Sonntag , 4. Dezember 2022
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Gabi Marks
Gabi Marks schaut gern genau hin, und am liebsten mit ihrer Kamera. (Foto: t&w)

Gabi Marks: Augenblicke als Zeitzeugen

Die Künstlerin Gabi Marks aus Leer stellt Fotos zum Thema Nähe in der Lüneburger Nicolaikirche aus. Pastor Oldenburg, der sie einst in Ostfriesland konfirmierte, freut sich über die Nähe, die sich beim sporadischen Wiedersehen trotz geografischer und zeitlicher Entfernungen immer wieder einstellt.

Lüneburg. Augenblicke, nicht Momente sind hier gemeint, denn es geht um den Blick in die Augen seines Gegenüber. Er setzt eines voraus: Nähe. Und das ist das Thema der Ausstellung, die derzeit in der Nicolaikirche zu sehen ist. Am Sonntag wurde sie im Rahmen eines FreiRaum Gottesdienstes – einem neuen Format, das mehr auf Begegnung setzt als auf Predigt und Gesang – eröffnet.

40 Motive in Schwarz und Weiß

Die Bilder hat die Fotografin Gabi Marks geschaffen, allesamt in ausdrucksstarkem Schwarz-Weiß. Rund 40 Motive hat die Künstlerin aus Leer aus ihrem Fundus für St. Nicolai zusammengestellt. Mit der Kamera ist sie seit ihrem sechsten Lebensjahr unterwegs. „Ich wollte schon immer Momente und Eindrücke festhalten“, erklärt die 49-Jährige. Basis sind Diabilder, die sie mit Hilfe der Siebdrucktechnik aufbereitet. Sie liebe die Reduktion auf das Wesentliche und ergänzt: „Kontraste sind bei Diafilmen viel härter als bei der Digitalfotografie“. Zudem werden die Fotos gerastert, um so die Grautöne herauszuarbeiten. Wer ganz nah ran geht, erkennt viele, viele Rasterpunkte. Auch das Schwarz sei ein ganz anderes, als es ein Foto liefern könne.

Das Thema Nähe umfasst auch Unterthemen wie verbotene Nähe oder hilfslose Nähe: Bilder von Odachlosen, Fixern oder Straßenmusikern. Hier sind Augenblicke dann doch Momente, genau gesagt Momentaufnahmen, die den Betrachter zum Nachdenken anregen, seine Aufmerksamkeit auf Details lenken und Kontraste verdeutlichen: Zum Beispiel ein Werbeplakat für Schokolade und nicht weit entfernt ein zusammengekauerter Mann, der vermutlich nicht weiß, was er heute essen kann. Das geht unter die Haut.

Cello verschmilzt mit dem Körper

Ferner fragte sie Freunde und Verwandte, was ihnen nahe geht. „Mein Cello“, antwortete eine ihrer Töchter. Also wurde ein Cello-Bild auf ihren nackten Rücken projiziert und erneut abgelichtet. Das Cello verschmilzt quasi mit ihrem Körper. Zu dieser Serie gehört auch ein Selbstporträt: Ein Bild der Künstlerin aus ihrer Kindheit vor den Umrissen ihres Körpers als Erwachsene: „Das Kind in mir, das innere Kind, das immer wieder hilft, auf den Weg zurückzukommen“, erklärt sie und erzählt aus ihrem bewegten Leben.

Früh hat sie die gehasste Schule geschmissen, Schauwerbegestalterin gelernt. Über Umwege wurde sie Kultursozialarbeiterin und Dozentin, leitete Kindergottesdienste und begleitet seit rund 25 Jahren das Filmfest Emden als Fotografin. Und dann ist sie auch noch vierfache Mutter.

Pastor hat immer den Kontakt gehalten

Dass sie in Lüneburg ausstellt, ist Pastor Eckhard Oldenburg zu verdanken, denn der hat sie einst im ostfriesischen Collinghorst konfirmiert. Nie sei der Kontakt abgebrochen, er habe Gabi Marks‘ künstlerische Entwicklung stets mitbekommen. Nähe habe sich trotz aller Entfernung entwickelt. Es ist sogar ein gemeinsames Buch entstanden, „Momentaufnahmen“, für das er Andachtstexte und sie Fotos lieferte.

Nun macht die Ausstellung, die teils schon in Leer gezeigt wurde, in der Nicolaikirche Station, ist dort bis zum 28. August zu sehen – dem Tag, an dem sich Pastor Oldenburg in den Ruhestand verabschiedet. „Backstein passt perfekt zu meinen Schwarz-Weiß-Bildern“, freut sich die Momentfängerin.

Von Dietlinde Terjung

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