Montag , 5. Dezember 2022
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Die Loewe-Kicker vor dem Vereinsheim des OSV. Im Mai will das Team in der Fußball-Behinderten-Liga durchstarten. Trainer Martin Niebuhr (hinten v.l.), OSV-Vorsitzender Michael Gimball, Günter Schadt vom KSB und Ochtmissens Bürgermeister Jens-Peter Schultz freuen sich mit ihnen. Foto: t&w

Loewe-Kicker sind bereit für die Punkte-Jagd

Dank einer Kooperation mit dem Ochtmisser SV mischt das Team der Loewe-Stiftung ab Mai in der Behinderten-Liga Niedersachsen mit. Im Vordergrund aber steht für Verein und Einrichtung klar der Inklusionsgedanke - und es gibt viele Ideen. 

Ochtmissen. Ein eigener Trikotsatz fehlt ihnen noch, auch das ein oder andere Paar Fußballschuhe könnten sie gebrauchen – dann aber steht dem Start in der Behinderten-Fußball-Liga Niedersachsen (BFLN) nichts mehr im Weg: Schon im Mai ist Anpfiff für die Loewe-Kicker, wie sich das Fußballteam aus Frauen und Männern der Loewe-Stiftung in Ochtmissen nennt. Sie sind die erste Mannschaft in Stadt und Landkreis Lüneburg, die in der Liga antritt. Und die Vorfreude ist groß.

Ein engagierter Trainerstab, vor allem aber eine frisch besiegelte Kooperation der Loewe-Stiftung mit dem Ochtmisser SV schaffen die Voraussetzungen für die heißersehnte Premiere: „Durch die Mitgliedschaft bei uns sind die Fußballer versichert und bekommen die notwendigen Spielerpässe für den Spielbetrieb. Auch sonst haben sie die gleichen Rechte und Pflichten wie alle Mitglieder“, erklärt Michael Gimball, 1. Vorsitzender des OSV, der bereits seit 2006 immer mal wieder mit der Stiftung sportlich in Verbindung stand.

KSB bringt Partnerschaft ins Rollen

Die feste Partnerschaft brachte Günter Schadt, ehrenamtlicher Inklusionsbeauftragter des Kreissportbundes Lüneburg, ins Rollen. Er setzt sich seit anderthalb Jahren in Stadt und Kreis für die Teilhabe von behinderten Menschen im Breitensport ein und stieß in Ochtmissen sofort auf offene Ohren. „Inzwischen gibt es weitere Projekte, die in den Startlöchern stehen. Im Vergleich zu anderen Landkreisen aber sind wir eine Inklusionswüste“, bedauert Schadt. Er begleitet Einrichtungen und Vereine bei Kooperationen, informiert auch über Fördermittel.

OSV und Loewe-Stiftung wollen ihre Kooperation nun über die Regularien hinaus mit Leben füllen: „Im Vordergrund steht klar der Inklusionsgedanke“, so Martin Niebuhr. Er ist Therapeut der Stiftung und seit Jahren Trainer des Fußballteams, das aus psychisch erkrankten Menschen besteht. „Einige von ihnen sind sportlich sehr fit, vielleicht lassen sich Trainingseinheiten mit Herrenteams des OSV oder Trainingsspiele organisieren“, nennt Niebuhr nur zwei Ideen.

Training beim OSV statt auf dem Bolzplatz

Inklusion, die beim bisherigen Training auf dem Bolzplatz der Stiftung in Ochtmissen schon über Jahre gut funktionierte. „Da kamen oft Fußballbegeisterte aus dem Ort spontan dazu, das war immer klasse“, erzählt der Trainer. Nun bereiten sich die Loewe-Kicker auf dem Fußballrasen des OSV vor. Ein großer Gewinn, wie Frederike Abicht, eine der drei Fußballerinnen im Team, findet: „Endlich haben wir einen richtigen Sportplatz und einen eigenen Verein.“ Auch alle wichtigen Trainingsutensilien stehen zur Verfügung.

Die Loewe-Kicker starten in der sogenannten Silberrunde der Behinderten-Fußball-Liga, in der der Spaß im Vordergrund steht. In der Goldrunde kämpfen leistungsstärkere Teams um die Niedersachsenmeisterschaft. Statt an einzelnen Spieltagen wird die Liga in Turnierform ausgetragen. Die Teams, die gemischt sein können, bestehen aus sechs Spielern plus Torwart. 15 Minuten Spielzeit beträgt eine Partie. „So können an die fünf Spiele zusammenkommen. Das ist für die Spieler schon eine echte Herausforderung“, weiß Niebuhr. Die Spielregeln sind vereinfacht.

Fußball wirkt sich positiv auf Therapie aus

Bis es losgeht, wollen Trainerstab und Mannschaft nun vor allem Laufwege trainieren, Ballannahme sowie sauberes Pass-Spiel üben. „Aber auch, wie man Ruhe ins Spiel bringt und den Ball nicht gleich hektisch weg bolzt“, zählt der Coach auf, der sich das Traineramt mit Matthias Banaszak teilt. Unterstützt werden sie zudem von Ingo Schröder, einem ehemaligen Loewe-Kicker.

Niebuhr ist begeistert, wie positiv Sport auf psychisch Erkrankte wirkt: „Das therapeutische Arbeiten mit ihnen ist durch die Euphorie Fußball oft viel einfacher. Und es ist hammermäßig, wenn sich die Kicker an schlechten Tagen eben doch zum Sport aufraffen können und merken, wie gut er ihnen tut.“

Vorerst reisen die Loewe-Kicker ausschließlich zu Auswärts-Turnieren. Michael Gimball aber kann sich vorstellen, beim OSV ein Heimturnier für die neuen Mitglieder zu organisieren. Ein inklusives Event für Verein und Stiftung, bei dem alle gemeinsam anpacken. Anfeuern der Loewe-Kicker inklusive.

>> Infos zu möglichen Kooperationen gibt Günter Schadt, der per Mail unter schadt@kreissportbund-lueneburg.de erreichbar ist

Von Kathrin Bensemann

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