Donnerstag , 21. Oktober 2021

Von der Energiewende profitieren

Klimakatastrophen wie die Flut im Ahrtal zeigen uns, dass es fünf vor zwölf ist, was den Klimaschutz angeht. Schon seit den 90ern wird intensiv darüber debattiert, was unser derzeitiger Lebensstil für einen Schaden anrichten kann: Ozonloch, Naturkatastrophen, ein Abschmelzen der Polkappen, zerstörte Ökosysteme, verschmutzte Meere – Probleme, die wir zum Teil selbst mit ausbaden müssen. Größtenteils werden wir diese Probleme aber an unsere Kinder vererben und eine Erde hinterlassen, die stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Die Bundesregierung ist deshalb sehr bemüht, die Nutzung fossiler Brennstoffe so weit wie möglich zu reduzieren. Die Angriffspunkte sind dabei Wärme, Energie und Mobilität. Schaffen wir es, in diesen Bereichen weitgehend auf erneuerbare Energien umzustellen, können wir die schädigenden Entwicklungen vielleicht aufhalten oder zumindest stark ausbremsen. Doch nicht nur die Erde wird von der Energiewende profitieren, sondern auch Unternehmen und Anleger. Diese Entwicklung geht jedoch nicht von heute auf morgen.

Selbst die erneuerbaren Energien brauchen die Energiewende

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um Energie zu gewinnen, ohne fossile Brennstoffe zu nutzen und damit starke Emissionen zu generieren. Besonders beliebt sind für die Gewinnung erneuerbarer Energien die Solarenergie, die Windenergie, aber auch Wasserkraft.

Doch diese erneuerbaren Energien wollen auch genutzt werden. Dazu ist es nötig, Energie zu speichern und weiterzugeben. Zusammen mit Unternehmen für erneuerbare Energien müssen also auch Akkumulatoren-Hersteller und Stromlieferanten umdenken. Findet in diesen Bereichen keine Wende statt, bringt uns all die Forschung nicht weiter. Als Industrieland zeigt Deutschland zwar großes Interesse daran, die industriellen Emissionen zu reduzieren, doch es ist Luft nach oben. In den kommenden zwanzig Jahren soll sich daher viel verändern – 2030 soll ein Meilenstein-Jahr im Bereich Klimaschutz werden.

Warum die Energiewende so wichtig ist

Durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe, wie es beispielsweise beim Autofahren der Fall ist, setzt man CO2-Emissionen frei. Diese Emissionen beinhalten Luftschadstoffe, welche die Qualität der Luft reduzieren. Wir verschmutzen damit also Stück für Stück den Lebensraum Erde – beispielsweise durch sauren Regen. Gleichzeitig können Methan, Ruß und CO2 das Klima beeinflussen. Jedes Jahr nimmt die durchschnittliche Temperatur auf der Erde zu. Zwar verzeichnet man seit Beginn der Industrialisierung nur eine Erderwärmung von 1 bis 1,2 Grad, was gering erscheint, dennoch hat bereits dieser vermeintlich kleine Anstieg, verheerende Auswirkungen.

Es ist an der Zeit, Treibhausgase durch Emissionen so drastisch zu reduzieren, dass sich die globale Erwärmung aufhalten lässt. Dabei ist die Mithilfe der Bürger gefragt, aber vor allem auch das Mitwirken von Konzernen. Die Energiewende bietet den rechtlichen Rahmen für dieses Umdenken.

Energiewende als Geldanlage?

Durch die Energiewende verschiebt sich gerade auch etwas in der Wirtschaft – kein Wunder, denn wenn erneuerbare Energien benötigt werden, muss es Unternehmen geben, die diese liefern können. An der Wende sind also Energiehersteller beteiligt, aber auch Zulieferer von Batterien oder Akkumulatoren. Neben den Energie-Unternehmen gibt es auch noch andere Firmen, die sich in den Bereichen Klimaschutz und Nachhaltigkeit stark machen.

Man kann also davon ausgehen, dass diese Unternehmen durch die steigende Nachfrage nach ihren Produkten, in den kommenden Jahren Profit machen werden. Und genau davon können auch Anleger profitieren. Eine Investition in erneuerbare Energien ist eine Investition in die Zukunft.

Was genau ist eigentlich eine nachhaltige Geldanlage?

In der Finanzwirtschaft spricht man immer wieder von nachhaltigen Geldanlagen, doch was bedeutet das eigentlich genau? Bei nachhaltigen Geldanlagen handelt es sich um Investitionen in Unternehmen, die sich für ökologische und sozialpolitische Themen stark machen. Dazu zählt produzierendes Gewerbe, das Produkte auf den Markt bringt, die beispielsweise frei von Plastik sind. Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen True Gum, das nachhaltiges Kaugummi auf den Markt gebracht hat – ohne Plastik, dafür mit dem elastischen Saft des Breiapfelbaumes.

Doch selbstverständlich fallen auch die Branchen um die Gewinnung und Speichern erneuerbarer Energien sowie Hersteller im Sektor E-Mobilität zu den nachhaltigen Unternehmen. Fördert man diese durch eine Investition, legt man sein Geld nachhaltig an. Das birgt zwei Vorteile: Einerseits beteiligt man sich so aktiv an der Energiewende, andererseits kann man von ebendieser profitieren.

