Montag , 5. Dezember 2022
Anzeige
Sonja Koczula stellt sich erstmals dem Publikum vor.
Sonja Koczula stellt sich erstmals dem Publikum vor. (Foto: be)

Sonja Koczula: Spachteln ist Schummeln

Die Gemälde von sind das Resultat eines monatelangen Arbeitsprozesses, am Ende überdecken Farbschichten die filigrane und aufwändige Arbeit – fast. Die professionelle Malerin zog vor einigen Jahren nach Lüneburg, präsentiert sich nun erstmals in der Scharnebecker Galerie KulturBoden dem Publikum.

Scharnebeck. Vor ein paar Jahren schon ist Sonja Koczula nach Lüneburg gezogen, jetzt stellt sich die professionelle Künstlerin erstmals dem Publikum mit einer Ausstellung vor: „Raum greifen“ heißt ihre Premiere, die am heutigen Samstag in der Galerie KulturBoden eröffnet wird. Zu sehen sind ausschließlich aktuelle Arbeiten, die Farben riechen noch frisch, aber das ist ja nur das Obendrauf, die Gemälde sind das Ergebnis eines aufwändigen Prozesses.

Die Werke beginnen im Kleinen, zunächst ist die Künstlerin eine Sammlerin von Formen. Zentrale Motive von Fotos, meistens aus Zeitungen, werden übermalt, das Ergebnis ist ein Fundus an Flächen, die mal recht konkret geblieben sind, oder einfach abstrakt. Sonja Koczula arbeitet mit Mischtechniken, legt Dutzende Schichten übereinander, mit Öl, Acryl, Kreide, Farbstiften und was auch immer, nähert sich Sonja Koczula über die Monate der endgültigen Komposition an.

Ein Fundus an Schwarzformen

Am Ende kommen die vorbereiteten Schwarzformen zum Einsatz, die noch einmal verändert, modifiziert, angepasst werden. „Meine zentralen Fragen sind dabei: Wie entstehen Spannung, Bewegung und Energie?“, sagt Koczula. Schwarz und Weiß beherrschen am Ende das Szenario, aber dazwischen und am Rande gibt es – wie kleine Fenster – komplexe, filigrane Strukturen aus dem Darunter zu entdecken, als hätte ein Archäologe sich Schicht für Schicht in die älteren Zonen herangearbeitet. Durch die vielen Schichten bekommen die Arbeiten etwas Haptisches, zugleich Massives und Zerbrechliches – "Raum greifen" eben.

Könnte dieser Effekt nicht viel schneller durch eine Spachtelmasse erzielt werden? „Das wäre geschummelt“, sagt Sonja Koczula, es geht ihr ja auch um das Wachsen und Werden, der Betrachter ist von diesen Abenteuern natürlich ausgeschlossen, er macht sich eben sein eigenes Bild. Titel gibt es nicht.

Sonja Koczula, 1976 in Osnabrück geboren, studierte Kunst (Malerei und Zeichnung) und Literaturwissenschaften, ist seit 2003 freischaffend, gestaltete eine Reihe von Ausstellungen, die sie quer durch das Bundesgebiet führten – und auch mal nach Tokio.

Auf der Vernissage am Samstag, den 5. November um 16 Uhr begrüßt Bürgermeister Stefan Block die Gäste. Die Berliner Kunst- und Literaturwissenschaftlerin Johanne Mohs spricht mit zur Einführung. Die von Anton Bröring kuratierte Ausstellung läuft bis zum 3. Dezember, geöffnet jeweils freitags (16-18 Uhr), sonnabends (15-17 Uhr) und sonntags (11-13 Uhr). Gesonderte Termine lassen sich im Gemeindebüro (04136-7178) vereinbaren.

Von Frank Füllgrabe

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.