Kein Ende in Sicht bei steigenden Grundstückspreisen: Warum nicht nur Städte betroffen sind

Wer nach einer neuen Bleibe sucht, hat es dieser Tage nicht besonders leicht. Der Berliner Mietendeckel wurde unlängst für verfassungswidrig erklärt und wer mit einem Eigenheim liebäugelt fürchtet vermutlich, dass das Neubauverbot für Eigenheime im Hamburger Norden bald deutschlandweit Einzug erhalten könnte. Sowohl für Mietwillige als auch für Eigenheimbesitzer und alle, die es noch werden wollen, scheinen es schwere Zeiten zu sein.

Bereits im März 2021 berichteten wir über die steigenden Immobilienpreise trotz Corona-Krise. Die damaligen Daten lieferte das Statistische Bundesamt. So mussten Käufer von Wohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäusern im Schnitt 7,4 Prozent mehr bezahlen als noch im Jahr zuvor. Doch nicht nur in den Großstädten, auch auf dem Land wurde es deutlich teurer.

Preise steigen 2021 weiter

2021 sieht es nicht anders aus. Im Vergleich zu Februar 2020 – kurz vor dem Ausbruch der Pandemie – stiegen die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude in Deutschland um 3,1 Prozent. Um denselben Faktor nahmen auch die Preise für Rohbauarbeiten sowie Instandhaltungsarbeiten an Rohgebäuden zu. Die Kosten für Ausbauarbeiten stiegen indes um 2,9 Prozent gegenüber Februar 2020. Die Neubaupreise für Bürogebäude sowie gewerbliche Betriebsgebäude stiegen ebenfalls um jeweils 3,1 Prozent.

Mietpreisspiegel gibt Auskunft über durchschnittliche Quadratmeterpreise

Doch auch Mieter müssen nicht alles hinnehmen. Um zu ermitteln, ob sie vergleichsweise viel oder wenig für ihre Wohnung zahlen, können sie sich anhand des Mietspiegels orientieren. Der Mietspiegel wird von Städten und größeren Gemeinden in Zusammenarbeit mit Mieter- und Vermieterverbänden aufgestellt und bezieht sich auf die jeweilige Stadt oder Gemeinde. Eine Aktualisierung erfolgt alle zwei Jahre. Außerdem lässt sich mit seiner Hilfe ermitteln, wie sich die Mietpreise von Bundesland zu Bundesland oder in unterschiedlichen Regionen ändern kann. Außerdem ist der Mietspiegel ein hilfreiches Tool, damit die Mietpreisbremse insbesondere in hohen Städten einigermaßen greifen kann. Den Bundesweiten Mietspiegel Immobilien- sowie derzeitige Grundstückspreise lassen sich Online auf unterschiedlichen Portalen einsehen. Das ist vor allem für Personen praktisch, die über einen Umzug in eine andere Stadt nachdenken, eine Immobilie kaufen, verkaufen oder neu bauen wollen.

Homeoffice ermöglicht Rückzug aufs Land

Während man zu Beginn noch davon ausging, dass die Corona-Pandemie die Grundstücks- und Immobilienpreise drücken könnte, sieht man heute einen Zusammenhang mit dem Preisanstieg in Randlagen und sogenannten B-Städten. Dies liegt vor allem daran, dass sich der Arbeitsalltag durch Homeoffice und damit wegfallende Arbeitswege stark verändert hat. Vielerorts führt dies zur Stadtflucht.

Bisher lagen die Grundstückspreise in ländlichen Gegenden bei deutlich niedrigeren Quadratmeterpreisen als es in den großen Städten und Ballungszentren der Fall war. Das lag vor allem daran, dass deutlich mehr Grundstücksfläche zur Verfügung stand. Mit zunehmender Stadtflucht und Suburbanisierung könnte sich dies in Zukunft ändern. Zudem wollen immer mehr Kapitalanleger in Sach- und Immobilienwerte investieren. Da sich die Nachfrage nach wie vor auf einem hohen Niveau befindet, ist auch das Preisniveau entsprechend hoch. Während im Jahr 2000 der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Bauland bei ca. 76 Euro lag, ist er heute bei 213 Euro, Tendenz weiterhin steigend.

Weitere Faktoren, die den Grundstückspreis ausmachen

Weitere Faktoren, die den Grundstückspreis beeinflussen sind die Umgebung, Einwohner, Bodenbeschaffenheit und das Grundstück selbst. Befinden sich beispielsweise Kitas oder Arztpraxen in unmittelbarer Nähe und hat es eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, kann es deutlich mehr Wert sein. In Städten mit einer hohen Kaufkraft steigen die Grundstückspreise zudem eher als in ärmeren Regionen. Zudem spielt auch die Art des Bodens (Lehm, Kies, Erde oder Fels) und das Grundstück an sich den Preis. Wenn es groß und gut geschnitten ist, können deutlich höhere Quadratmeterpreise verlangt werden als bei kleinem und verwinkeltem Grund und Boden.

Mieter zittern vor steigenden Wohnkosten

Doch nicht nur potenziellen Käufern spielt der Grundstück- und Immobilienpreis schlecht in die Karten. Auch wer zur Miete wohnt zittert – und das nicht nur in Berlin. Dort hatte die rot-rot-grüne Koalition mit dem sogenannten Mietendeckel versucht, ein Gesetz auf den Weg zu bringen, das eine Mietabsenkung, eine Mietobergrenze sowie die Begrenzung der Modernisierungsumlage beinhaltete. Doch im April 2021 wurde dieses vom Bundesverfassungsgericht als verfassungswidrig erklärt. Das bedeutet nicht nur, dass Vermieter die Mieten weiterhin steigen lassen können. Auch müssen Mietbeträge, die aufgrund des Gesetzes nicht bezahlt oder abgesenkt wurde, nachgezahlt werden. Die Sorge vieler Mieter ist groß, denn teilweise warten horrende Summen darauf, nachgezahlt zu werden.

Doch nicht nur die Stadt Berlin hat ein Problem mit hohen Mietpreisen. In ganz Deutschland zeigt sich ein deutlicher Trend nach oben. Dabei geraten Mieter eher unter Stress als Eigentümer oder Kaufwillige. Insbesondere in den großen Städten machen sich Mieter Sorgen über ihre Wohnsituation und fragen sich, wie lange sie sich ihre Wohnung noch leisten können. Wer Eigentum hat, lebt deutlich unbeschwerter. Eigentümer sind von der Verknappung des Wohnraums nicht betroffen. Zusätzlich müssen sie sich weniger Sorgen machen, dass sie sich ihre Bleibe im hohen Alter nicht mehr leisten können. Wer sich früh sein Eigenheim beschafft, hat dieses mit Renteneintritt in der Regel längst abbezahlt.

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