menschen, mal starren sie aufs Handy, mal sitzen sie im Café, mal allein auf der Straße, mal sind sie in Kommunikation. Immer befinden sie sich in einer Zwischenstufe zwischen Ein- und Zweisamkeit.

Die Bildgestaltung untermauert das Ungewisse. Die aus Hamburg stammende, in Horneburg bei Stade lebende Malerin löst auf Bildteilen das Konkrete ins Abstrakte auf. Offen bleibt auch, welche Rolle die – vor Ort vertraut erscheinende – Architektur spielt. Sie kann entrückt wirken, auf anderen Bildern stellt sie sich dem Betrachter blockartig in den Weg, und sie liegt auch mal wie ein Fries über dem eigentlichen Motiv.

Warum nicht einfach stehenbleiben?

Typisch und charakteristisch für Donatius’ Malerei aber ist ein für die Wirkung entscheidender Effekt, der Bildteile schwarzweiß und metallisch glänzen lässt. Sie wirken so, wie es bei Foto-Negativen der Fall ist. Dadurch schaffen die Bilder Distanz zu dem, was sie zeigen.

Ergänzend sind mit Moorlauge gemalte, skizzenartige Bilder zu sehen, bei denen der Zufall mitspielt. Malerei ist eben ein Labor, ein Prozess mit offenem Ausgang. In einem „Memorial“, das Christa Donatius an den Katalog zu ihrem Stipendiat anhängt, gibt sie ein Beispiel: „Zurzeit suche ich einen Weg durch durchsichtige Wände, Glasscheiben, Spiegel. Warum nicht einfach stehenbleiben?“

Stehenbleiben beim „Sommersalz“ ist bis zum 28. Juli möglich.

Von Hans-Martin Koch

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