Unerfüllter Kinderwunsch: Ursachen im Überblick

Die Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch sind vielfältig. Dennoch haben sie eins gemeinsam: Wenn es mit der Schwangerschaft nicht klappt, ist das für alle Beteiligten eine enorme physische und psychische Belastung. Wenn der Nachwuchs auf sich warten lässt, stellt sich vielen Paaren die Frage, welche Gründe es haben könnte.

Welche Ursachen kann ein unerfüllter Kinderwunsch haben?

Mit zunehmendem Alter sinkt bei Frauen natürlicherweise die Fruchtbarkeit. Männer können zwar bis ins hohe Alter Kinder zeugen, aber ab dem 40. Lebensjahr nimmt auch die Befruchtungsfähigkeit ihrer Spermien ab. Viele Paare verschieben ihre Familienplanung aus privaten oder beruflichen Gründen immer weiter nach hinten. Dadurch verschlechtern sich die biologischen Voraussetzungen für einen Kinderwunsch zunehmend. Jedes sechste Paar weltweit hat Schwierigkeiten, innerhalb eines Jahres ein Kind zu bekommen.
Eine Über- oder Unterproduktion bestimmter Botenstoffe kann den weiblichen Zyklus zum Beispiel aus dem Gleichgewicht bringen. Ein unregelmäßiger Zyklus erschwert es jedoch schwanger zu werden. In Deutschland sind circa 1,5 bis 2 Millionen Paare von einer vorübergehenden Unfruchtbarkeit (Infertilität)betroffen. Doch welche Ursachen können dafür verantwortlich sein?

Ursachen für Unfruchtbarkeit bei der Frau

Die Gründe für Unfruchtbarkeit bei Frauen können unterschiedlicher Natur sein: ein Ungleichgewicht des Hormonhaushalts, starkes Über- und Untergewicht, eine Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion und Diabetes. Fruchtbarkeitsstörungen haben auch organische Ursachen und treten im Zuge von Erkrankungen oder angeborenen Schädigungen auf. Dazu zählen Krankheiten der Scheide und im Gebärmutterhalskanal sowie Veränderungen in der Gebärmutter. In ihr können sich gutartige Tumore, auch Myome genannt, bilden. Eine weitere Ursache für Unfruchtbarkeit ist Endometriose. Bei der Erkrankung lagert sich die Gebärmutterschleimhaut an anderen Organen ab. Als Folge blockieren, verkleben oder vernarben die gebildeten Wucherungen die Eierstöcke und machen die Frau unfruchtbar.
Nach einer Entzündung (zum Beispiel Adnexitis), Operationen und Infektionen kann es zu Verklebungen der Eileiter kommen. Wenn sich zu wenig Eibläschen bilden oder der monatliche Eisprung ausbleibt, ist eine Schwangerschaft kaum möglich. Selten sind angeborene Fehlbildungen der Fortpflanzungsorgane, beispielsweise der Eileiter, der Grund für Infertilität. In Ausnahmefällen kommt es bei Frauen zu einer immunologischen Abwehrreaktion gegen die Spermien des Partners. Dabei verhindert das körpereigene Immunsystem das Eindringen fremder Zellen und eine Befruchtung der Eizelle bleibt aus.

Die Ursachen eines unerfüllten Kinderwunsches sind jedoch nicht immer auf organische Gründe zurückzuführen. Auch Stress, seelische Belastung oder Schlafmangel können indirekt die Fruchtbarkeit beeinflussen. Schlagen die Faktoren auf die Psyche und hält eine solche Belastung länger an, kann sich das wiederum auf den Hormonhaushalt auswirken und den weiblichen Zyklus beeinträchtigen.

Gründe für Unfruchtbarkeit beim Mann

Auch beim Mann sind die Ursachen einer Unfruchtbarkeit verschieden. Zu den häufigsten Gründen für die männliche Infertilität gehören eine schlechte oder verminderte Spermienqualität. Die Samenzellen sind dann zu unbeweglich oder die Samenflüssigkeit enthält nur wenig Spermien. Bei einer Unfruchtbarkeit ist möglicherweise die Spermienproduktion gestört. Sie ist entweder erblich bedingt oder Männer erwerben sie im Laufe des Lebens. Krankheiten, wie Mumps, Entzündungen der Geschlechtsorgane oder Leistenbrüche können die Hoden schädigen. Neben Hormonerkrankungen und Durchblutungsstörungen sind auch angeborene Schädigungen wie Fehlbildungen der Genitalien (Hodenhochstand) weitere mögliche Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch.

Einflussfaktoren bei Frauen und Männern

Nicht nur biologische und organische Ursachen können Einfluss auf die Fruchtbarkeit von Paaren haben, sondern auch äußere Faktoren. Dazu zählen Umweltgifte, Medikamente, eine ungesunde Ernährung, Alkohol- und Drogenmissbrauch (Rauchen und regelmäßiger Cannabiskonsum) sowie schwere körperliche Arbeit. Zudem mindern sexuelle Probleme wie Erektionsstörungen die Chancen, schwanger zu werden.

Unerfüllter Kinderwunsch: Gemeinsam den Ursachen auf den Grund gehen

Für die ungewollte Kinderlosigkeit ist oft nicht nur ein Faktor verantwortlich. Trotz verbesserter Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten bleiben die Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch manchmal ungeklärt. Bei etwa zehn Prozent der betroffenen Paare lässt sich kein eindeutiger Grund für ihre Unfruchtbarkeit feststellen.

Wenn die Schwangerschaft nicht klappt, ist das meist eine herbe Enttäuschung für betroffene Paare. Auch wenn die Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch nicht auszumachen sind, hat die Reaktion des Körpers einen Grund. Oft zeigt sie an, dass der Organismus zu dem Zeitpunkt nicht bereit ist, ein Kind auszutragen.

Unfruchtbarkeit muss aber kein Dauerzustand sein. Sie verhält sich individuell verschieden, denn jeder Mensch reagiert auf seine Lebensumstände unterschiedlich. Für eine angemessene Behandlung ist es wichtig, den Ursachen auf den Grund zu gehen, um sie möglichst genau diagnostizieren zu können. Dafür wenden Frauen sich am besten an ihren Gynäkologen, Männer an Urologen oder Andrologen. Auch bieten reproduktionsmedizinische Zentren und spezielle Praxen individuelle Behandlungsmöglichkeiten an, wie zum Beispiel eine künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation). Unabhängig davon, für welchen Weg sich ein Paar entscheidet, sollten sich beide Partner in die Behandlung einbringen und gegenseitig unterstützen.

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