Sonntag , 4. Dezember 2022
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Norbert Bernholt dirigiert den Motettenchor und das Instrumentalensemble von St. Michaelis. (Foto: phs)
Norbert Bernholt dirigiert den Motettenchor und das Instrumentalensemble von St. Michaelis. (Foto: phs)

Spuren zum jungen Mozart

Wolfgang Amadeus Mozart gelangen schon als Kind Kompositionen, die heute noch gern gehört und bestaunt werden. Er wurde als Wunderkind der Musik in den Fürstenhäusern herumgereicht, litt unter dem ehrgeizigen Vater und schrieb dennoch Werke von bezaubernder Eleganz. Ein Konzert in St. Michaelis folgte seinen Spuren.

Lüneburg. Das Werkverzeichnis des Wolfgang Amadeus Mozart ist rekordverdächtig. Schon in frühen Jahren sprudelten die Noten aus seinem kreativen Kopf, addierten sich zu anspruchsvollen Partituren, die bis heute erklingen und rund um den Globus die Seele berühren. Viele gingen dem nach, versuchten, das Phänomen zu ergründen. Zu ihnen gehört Norbert Elias, der sich 1993 den Genius vornahm und seine Recherchen publizierte. Textausschnitte wurden der Musik nun gegenüber gestellt.

Fünf Werke aus den Salzburger Anfangsjahren

Der Motettenchor und das Ins­trumentalensemble von St. Michaelis trugen in der gut besuchten Lüneburger Kirche fünf Werke aus den Salzburger Jugendjahren vor, unterstützt von einigen, ebenfalls bestens präparierten Solisten. Agnes Vogt las verschiedene Passagen aus dem Buch: eine Spurensuche zum jungen Mozart, wie das Programm betitelt war.

Schon als kleines Kind konzertierte Wolfgang Amadeus und komponierte mit vier Jahren sein erstes Stück. Das weckte breite Aufmerksamkeit unter damaligen Zeitgenossen und führte zu zahlreichen Einladungen. Mozart war bereits 21 Jahre alt, als er das Alma Dei creatoris fertigstellte, im Köchelverzeichnis mit der imposanten Nummer 277 registriert. Über die Qualitäten ist hinlänglich geschrieben worden, die Lüneburger Programmauswahl bestätigte diese Erkenntnisse. Gemeinsam mit Norbert Bernholt studierte Holger Lorkowski die Werke sorgfältig ein. Letzterer fiel wegen einer Corona-Erkrankung indes kurzfristig aus. Ein Schicksal, das auch andere Beteiligte ereilte. Trotzdem gelangen durchweg überzeugende, von Hingabe getragene Interpretationen.

Angst vor der Trompete und unermüdlicher Wissensdurst

Gepriesen, bewundert, euphorisch beklatscht zog der früh gereifte, aber stets hoch sensible und kränkelnde Jugendliche durch Europa, stationierte an diversen Höfen und sprang dem Kaiser in Wien angeblich gar auf den Schoß. Das berichtet Norbert Elias in seiner Mozart-Biografie und breitet weitere Anekdoten und Hinweise aus, die einen bemerkenswerten Charakter zeichnen. Angst vor der Trompete und unermüdlicher Wissensdurst leiteten das Kind, schnell verletzbar und von seinem Vater Leopold streng observiert. Agnes Vogt warf mit diesen Zitaten einige Schlaglichter auf des Leben des umtriebigen Künstlers.

Motettenchor und Instrumentalensemble fanden perfekt zusammen, harmonierten entsprechend und garantierten Wiedergaben auf beachtlichem Level. In mehreren Stücken begleiteten sie die im Vordergrund stehenden Solisten, gönnten ihnen genügend Räume, um ihre Stimmen zu entfalten. Marisa Alice Schellen (Sopran), Elke Germeshausen (Alt), Hans-Martin Werner (Tenor) und Bassist Joachim Wendebourg erfüllten ihre Aufgaben mehr als passabel.

Fingerspitzengefühl für wirksame Klangfinesse

Das Orgel-Solo übernahm Dorothea Tramitz. Sie kam in der Kirchensonate C-Dur von 1779 zum Einsatz. Sechs Jahre zuvor entstand die Messe G-Dur: ein kompaktes, von starker Empfindsamkeit geprägtes Stück des 17-Jährigen für Soli, Chor und Orchester, das enormes Fingerspitzengefühl für wirksame Klangfinesse dokumentiert. Das überwiegend beschwingt feierliche Te Deum gelangte 1769 zur Uraufführung. Erstaunlich, was Mozart hier 13-jährig geschliffen zu Papier brachte. Einen besonderen Akzent setzte Marisa Alice Schellen mit ihrem geschmeidigen Sopran im Laudate dominum, Köchelverzeichnis 339.

Alle Mitwirkenden legten dem jungen Mozart einen wohlklingenden Teppich aus, klar in der Intonation, präzise in Tempo und Dynamik sowie stets die Vorgaben des Dirigenten konzentriert und disziplinert aufgreifend. Das Publikum dankte mit langem, herzlichem Applaus.

Von Heinz-Jürgen Rickert

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