Dienstag , 6. Dezember 2022
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Ansitz: Jägerin Beate Schmegel. (Foto: ff)
Ansitz: Jägerin Beate Schmegel. (Foto: ff)

Naturfotografin Beate Schmegel: Es gibt immer nur den einen Moment

Die Naturfotografin Beate Schmegel legt ihren ersten Bildband vor: "Am Wasser" zeigt Miniwelten, die sich im Objektiv der Lüneburgerin zu dramatischen oder märchenhaften Szenarien entwickeln. Dafür braucht die in Vögelsen lebende Künstlerin keine Reisen in exotische Länder, die Bilder entstehen daheim.

Vögelsen. Ein dramatisches Gewölbe mit bizarren Säulen: Der kleine Froschkönig lebte einsam in einem grandiosen Glaspalast – und doch, er wäre wohl für immer unentdeckt geblieben. Da aber kam Beate Schmegel des Weges daher, eine Kamera in der Hand, sah und porträtierte den stillen Regenten in seinem Reich. Das Bild gehört zu den schönsten in dem Bildband „Am Wasser“, in dem sich die Lüneburger Grafik-Designerin als Naturfotografin vorstellt.

Streifzüge daheim durch Feld und Flur

Den Blick für die großen Geschichten auf kleiner Bühne schärfte Beate Schmegel in Streifzügen daheim durch Feld und Flur. Dort entdeckte sie aufmarschierende, angsteinflößende Ameisenkrieger, emsige Insekten im Blütenzauber als Heldinnen der Arbeit, Heuschrecken, die freundlich – „Hallo Nachbar!“ – über ein Blatt hinweg ins Objektiv schauen.

Selbst Schnecken entwickeln auf ihrer Schleimspur eine gewisse Dynamik, die schönsten Bilder sind immer von (manchmal melancholischem) Humor durchflutet. Dafür braucht Beate Schmegel weder eine aufwendige Ausrüstung noch ewig lange Fotostrecken, um endlich an das angepeilte Motiv zu kommen. Sehen, anvisieren, zwei- oder dreimal geschossen, das muss reichen, um Beute zu machen, „es gibt immer nur den einen Moment“, sagt Beate Schmegel. Und nicht alles spielt im Mikrokosmos, auch Schweine, Ziegen und Hühner können schließlich charismatische Hauptdarsteller sein.

Nun also das Wasser, sortiert nach Jahreszeiten, „ein Herzensthema, dem ich viel Zeit gewidmet habe,“ Es ist – erstens – schließlich ein Lebenselixier, und es kommt – zweitens bis neuntens – in unzähligen Erscheinungsformen vor, es tröpfelt, fließt, blubbert, spiegelt, schillert, versickert, verdunstet und erstarrt, wie bei dem Froschkönig, zu märchenhaften Architekturen. Aber es darf auch nicht kitschig werden: "Mein altes Credo: Etwa Schönes zeigen, damit sei vorsichtig!"

Nebel durchwabert gespenstische Alleen

Wasser durchwabert als Nebel gespenstische graue Alleen, die könnten auch in Mittelerde stehen, siehe „Der Herr der Ringe“. Dazu schreibt die Fotografin zueilen kleine Begleittexte, Gedichte. Ein Dialog zu dem Gruselwald geht so: „Hast du es gesehen? Was meinst du? Dort, gerade eben! Wo? Da hinten, es stand dort und mir war, als hätte es mich angesehen!“

Beate Schmegel, 1966 in Göttingen geboren, studierte Grafik-Design, außerdem Betriebswirtschaft, arbeitete als Marketingleiterin in Hamburger Unternehmen und wechselte 2005 nach Vögelsen, um hier freischaffend zu arbeiten. Seit 2017 leitet sie die nfk, das steht für neue formation kunst, stellt bundesweit in der Gemeinschaft und solo aus, regional geplant sind Präsentationen in Bardowick und Schneverdingen.

„Am Wasser“ (Hardcover, 96 Seiten, 35 Euro, ISBN: 9783000732485) ist erschienen im Eigenverlag und lässt sich über die üblichen Wege beziehen.

Von Frank Füllgrabe

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