Montag , 5. Dezember 2022
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Helene Bukowski im Heine-Haus.
Starker Start: Helene Bukowski im Heine-Haus. (Foto: t&w)

In Helene Bukowskis Roman ist der Krieg omnipräsent

Ein starker Start der LiteraTour Nord. Helene Bukowski stellte ihren Roman „Die Kriegerin“ vor - Eine Geschichte über traumatisierte Frauen, in der der Krieg omnipräsent ist.

Lüneburg. Dass die Heldin der Geschichte, die Helene Bukowski mit nach Lüneburg gebracht hat, verletzlich ist, spürt man schon auf der ersten Seite des Romans. Lisbeth musste schon als Kind mehr leiden als andere. Eine Neurodermitis setzt ihr zu, lässt sie Abstand halten zu Menschen und Dingen. Alles, was Berührung ist, schmerzt sie und kann einen neuen Schub auslösen. Erst als die Eltern sich entschließen, der Krankheit der Tochter mithilfe von Meerwasser und Sonne zu Leibe zu rücken, wird es besser.

Das Salz im Meer kühlt, die fortschreitende Heilung ermutigt Lisbeth, etwas zu wagen. Sie wird selbstbewusster, will schließlich ihren Berufswunsch, Soldatin bei der Bundeswehr, umsetzen und scheitert schon in der Grundausbildung. Sie wird Floristin, gründet eine kleine Familie und kann ihre Vergangenheit doch nicht abstreifen. Ihre Wunden, ihre Verwundbarkeit, sie lässt sich bestenfalls zurückdrängen – wenn es gut läuft in ihrem Leben.

Eine Frau in einer reinen Männergesellschaft

Florentine dagegen, die zweite Hauptfigur des Romans, bringt ihre Grundausbildung bei der Bundeswehr zu Ende. Die Kriegerin, die dem Roman ihren Namen gibt, wird Fallschirmjägerin, doch das Erreichen dieses Ziels fordert einen Preis. Eine Frau in einer reinen Männergesellschaft muss um Anerkennung fortlaufend kämpfen. Sie will keine Schonung, sie will nicht anders sein, und doch scheint ihr Geschlecht ihr eine bestimmte Rolle zuzuweisen.

„Der Krieg ist in diesem Roman omnipräsent“, sagt Ulrike Steierwald, Professorin für Deutsche Literaturwissenschaft an der Leuphana und Moderatorin der Lesung. Das bestätigt die Autorin: „Das Motiv der Wehrhaftigkeit ist auf jeden Fall in der Geschichte angelegt“, sagt sie. Die Art, in der Frauen sich gegen einen Angriff und gegen Gewalt im Allgemeinen wehren, wird immer wieder thematisiert in dem Roman, der nicht nur Lisbeths und Florentines Geschichte erzählt.

Start mit Helene Bukowski

Er geht zurück bis zu einem Gewalterlebnis, das Lisbeths Großmutter im Zweiten Weltkrieg erfahren musste. Ihr gescheiterter Versuch, sich mithilfe einer Zwille gegen Gewalt zu wehren, verfolgt ihre weiblichen Nachfahren bis in die nächste Generation. Auch Lisbeth und Florentine sammeln Steine und heben sie auf – für alle Fälle, man weiß ja nie.

„Eine Gewalterfahrung bestimmt das ganze Leben des Opfers“, meint Helene Bukowski.

„Jeder Krieg wirkt nach, auch in der Zivilbevölkerung.“ Die Traumata, die die Opfer einer massiven Aggression davontragen, verschwinden nicht einfach, sie werden weitergereicht an die nächste Generation. Das zerstörerische Wirken lässt sich aus einem Leben nicht einfach wieder entfernen. Gewalt zerstört, sie setzt sich fort und sie traumatisiert, sie hält Einzug in die Träume der Figuren, die in diesem außergewöhnlichen Roman nach der Heilung und dem Licht streben.

Nach dem Start mit Helene Bukowski liest im Rahmen der LiteraTour Nord am 23. November im Heine-Haus Andreas Schäfer aus seinem Buch „Die Schuhe meines Vaters“.

Von Elke Schneefuß

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