Arbeitsunfälle im Betrieb – Lagerarbeiter sind am gefährdetsten

Lagerhallen sind mit ihrem oft undurchdringlich scheinenden Labyrinth aus schmalen Wegen ein ständiger Quell von Unfällen. An den Rändern der Wege türmen sich vollgepackte Regale, die jeden Moment zu bersten drohen. Ständig fallen gelagerte Sachen herunter, bei denen es sich nicht immer um ungefährliche Leichtgewichte handelt. Gabelstapler, welche die Wege für den Transport entlangfahren, tragen ihr Übriges zur Gefährlichkeit des ganzen Ortes bei. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) schätzt die jährliche Anzahl an Unfällen in deutschen Lagerhallen auf rund 75.000. Außerdem kommt es in Lagerhallen immer wieder zu schweren Bränden.

Die Organisation von Lagerhallen ist so kompliziert, dass es mit dem Kommissionierer sogar einen eigenen Beruf speziell für Werkshallen gibt. Dieser erfordert zwar keine Ausbildung an Berufsschulen und wird als Hilfsarbeit nur auf dem Niveau der Lohnuntergrenze bezahlt. Die Art der Tätigkeit, nämlich das Zusammensuchen von Materialien zum Beispiel für einen Kundenauftrag, ist aber durchaus herausfordernd.

Unfallschwerpunkt Lagerhalle – sinnvolle Schutzmaßnahmen

Wer es schafft, zumindest ansatzweise Ordnung in das Chaos Lagerhalle zu bringen, gestaltet das System effizienter und reduziert die Unfallgefahr deutlich. Mitarbeiter empfinden Investitionen in ihre Sicherheit zudem als Wertschätzung. Dies hilft dabei, Unternehmer und Mitarbeiter zusammenzuschweißen, damit letztendlich alle an einem Strang ziehen. Wir stellen einige wichtige Schutzmaßnahmen vor, die auch in der Lüneburger Heide aus den oft unwirtlich anmutenden Lagerhallen einen sichereren und besseren Ort machen:

Den strengen Rechtsvorgaben folgen

Die deutsche Bürokratie mag manchen Unternehmer an den Rand des Wahnsinns treiben. Die in DIN EN 15635 geltenden Normen können aber Leben retten. Wer sich an die verpflichtenden Sicherheitsstandards hält, schützt sich und sein Unternehmen nicht nur vor empfindlichen Strafen, sondern investiert auch in die Sicherheit seiner Beschäftigten. Die Gesetze sind das Resultat von Jahrhunderten an Erfahrungen und klugen theoretischen Konzepten. Entsprechend ernst sollten Verantwortliche diesen Ideenschatz nehmen.

Rammschutz installieren

Noch immer werden Gabelstapler ob ihrer eher geringen Geschwindigkeit unterschätzt. Dabei verursachen sie nicht selten folgenschwere Unfälle in Lagerhallen, die zuweilen tödlich enden, denn der Gabelstapler ist im Gefährt bei Kollisionen vollkommen ungeschützt. Wer sensible Stellen und Bereiche mit einem Rammschutz ausstattet, beugt Unfällen vor und verhindert, dass eine Kollision zu schweren Schäden an Personen und Material führt.

Regelmäßige Lagerbegehungen

Kontrolle durch Lagerbegehung ist einmal jährlich für Unternehmen ab 20 Beschäftigten Pflicht. Doch auch bei einem kleineren Mitarbeiterstamm sollten verantwortungsbewusste Unternehmer sich dieses zur Regel machen. Wer regelmäßig seine Lager auf Schwachpunkte und Gefahrenherde untersucht, wird immer etwas finden, was sich in puncto Unfallschutz verbessern lässt. Sicherheitsbeauftragte, die in Sicherheitsfragen geschult sind, entdecken zudem viele Fälle, die dem Laien als Gefahrenquelle nicht bewusst sind.

Regale nach Schäden überprüfen

Ähnlich wie Zonen lassen sich auch Regale mit einem Rammschutz ausstatten, der in Form von Anfahrschutzprofilen hergestellt wird. Wer diese Sicherheitsleistung noch nicht eingeführt hat, kann mit regelmäßigen Sichtprüfungen Anfahrschäden an Regalen erkennen. Regale können nämlich in Folge von Unfällen ihre Stabilität einbüßen und bei der kleinsten Berührung oder sogar ohne äußere Ursache in sich zusammenfallen. Bereits kleinere Veränderungen an ihrer empfindlichen Statik können für den Betrieb schwere Folgen haben.

Instandhaltungsmaßnahmen nur von einem Fachbetrieb

Der Gesetzgeber verpflichtet den Unternehmer nicht nur zu jährlichen Sicherheitsinspektionen, sondern auch dazu, entdeckte Mängel, die das Potenzial zu einem Sicherheitsrisiko haben, „sofort und fachgerecht“ zu beseitigen. Auch für solche Instandhaltungsmaßnahmen stehen Spezialisten zur Verfügung, für welche die Mängelbeseitigung Routine ist.

Mitarbeiterschulung

Spezialisten sind gut und schön. Noch besser wirken Sicherheitskonzepte aber, wenn jeder Beschäftigte einschließlich Arbeitskräfte mit geringem Verantwortungsgrad in Sicherheitsfragen geschult ist, damit er weiß, wie er sich in der Lagerhalle so verhält, dass er sich und andere nicht gefährdet. Außerdem werden die Sicherheitsbestimmungen der DGUV regelmäßig optimiert, sodass regelmäßige Nachschulungen erforderlich sind.

Alle Wege im Lager sichtbar markieren

Wegemarkierungen in Form von Markierbändern und Markierfarben machen die Wege in der Lagerhalle sichtbarer und helfen bei der Unterscheidung zwischen Fahrstraßen und Laufwegen. Kommt es in der Lagerhalle zu Nässe oder Schmierfilmen, dann helfen Antirutschbänder weiter, um Unfälle zu vermeiden.

Die richtige Arbeitsschutzkleidung

Der Arbeitsschutz wurde in den letzten Jahren immer stärker optimiert und auf immer mehr Bereiche am menschlichen Körper ausgeweitet. Auch dies hilft der Unfallgefahr zu begegnen. Unternehmer sollten hier nicht an der falschen Stelle sparen, damit ihre Beschäftigten besser geschützt sind, was sich übrigens auch auf die Mitarbeiterzufriedenheit spürbar auswirkt.

Zuverlässige Erstversorgung garantieren

Erste-Hilfe-Koffer sind in Unternehmen vorgeschrieben und müssen auch in Lagerhallen jederzeit schnell erreichbar sein, um bei einem Unfall rechtzeitig Hilfe leisten zu können. Doch das Material ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite sind Beschäftigte, die wissen, wie die Werkzeuge auch anzuwenden sind. Damit jeder im Notfall erste Hilfe leisten kann, sollten solche Kurse im Betrieb angeboten werden. Bevor die Ärzte eintreffen, kann in den sensiblen ersten Minuten nach dem Unfall schon viel getan werden.

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