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Fußball, Konfliktlotse, Kai Münchow-Witt
Kai Münchow-Witt aus Bardowick hat sich innerhalb des niedersächsischen Fußball-Verbandes zum Konfliktlotsen ausbilden lassen. (Foto: t&w)

Der Konfliktlotse holt alle an einen Tisch

„Wir müssen aufstehen, aber nicht nur, um Tore zu bejubeln!“ So lautet ein Werbeslogan des Niedersächsischen Fußball-Verbandes zur Gewinnun von sogenannten Konfliktlotsen. Sie sollen bei heftigen Streits oder sogar Gewalt (körperlich oder verbal) vermitteln. Kai Münchow-Witt aus Bardowick ist einer von ihnen.

Bardowick. Fußball hat Kai Münchow-Witt in den vergangenen Jahren in der Regel nur als Fan vorm Fernseher erlebt. Doch selbst da, zum Beispiel bei EM-Spielen in Ungarn oder England, ist dem Bardowicker aufgefallen, „dass der Rassismus im Profifußball erheblich zugenommen hat“. Probleme gibt es auch immer wieder einmal bei den Amateuren. Münchow-Witt will dem nicht tatenlos zuschauen, sondern hat sich jetzt beim Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV) als Konfliktlotse ausbilden lassen.

Berufliche Qualifikation hilft ihm im Ehrenamt

„Wir müssen aufstehen, aber nicht nur, um Tore zu bejubeln!“, heißt es auf einem NFV-Flyer, den Münchow-Witt auf seinem Wohnzimmertisch präsentiert. „Zivilcourage ist nötig“, ergänzt er. Der 48-Jährige, einst Fußballer beim Heider SV und in Itzehoe, ist Verwaltungsangestellter beim Amt für Migration in Hamburg und arbeitet dort als Konfliktlotse, bringt dafür eine Meditationsausbildung mit. „Und dann habe ich in den sozialen Medien die Ausschreibung des NFV entdeckt.“ Für ihn eine ideale Möglichkeit, seine im Beruf erworbene Qualifikation ehrenamtlich einsetzen zu können.

Münchow-Witt hat zwei erwachsene Kinder aus erster Ehe und einen fünfjährigen Sohn, dessen Spielzeug viel Raum im Wohnzimmer einnimmt. Mit Fußball hat der Junge noch nichts am Hut, doch sein Papa wird in nächster Zeit sich häufiger auf den Plätzen rund um Lüneburg blicken lassen.

Ein Netzwerk will er sich noch aufbauen

„Noch habe ich kein Netzwerk im NFV-Kreis“, weiß er. „Aber das muss kein Nachteil sein. So kann ich unbefangener an die Aufgabe rangehen.“ Der Dannenberger Andreas Fischer, Schiedsrichter und Beisitzer im Kreisspielausschuss, ist einer der 13 anderen Lotsen. Beide decken nicht nur das Gebiet des NFV-Kreises Heide-Wendland ab, da zum Beispiel in Harburg-Land nur ein Lotse an Bord ist.

Spieler, Vereinsvertreter oder Zuschauer – alle können Zeugen zum Beispiel von rechtsradikalen, rassistischen und antisemitischen Vorfällen werden. Der erste Weg ist aber der Spielberichtsbogen des Schiedsrichters, wenn der Äußerungen oder Tätlichkeiten notiert hat. Münchow-Witt und Fischer wollen und können die Sportgerichtsbarkeit nicht ersetzen, sondern erreichen, dass sich alle an einen Tisch setzen und vernünftig miteinander reden. „Die sollen ihren Konflikt selbst lösen. Wir können das nur begleiten.“

Es geht vor allem um Prävention

Doch die Konfliktlotsen sollen nicht immer erst dann tätig werden, wenn es gekracht hat, sondern auch präventiv etwas tun. „Jeder, der möchte, kann uns direkt ansprechen“, betont Münchow-Witt. Er ist unter Telefon 0152/34173406 oder kwitt@kai-wittonline.de erreichbar, sein Kollege Andreas Fischer unter Telefon 0151/18420004 oder andreas-b-fischer@web.de

Von Andreas Safft

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