Samstag , 3. Dezember 2022
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Kilian Sieper (M.) leitete mit seinen Assistenten Frank Schlicht (l.) und Konrad Draeger das Spiel Thomasburger SV gegen VfL Bleckede. (Foto: lüb)

Video: Als Jungschiedsrichter im Derby-Einsatz

Der erst 18-jährige Fußball-Schiedsrichter Kilian Sieper leitet auch schon schwierige Spiele sehr souverän. Wir haben ihn zum Spiel Thomasburger SV gegen VfL Bleckede begleitet.

Thomasburg. Samstagabend, Flutlichtspiel in der Fußball-Kreisklasse. Viele Zuschauer, Derbystimmung. Der hochmotivierte Thomasburger SV empfängt den ungeschlagenen VfL Bleckede. Da ist schnell klar: Das wird kein Kaffeekränzchen für das Schiedsrichtergespann. Doch als Kilian Sieper mit seinen Assistenten Frank Schlicht und Konrad Draeger den Rasen betritt, wirkt er überhaupt nicht nervös. Dabei ist der Schiri jünger als alle Spieler auf dem Platz.

„Der Druck hat etwas Motivierendes“, sagt er im Interview kurz vor dem Anpfiff. Er ist erst 18 Jahre alt, wirkt aber deutlich älter. Größe, Statur, Bart – seine natürliche Autorität kommt ihm zugute. Und er untermauert sie mit einer klaren Linie. „Ich bin ein kommunikativer Typ und spreche gern mit den Spielern. Ruhig, sachlich, aber auch bestimmt. Das klappt sehr gut und findet viel Akzeptanz.“

„Kilian ist sehr wortgewandt und rhetorisch geschickt“, meint Oliver Vogt, der oft junge Talente begleitet. „Er kann ein richtig guter Schiedsrichter werden – wenn er es nicht schon ist.“ Kilian Sieper gehört zum hiesigen Talentkader. Unter der Leitung des ehemaligen Bundesligaschiris Carsten Kadach erhalten die besten Nachwuchskräfte viele Tipps und Bewertungen.

„Das ist eine Charakterfrage“, sagt Kilian Sieper, Schüler am Johanneum, über sein Hobby. „Das kann sicherlich nicht jeder. Man muss sich bewusst sein, dass man unter Druck Entscheidungen treffen und auch mit Kritik leben muss. Aber das macht Spaß und bringt einen charakterlich weiter.“

Hitzige zweite Halbzeit: Siebenmal Gelb zeigte Kilian Sieper in Thomasburg. (Foto: lüb)

Seine Eltern sind beide Juristen. Die Rolle als Richter auf dem Fußballplatz scheint ihm also im Blut zu liegen. Ein Naturtalent? Jein. „Ich war schon immer entscheidungsfreudig und selbstbewusst“, sagt er. „Aber es ist ein Entwicklungsprozess, den richtigen Umgang mit den Spielern zu finden.“

Als Spieler ist er auch selber bei der SV Eintracht Lüneburg am Ball. „Aber als Schiedsrichter bin ich besser.“ Deshalb ist er jedes Wochenende im Einsatz. Als Schiri bis zur Kreisliga, als Assistent bis zur Landesliga.

Seit dem Spiel in Thomasburg war er zweimal als Assistent unterwegs: in der Bezirksliga in Egestorf und zuletzt in der Landesliga beim turbulenten Spiel Lindwedel gegen Hedendorf. Dort standen am Ende neun Tore und neun Gelbe Karten zu Buche. Insgesamt sieben Stunden war er für dieses Spiel kurz vor Hannover unterwegs. Dafür bekam er 23 Euro.

„Die Personalnot wird leider immer größer“, sagt Sieper. „Mittelfristig werden wir wohl in der 1. Kreisklasse keine Assistenten mehr besetzen können.“ Im nächsten Jahr macht er sein Abitur, danach geht er wahrscheinlich studieren. Politik vielleicht. Der Schiedsrichterei will er aber treu bleiben. Gute Entscheidung.

Von Frank Lübberstedt

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