Dienstag , 21. September 2021

Weltweiter Halbleitermangel erhöht Autopreise

Der weiterhin anhaltende Mangel von Halbleitern in der Chipindustrie führt nun auch dazu, dass sich die Preise für einen Neuwagen erhöhen. Viele Hersteller müssen ihre Produktion teilweise stark zurückfahren, weshalb Autohäuser weniger Neuwagen geliefert bekommen. Das verbleibende Inventar muss dadurch zum höheren Preis verkauft werden. Besonders SUVs und Trucks erfahren teilweise einen starken Preisanstieg. Eine Besserung ist jedoch nicht in Sicht. Vielmehr soll der Halbleitermangel noch bis 2023 anhalten.

Gründe für Chipmangel sind vielseitig

Die Halbleiter werden hauptsächlich in Fabriken in China, Südkorea und Japan aber auch in Amerika hergestellt. Da Asien bereits sehr früh von den Folgen des Coronavirus betroffen war, mussten die Fabriken dort bereits Anfang letzten Jahres schließen. Da die meisten daraufhin für mehr als ein halbes Jahr geschlossen waren, wurden fast alle Chipreserven aufgebraucht. Denn nicht nur die Autobranche ist auf moderne Computerchips angewiesen. Auch PC-Hersteller, Spielkonsolen sowie Kühlschränke und Smartphones benötigen Chips, um zu funktionieren.

Und während eines Großteiles der Chipproduktion aussetzte, wurden zunehmend mehr Geräte mit Chips benötigt. Besonders Laptops für das eigene Home-Office waren sehr beliebt. Aufgrund dieser einzigartigen Situation konkurrierten plötzlich Hersteller aus zahlreichen Branchen um das gleiche seltene Bauteil. So kaufte der chinesische Elektrohersteller Huawei etwa Chips auf Vorrat, um den Folgen der verhängten US-Sanktionen zu entkommen. Am Anfang der Pandemie stornierten viele Autobauer ihre Bestellungen bei den Chipherstellern sogar, weil sie einen Rückgang in der Nachfrage von Neuwagen befürchteten. Als sie im zweiten Halbjahr 2020 nachbestellen wollen, waren die meisten Chipbestände bereits aufgebraucht. Hinzu kommt, dass solche Chips sehr kompliziert und langwierig in der Herstellung sind und Hersteller meistens für Jahre im Voraus produzieren. Und noch immer ist die Nachfrage enorm hoch. Auch deshalb rechnen Branchenanalysten momentan nicht mit einer Besserung der Lage vor dem Jahre 2023.

Viele Autobauer im Krisenmodus

Mittlerweile ist fast jeder Autohersteller von diesem Chipmangel betroffen. Dazu gehören auch deutsche Hersteller, welche alle ihre Produktion zurückfahren, oder sogar stoppen mussten. So rechnet z.B. VW nicht mit einer Besserung der Lage in nächster Zeit. Bei manchen Herstellern sind tausende Neuwagen fast fertig und es fehlt nur noch ein einzelner Chip. Die Kosten für Produktionsausfälle, die Wartung fast fertiger Fahrzeuge und enorme Lieferengpässe sind enorm. Teilweise müssen sogar Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden, weil schlicht und ergreifend keine Arbeit vorhanden ist. Manche Hersteller modifizieren ihre Modelle, damit keine Chips mehr benötigt werden. So baute Opel im Kompaktwagen 308 eine Zeit lang keine digitalen Anzeigetafeln mehr ein, sondern analoge Zeiger-Tachometer. Bei manchen Herstellern werden die verfügbaren Chips nur in den umsatzstärksten Modellen verbaut. Bei anderen Modellen bleibt das Fließband dafür still.

Tesla erhöht Preise

Die großen deutschen Autohersteller haben ihre Preise bisher noch nicht erhöht. Aber aufgrund der Lieferschwierigkeiten sind Autohäuser dazu gezwungen die Preise für noch verfügbare Modelle anzuheben, um damit den Verlust potenzieller Marken, welche nicht verfügbar sind, auszugleichen. Somit werden allmählich alle Modelle teurer, auch die, die nicht mit modernen Chips ausgestattet sind. Der Autobauer Tesla, welcher seine Modelle über eigene Läden verkauft, hat bereits auf den Chipmangel reagiert und seine Angebote um bis zu 2.500 $ erhöht. Da Elektroautos meist mehrere Chips benötigen, um korrekt zu funktionieren, ist besonders bei diesen mit einer Preiserhöhung zu rechnen. Dies gilt prinzipiell für alle Hersteller.

Autohandel reagiert mit Alternativen

Aufgrund der momentanen Erholung der pandemischen Lage und einer Besserung der Konjunktur denken allerdings wieder mehr Menschen über einen Autokauf nach. Besonders mit Hinblick auf den nächsten Urlaub sollte allerdings mehrmals überlegt werden, ob ein Autokauf momentan die finanziell beste Idee ist. Alternativen wären hier der boomende Gebrauchtwagenhandel oder das günstige Auto Leasing. Manche Verkäufer bieten auch Rabatte auf ältere Modelle an.

Chipmangel kostet Autobranche Milliarden

Manche Unternehmensberatungen gehen davon aus, dass der Chipmangel allein die Branche bis zu 110 Milliarden Euro kostet. Weltweit würden rund 3,9 Millionen Fahrzeuge weniger produziert werden. Wie stark die Folgen für den Konsumenten sind, lässt sich bisher nur sehr schwer abschätzen. Auch ein genauer Zeitpunkt für das Ende des Chipmangels ist momentan nicht feststellbar. Bis jetzt rechnen viele Analysten mit einer Erholung im zweiten Halbjahr 2022 oder Anfang 2023. Dies hängt neben den Investitionen der Chiphersteller allerdings auch von der Entwicklung der globalen Pandemie ab, deren Auswirkungen sicherlich noch einige Jahre zu spüren sind.

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