Samstag , 3. Dezember 2022
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Frauenpower an der Pfeife: Für die LZ-Videoserie über Schiedsrichter haben wir Anne-Kathrin Heuer (Mitte) und Hanna Hofmann mit der Kamera begleitet. Mit dabei war auch der Nachwuchs-Schiri Leon Schellen. (Foto: lüb)

Mit Video: Starke Frauen an der Pfeife

Anne-Kathrin Heuer und Hanna Hofmann haben sich als Schiedsrichterinnen im Herrenfußball voll etabliert. Wir haben sie mit der Videokamera zum Spiel begleitet. Teil 3 unserer Serie.

Scharnebeck. Die Schiedsrichterinnen Anne-Kathrin Heuer und Hanna Hofmann kennen ihre Pappenheimer. Mannschaften, die in der Fairness-Tabelle nicht unbedingt oben stehen. Dennoch gehen sie unbefangen in jedes Fußballspiel: „Wir sind vorbereitet, aber nicht vorbelastet. Es muss ja nicht zwangsläufig so sein, dass sie wieder zulangen“, sagt Hanna Hofmann.

Schon länger sind die beiden Frauen als Referee-Team unterwegs und eingespielt. Mal pfeift die 18-Jährige und Anne-Kathrin Heuer (28) ist als Linienrichterin im Einsatz oder umgekehrt. So wie bei der Kreisklassen-Partie SV Scharnebeck II gegen TSV Mechtersen/Vögelsen. Für Teil 3 der Schiedsrichterserie hat die LZ das Duo sowie den zweiten Assistenten Leon Schellen (16) mit der Videokamera begleitet.

Die Videoreportage vom Spiel Scharnebeck II gegen Mechtersen/Vögelsen:

 

Die ersten 15 Minuten sind spielentscheidend

„Da treffen zwei faire Mannschaften aufeinander“, sind sie sich kurz vor Anpfiff einig, und Anne-Kathrin Heuer entscheidet sich für eine „eher großzügige“ Linie als Chefin auf dem Platz. Vorerst – denn sie weiß: „In den ersten 15 Minuten entscheidet sich, auf was für ein Spiel man sich einzustellen hat. Außerdem zeigt die Erfahrung, dass ab der 75. Minute meist alle nochmal richtig aufdrehen. Dann, wenn die Kraft schwindet.“

Der Job des Trios beginnt weit vor dem Spiel. Während Kicker und Trainer nach dem Aufwärmen in der Kabine verschwinden, steht für die Referees der Platz-Check auf der Agenda: „Sind alle Linien und Eckfahnen da, sind die Netze fest und keine größeren Löcher darin“, zählt Anne-Kathrin Heuer auf.

Die Aufregung ist vor jedem Spiel immer da

Der Dreh mit der LZ klaut den Dreien an diesem Spieltag die zehn bis 15 Minuten zum Warmmachen. Doch allein das Adrenalin schraubt auch bei der erfahrenen Schiedsrichterin die Körpertemperatur jedes Mal wieder nach oben: „Die Aufregung ist immer da, weil man nie so ganz weiß, was einen erwartet. Das macht aber auch den Reiz aus“, gesteht die Unparteiische vom TuS Brietlingen. Sie pfeift bei den Herren bis zur Kreisliga und will nach einer längeren Babypause den Sprung zurück in die Frauen-Regionalliga schaffen.

Alles im Blick: Schiedsrichterin Anne Heuer. (Foto: lüb)

Das Trio ist bestens vorbereitet, hat wie die Profis elektronische Schiedsrichterfahnen dabei. „Für viel Geld selbst angeschafft“, meint Anne-Kathrin Heuer. „Wenn die Linienrichter auf den Knopf drücken, weiß ich, dass sie die Fahne hochhalten und Abseits gesehen haben.“ Ein durchaus beruhigendes Gefühl: „Man kann als Schiedsrichter nicht über 90 Minuten überall seine Augen haben. Durch den Pieper ist auf jeden Fall die Kernanspannung weg.“

In die Spiele geht die 28-Jährige stets mit demselben Vorsatz: „Ich begegne allen immer friedlich auf dem Platz, quatsche gerne zwischendurch mit den Spielern. Das mag aber auch nicht jeder, das hat man schnell raus.“

Kommunikation mit den Kickern auf Augenhöhe

Um klare Ansagen oder einen Spruch ist die selbstbewusste Unparteiische nicht verlegen. Auch nicht, als Spieler von Scharnebeck und Mechtersen vor ihren Augen versuchen, ein Foul herauszufordern – das allerdings eher im Weichspülgang. „Man, ihr seid doch Männer“, gibt sie den Kickern mit, „da müsst ihr schon härter dagegenhalten, so ist das gar nichts.“

Ihr Tipp für Schiri-Anfänger: „Das, was man pfeift, gut und selbstbewusst verkaufen, und ordentlich in die Pfeife pusten.“

Bei den Herren fühlen sich die beiden Schiedsrichterinnen voll akzeptiert. „Was mir besonders gefällt, ist, dass man mit ihnen auf Augenhöhe kommunizieren kann. Ich respektiere die Spieler und sie im Gegenzug mich, das ist wie ein Geben und Nehmen“, erzählt Hanna Hofmann, die tags zuvor mit der Partie LSK II gegen Bardowick II einen deutlich härteren Brocken zu pfeifen hatte und auch Rot geben musste.

Hanna Hofmann gehört zum Talentkader

Gute Laune: Hanna Hofmann hat Spaß am Schiedsrichter-Job. (Foto: lüb)

Die 18-Jährige von der SV Eintracht ist seit fünf Jahren Schiedsrichterin, gehört zum Talentkader des Heide-Wendland-Kreises und des Lüneburger Bezirks. Bei den Frauen pfeift sie die Oberliga, bei den Männern Spiele der Kreisklasse. Der Sprung in die Kreisliga aber steht kurz bevor. „Die Beobachter sagen, dass ich das könnte. Nur die Laufprüfung fehlt noch.“

Das Selbstvertrauen, so Hanna Hofmann, käme mit der Erfahrung. „Als Schiedsrichterin lernt man viel über sich selbst und entwickelt sich in seiner Persönlichkeit unheimlich weiter.“ Das bleibt dem Betrachter nicht verborgen – und Anne-Kathrin Heuer bekommt für ihre klare Linie an diesem Spieltag viel positives Feedback. Zwei starke Frauen, von denen es noch viel mehr an der Pfeife braucht.

Von Kathrin Bensemann

Hier geht's zu den weiteren Folgen der Serie:

Teil 1: Erster Einsatz als Schiedsrichterin

Teil 2: Als Jungschiedsrichter im Derby-Einsatz

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