Dienstag , 6. Dezember 2022
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Sebastian Becker
LSK-Präsident Sebastian Becker stand auf der JHV Rede und Antwort. Er verknüpft den Bau eines Sportparks mit der Fortsetzung seiner Vorstandstätigkeit. (Foto: be)

Dem LSK stehen entscheidende Monate bevor

Alles wird dem Ziel Oberliga-Klassenerhalt und dem Bau eines Sportparks untergeordnet. Vorstand verknüpft seine Zukunft mit dem Erfolg eines Projekts. Diskussion um den Vereinsnamen endet mit Kompromiss.

Heiligenthal. Sportlich am Boden, finanziell gut aufgestellt und wegweisend in die Zukunft schauend: Die Jahreshauptversammlung des Lüneburger SK Hansa in der Wassermühle Heiligenthal brachte viele spannende Einblicke in das Innenleben des Vereins, der im kommenden Jahr auf zwei großen Feldern um seine Existenz spielt und entscheidende Weichen stellen will. Dafür verlief die Veranstaltung mit 71 stimmberechtigen Mitgliedern überraschend harmonisch.

Abstieg war ein echter Tiefschlag

Dabei steht der LSK vor wegweisenden Monaten und Jahren, die darüber entscheiden, ob er von der Fußball-Landkarte verschwindet oder nicht. Das Damoklesschwert des erneuten Abstiegs schwebt über dem Traditionsverein, der seit Jahrzehnten die Nummer 1 im Lüneburger Fußball ist. Steigt er aber ab, ist der LSK in Stadt und Landkreis nur noch einer von vielen Clubs. "Der Abstieg aus der Regionalliga im Sommer war ein echter Tiefschlag", erinnert sich LSK-Präsident Sebastian Becker. "Das Jahr 2022 wird als kein gutes in die LSK-Geschichte eingehen. Alle haben Fehler gemacht."

Da das Team aktuell Letzter ist, heißt es jetzt, "dass unser einziges Augenmerk der Klassenerhalt in der Oberliga ist", so Becker. Das unterstrich auch Sportkoordinator Manfred Nitschke. "Wir müssen die Oberliga halten, das ist von entscheidender Bedeutung." Er verriet, dass in der Winterpause "der Kader geschärft wird". Was nichts anderes heißen kann, als dass weitere Spieler verpflichtet werden.

Arbeitskreis Ligafußball mit Oelkers & Co.

Nitschke gründete einen Arbeitskreis "Ligafußball", dem alte LSK-Größen wie Thomas Oelkers, Heiko Kreis und Raphael Marquardt angehören. Sie alle haben nur das eine Ziel: den Klassenerhalt in der Oberliga.

Dieser ist genauso wichtig für den Verein wie das zweite große Ziel, den Bau eines Sportparks. Denn so schön das neue LSK-Trainingszentrum in der Goseburg ist: Mit nur zwei Plätzen fehlt mindestens einer, wenn nicht zwei weitere, um einen geregelten Betrieb für alle Mannschaften des Vereins zu realisieren. Und der Vorstand präsentierte erste Fakten. So wurde ein Grundstückseigentümer gefunden, der dem LSK ein acht Hektar großes Gelände in Lüneburg zur Verfügung stellt. Wo, wurde nicht verraten – Spekulationen über den Bilmer Berg machten während der JHV aber die Runde.

Unterstützung aus der Politik für Sportpark-Projekt

Der Vorstand will im Dezember mehr verraten. "Dieses Projekt treiben wir nun mit aller Kraft voran", berichtete Becker. Und er fügte hinzu, dass "es politsch unterstützt wird". Was nicht unwichtig sein dürfte, gibt es doch noch die von der Stadt zugesicherten 1,5 Millionen Euro aus dem Wilschenbruch-Verkauf, die an einen Stadionbau gekoppelt sind.

Überraschend kam eine weitere Ankündigung des Vorstands. "Wenn wir mit dem Stadionprojekt scheitern, treten wir zurück", verdeutlichte Becker. Damit unterstrich die LSK-Spitze die Bedeutung und Notwendigkeit eines Neubaus. Für die LSK-Spitze gibt es eine Zukunft nur in der Stadt Lüneburg.

Ralf Dehning neu im Vorstand

Die Neuwahl des Vorstands mit dem neuen Vizepräsidenten Ralf Dehning – einem Immobilienmakler aus Bienenbüttel, der seit 47 Jahren LSK-Fan ist und schon länger Förderer des Klubs – verlief eher unspektakulär. Sowohl er als auch Präsident Becker, Finanzchef Henning Constien und Nachwuchschef Martin Wilke wurden bei ein paar Enthaltungen gewählt.

Auch die Finanzen geben wenig Anlass zur Sorge. So wurde im Geschäftsjahr 2020/21 eine schwarze Null geschrieben, der Verein hat derzeit sogar ein Anlagevermögen von 66.000 Euro. "Wir sind gut aufgestellt. Das liegt vor allem daran, dass wir keine Schulden machen", sagte Constien. 2020/21 standen Einnahmen von etwa 357.000 Euro Ausgaben von knapp 261.000 Euro entgegen.

Personalkosten fallen deutlich geringer aus 

Dabei machten die Personalkosten von knapp 165.000 Euro den größten Teil aus, verglichen mit den Vorjahren (2019/20: 220.000, 2018/19: 258.000) fallen sie aber deutlich geringer aus. Constien lieferte auch gleich die Begründung: "Die erste Mannschaft und die Trainer haben auf viel Geld verzichtet." Ein Gewinn von etwa 96.000 Euro wurde so erzielt. Damit wurden weitere Verbindlichkeiten (Altlasten aus früherer Zeit) abgebaut. Auch für das Geschäftsjahr 2021/22 wird eine schwarze Null erwartet.

Becker reagierte auch auf viele Kritiker. "Wir haben uns nicht kaputt gespart. Aber wir verschulden uns nicht, sonst droht eine Insolvenz." Und was das heißt, hat der alte LSK von 1901 bekanntlich hinter sich – er wurde in diesem Jahr aus dem Vereinsregister gelöscht. Auch deshalb ist der alte Name wieder frei.

Mehrheit für Jahreszusatz im Vereinsnamen 

LSK-Mitglied Marlon Suhrke brachte den Vorschlag ein, wieder den alten Namen Lüneburger Sport Klub e.V. zu übernehmen. "Vor allem, damit das Wort Hansa verschwindet." Er bekam dafür viel Zustimmung aus dem Plenum, auch der Vorstand ist nicht abgeneigt.

Der Vorstand plädiert aber dafür, den Verein Lüneburger Sport Klub von 2008 e.V. zu nennen. Constien begründete: "Sonst werden wir mit dem alten Pleiteklub in Verbindung gebracht. Das wollen wir nicht, das haben wir in vielen Gesprächen mit unseren Sponsoren gehört." So votierten bei einer Abstimmung 54 Anwesende für LSK von 2008, 12 wollen keinen Jahreszusatz. Bei der nächsten JHV soll eine Namesänderung auf den Weg gebracht werden.

Von Ulrich Pott

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