Das Drei-Säulen-Modell: Ökonomie, Ökologie und Soziales

Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit wird immer mehr zum Schlagwort, wenn es um nachhaltige Entwicklung geht. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass die Energiewende nur durch eine enge Verbindung der Bereiche Wirtschaft, Umweltschutz und Sozialpolitik erfolgreich sein kann.

Für Anleger bedeutet das, dass Anlagen in diesen drei Bereichen lukrativ sein können. Indem man also in wirtschaftliche Betriebe investiert, die sich den Umweltschutz und Soziales zum Ziel setzen, kann man dazu beitragen, die nachhaltige Entwicklung gemäß den drei Säulen voranzutreiben. Die Verteilung sollte dabei gemäß Experten gleichmäßig erfolgen.

Aus dem Anlage-Dreieck wird das Anlage-Viereck

In der Finanzwirtschaft sprach man im Zusammenhang mit Geldanlagen bisher vom magischen Dreieck aus Rendite, Risiko und Liquidität. Nun entwickelt sich das Dreieck aber zum Viereck weiter. Der neue Eckpunkt ist dabei die Nachhaltigkeit. Für immer mehr Anleger kommen nämlich nur noch nachhaltige Investitionen infrage.

Unternehmen, welche die Energiewende ernst nehmen, genießen mittlerweile einen besseren Ruf. Konzerne, die Ausbeutung betreiben oder die Umwelt anderweitig negativ beeinflussen, verlieren dagegen zunehmend an Attraktivität für Anleger. Dieser Trend wird vielleicht eines Tages dazu führen, dass ausbeutende Unternehmen sich dem Druck der Gesellschaft fügen und ihre Philosophie überdenken. Durch gezielte Investitionen in nachhaltig agierende Unternehmen kann man die Energiewende also indirekt vorantreiben.

Möglichkeiten der nachhaltigen Geldanlage

So viel also zur Theorie, doch wie sieht es in der Praxis aus? Welche Möglichkeiten haben Anleger, wenn sie nachhaltig investieren möchten? Solaranlagen auf dem eigenen Dach sind ein Start, doch bei Weitem nicht die einzige Möglichkeit, um in die Energiewende investieren zu können. Die nachfolgenden Geldanlagen stellen sowohl für Anfänger als auch für erfahrene Anleger gute Möglichkeiten dar.

Erneuerbare Energien Aktien

Die Investition in erneuerbare Energien Aktien die eine der direktesten Formen, um in Nachhaltigkeit zu investieren. Anleger wählen dabei Unternehmen aus, die nachhaltig arbeiten oder im besten Fall sogar die Energiewende aktiv vorantreiben. Dazu zählen Energiegewinnungs-Unternehmen, die auf erneuerbare Energien setzen, aber eben auch Zulieferer von Lithium-Ionen-Batterien oder anderen Produkten, die zur Speicherung und Verteilung erneuerbarer Energie beitragen. Macht das Unternehmen Profit, darf sich der Anleger über Rendite freuen.

Anleihen, Nachrangdarlehen und Ähnliches

Grüne Anleihen sind eine weitere Art, in Nachhaltigkeit zu investieren. Dabei gewährt der Anleger dem Unternehmen einen Kredit und erhält dafür Zinsen. Ganz ähnlich funktioniert das Prinzip des Nachrangdarlehens: Da die Rückzahlung des Darlehens im Insolvenzfall Nachrang vor anderen Verbindlichkeiten hat, sind die Zinsen durch das höhere Risiko für Anleger dabei meist höher.

Nachhaltige Fonds

Nachhaltige Fonds sind vor allem für diejenigen interessant, die ein langfristiges Anlageziel verfolgen. So investieren beispielsweise viele Menschen damit in ihre Altersvorsorge oder schaffen auf diese Art ein finanzielles Polster für ihre Kinder und Enkel. Bestandteile dieser Fonds sind meist nachhaltige Unternehmen aus der Forstwirtschaft, aus dem Mobilitätssektor oder solche, welche Schadstoffbelastung von Luft und Wasser anderweitig reduzieren möchten.

Nachhaltige ETFs

Wer sich an nachhaltigen Unternehmen beteiligen möchte, aber sich vor einem Aktienkauf scheut, kann über einen ETF nachdenken. Ein ETF spiegelt einen gesamten Markt wider und spielt Rendite aus, wenn dieser Markt wächst. Das Wachstum hängt dabei also nicht vom Erfolg einzelner Unternehmen ab, sondern ergibt sich aus der Gesamtheit des Markterfolges. Bei grünen ETFs handelt es sich also um den Erfolg des Sektors Nachhaltigkeit. Da dieser in den kommenden Jahrzehnten stark zunehmen sollte, eignet sich ein nachhaltiger ETF perfekt für eine langfristige Investition mit geringem Risiko.

Crowd-Investment

Auch beim Crowd-Investment leiht man Unternehmen im Nachhaltigkeitssektor Geld. Das Unternehmen gibt ein Ziel vor – beispielsweise die Entwicklung eines nachhaltigen Produktes. Eine bestimmte Menge an Personen (Crowd) kann dann in dieses Projekt investieren und damit zur Umsetzung beitragen. Gelingt es dem Unternehmen, sein Ziel zu erreichen, profitiert der Investor im Verhältnis zu seiner Anlage mit.

Diese Art der Investition eignet sich vor allem für diejenigen, die die tatsächliche Nachhaltigkeit von Großkonzernen hinterfragen und deshalb kleinen Startups eine Chance bieten möchten.

Bildquelle:
Pixabay

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